Das Trump-Experiment
Die Midterm-Wahlen stehen bevor, und es ist spannend. Liegen die Demoskopen erneut (wie bei der Präsidentschaftswahl) sehr weit daneben mit ihren Prognosen von Erdrutschsiegen der Demokraten und selbst einem Demokraten-Vorsprung in traditionellen Republikaner-Hochburgen?
Die erste Amtszeit Trumps habe ich lange nicht so negativ gesehen wie weite Teile der hierzulande veröffentlichten Presse, die ja quasi 100% gegen Trump war und deshalb auch von der erneuten Wahl ganz kalt erwischt wurde. Aber die zweite Amtszeit? Da fällt es schwer, positive Aspekte zu finden. Selbst Ziele, die ich jetzt nicht als absurd falsch empfinde oder die ich sogar nachvollziehen kann, wurden mit derart fragwürdigen Methoden begonnen oder durchgeführt, dass einem – selbst wenn man die teils verabscheuungswürdige Begleitrhetorik ausblendete – wirklich die Galle hochkam.
Und so frage ich mich, ob wir jetzt ein aus meiner Sicht erwartungsgemäßes Zwischenergebnis des großen Zweite-Trump-Amtszeit-Experiment sehen werden: die Wähler strafen dieses Verhalten gnadenlos ab, weil das Fass nicht nur überlief, sondern schon unter Wasser stand.
Oder die US-Amerikaner sind ganz anders gestrickt und das Beharrungsvermögen, die Schönrednerei, die Unsummen die für Wahlkampf-Propaganda ausgegeben werden, all das wirkt weit stärker als ich es mir vorstellen kann.
Demnächst wissen wir mehr.
Und sollten die Demokraten tatsächlich die Mehrheit in beiden Häusern gewinnen, bleibt die Frage, was danach passieren wird – Trumps dann verbliebene Macht wird sich dann auf die Außenpolitik konzentrieren, und das könnte potenziell übel für die Ukraine ausgehen. Oder auch nicht. Vorhersagen sind quasi unmöglich geworden in dieser verrückten Welt. Und wir werden dann sicher neue Details über das präsidiale Veto-Recht und seine Grenzen lernen.