Großkonzerne haben’s schwer

Seit kurzer Zeit hat Coca-Cola eine neue Coke-Variante im Angebot: Coke Life. Wer es noch nicht weiß: Coke Life erkennt man am grünen Etikett und Deckel (wer erinnert sich noch an die grausame Zeit, als die klassische Coke einen grünen Deckel tragen musste?). Inhaltlich hat man einen Teil des Zuckers durch Stevia-Süße ersetzt. Genauer: 37% des Zuckers wird ersetzt. Was kalorienmäßig dann bei 270 kcal pro Liter landet. Im Vergleich: die klassische Coke liegt bei 420 kcal/l.

Als neugieriger Mensch und Coke-Liebhaber habe ich natürlich direkt testgetrunken. Und bin soweit zufrieden: geschmacklich ist die Coke Life recht nah am Original. Hat aber doch einen eigenen, angenehmen Geschmack. Vergleiche mit den Null-Kalorien-Varianten Light und Zero verbieten sich – beide schmecken bekanntlich komplett anders als das Original und „bestechen“ durch den unangenehmen Süßstoff-Nachgeschmack, der Kaloriensparer aller Länder in den Wahnsinn treibt.

Soweit meine persönliche Einschätzung. Heute durfte ich auf Focus Online (der Link ist merkwürdig, aber Stand heute korrekt – er scheint eher auf den Vorbeitrag des Experten zu verweisen) die Meinung des Experten Christoph Engl dazu lesen.

Darin prophezeit der Autor einen gewaltigen Flop. Dabei postuliert er allerhand mutige Thesen: die grüne Farbe wurde von Coca-Cola gewählt, um das Produkt mit den Attributen „natürlich“, „gesund“, „umweltbewusst“ und „sozialverträglich“ zu positionieren. Und weil inzwischen nur noch „kritische Kunden“ existieren – früher allesamt „bedenkenlose Konsumenten“ – wird das keiner kaufen wollen. Zudem die Konsumenten den Geschmacksverlust auf keinen Fall in Kauf nehmen werden. Man fragt sich, wo die ganzen Kunden für Light und Zero herkommen, wenn Geschmacksverlust nicht toleriert wird.

Derart in Fahrt, legt der Autor mit Beispielen „ähnlicher Versuche etablierter Marken“ nach: darunter VW mit dem Phaeton und Nivea im Bereich Kosmetik. Bekanntlich ist nicht alles, was hinkt, ein Vergleich – aber die Gemeinsamkeiten zwischen diesen Dingen sind doch sehr überschaubar.

Laut Autor wurden übrigens Geschmackstests durchgeführt die beweisen, dass Stevia-Extrakt anders schmeckt als Rohrzucker. Da denkt man unweigerlich an Loriot: „Ach.“ Oder modern: Captain Obvious. Ob diese Geschmackstests aber tatsächlich Coke vs. Coke Life verglichen haben und zu „merklichem Geschmacksverlust“ geführt haben, würde ich nach meinen Geschmackserfahrungen spontan bezweifeln. Tatsächlich würde ich vermuten, dass im Doppelblindversuch viele Probleme hätten die echte Coke von seinem Life-Bruder zu unterscheiden.

Die Zeit wird zeigen, ob die Coke Life sich am Markt etablieren kann. Nachdem es aber seit buchstäblich Jahrzehnten eine Geschmacksverirrung wie Cherry Coke geschafft hat, verfügbar zu bleiben, sehe ich für die Coke Life keineswegs schwarz.

Seit langer Zeit beobachte ich, dass einige Großkonzerne gerne von allen möglichen Seiten angepisst werden. Typische Ziele sind neben Coca-Cola auch McDonalds, Microsoft, Shell oder General Motors. Komischerweise deutlich seltener ebenso große Konzerne wie Apple oder Toyota. Illustriert schön den typischen „Media Bias“. Hier die Guten, dort die Bösen. Nur gepflegte Feindbilder sind gute Feindbilder.

Am Ende sei mir noch ein Hinweis erlaubt: als ich zum ersten Mal die Coke Life im Regal stehen sah, war meine Grün-Assoziation lediglich „aha, wahrscheinlich was pflanzliches drin“. Denn kein halbwegs vernünftiger Mensch, der noch nicht komplett von der pseudo-grünen Medienkampagne gehirngewaschen wurde, assoziiert mit „Grün“ Dinge wie „umweltbewusst“, „gesund“ oder „sozialverträglich“. Wenn uns die letzten 30 Jahre „grüne Politik“ etwas gelehrt hat, dann doch wohl, dass sie für das genaue Gegenteil steht.

Lieblingsblogs vorgestellt: Rentnerblog

Heute will ich einen Blog vorstellen, über den ich vor einigen Jahren eher zufällig gestolpert bin. Dr. Willy Marth schreibt in seinem „Rentnerblog“ über Themen wie unsere Stromversorgung, die Energiewende, die Kernenergie und auch mal über das KIT, wo er ein paar Jahre forschte, als es noch Kernforschungszentrum Karlsruhe hieß.

Die Beiträge sind allesamt kenntnisreich und wohlformuliert, ein echter Lesegenuss. Besonders die Artikel über die Kerntechnik sind exzellent und profitieren vom enormen Hintergrundwissen des Autors.

Ab und an gibt es auch mal einen Beitrag über kulturelle oder geschichtliche Themen, was die Sache schön auflockert. Und dem Bloguntertitel „Blogge über Gott und die Welt“ absolut gerecht wird.

Der Blogautor ist gleichzeitig auch Buchautor. Bisher zwei Bücher gehen auf sein Konto: „Meine Erlebnisse an deutschen Kernreaktoren und Wiederaufarbeitungsanlagen: Lustige und weniger lustige Geschichten eines Insiders“, welches ich mit großer Begeisterung gelesen habe und sein neuestes Werk „Energiewende und Atomausstieg“, das auf meinem Nachttisch auf dem noch-zu-lesen-Stapel liegt. Kurze Leseproben gibt es auf dem Blog.

Die einzige Schwäche des Blogs ist die geringe Postingfrequenz. Aber Qualität ist allemal wichtiger als Quantität.

Bisher in der Reihe „Lieblingsblogs vorgestellt“ veröffentlicht: