Trump und das Klima

Die Gazetten drehen hohl, auf allen Fernsehsendern herrscht tiefe Betroffenheit, Politiker sagen noch mehr und häufiger komplett schwachsinnige Dinge als sonst, und alles scheint sich in kollektiver Besoffenheit (Copyright 2011 by Zettel) zu suhlen. 2011 Fukushima, 2016 Brexit und 2017 schließlich die Kündigung des Pariser Klimaabkommens durch die USA, respektive Präsident Trump. Normalerweise sind ja die Leserkommentare bei den Online-Medien wie SPIEGEL Online oder Focus Online nochmal abstruser als die Berichterstattung, die durch sie kommentiert wird. In diesem Falle scheint aber die Berichterstattung in ihrer Schrillheit nicht mal theoretisch überbietbar zu sein.

Was ist passiert? Wie im Wahlkampf angekündigt macht US-Präsident Trump in Sachen Klimapolitik Nägel mit Köpfen. Abkommen, die aus seiner Sicht keinen Sinn ergeben, werden aufgekündigt, und so hat es zwangsläufig das Pariser Klimaabkommen getroffen. So weit, so normal – man behalte im Hinterkopf, dass der frühere US-Präsident Obama zwar das Pariser Abkommen unterzeichnet hat, es aber vorsichtshalber nicht dem Senat zur Ratifizierung vorgelegt hat, vermutlich weil er wusste, dass er dort keine Mehrheit hatte. Eigentlich ist also sogar fragwürdig, ob Trump das Abkommen denn überhaupt kündigen muss, schließlich ist es aufgrund fehlender Ratifizierung für die USA nie in Kraft getreten. Man könnte also argumentieren, dass Trump lediglich den Status Quo für alle endgültig geklärt hat (die deutsche Wikipedia listet die USA z.B. als ratifizierende Nation des Abkommens, was nicht der Wahrheit entspricht – mindestens ist es aber strittig).

Was ist der Inhalt des Pariser Klimaschutzabkommens? Hauptsächlich Absichtserklärungen. Jedes unterzeichnende Land sichert zu, gewisse Anstrengungen zu unternehmen, um seinen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Das alles völlig unverbindlich, ohne Sanktionsmöglichkeiten, letztlich auch ohne internationale Kontrolle. Wozu auch kontrollieren, wenn die Ergebnisse niemanden interessieren? Dafür waren die formulierten Ziele umso ambitionierter: das „2-Grad-Ziel“ (teilweise war sogar vom „1,5-Grad-Ziel die Rede) wurde weithin publiziert, also die Beschränkung der Klimaerwärmung auf +2 (bzw. 1,5) Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveaus.

An dieser Stelle fragt sich der Experte, was für Schwachsinnige denn hier am Werk waren. Angesichts von Klimamodellen, die kaum besser sind als Zufallszahlengeneratoren die als Nebeneffekt einen Haufen Rechenzeit verschwenden, ist völlig unklar, was denn notwendig wäre, um das „2-Grad-Ziel“ zu erreichen. CO2-Reduktion um wieviel? Reduktion anderer „Klimagase“? Aktive Maßnahmen wie Algendüngung oder Einbringung von Stoffen in die Atmosphäre? Nix genaues weiß man nicht. Die CO2-dominierten Klimamodelle schwanken ja auch ziemlich bezüglich der Klimasensitivität. Da kann eine Verdoppelung der CO2-Konzentration der Atmosphäre mal 1 Grad Erwärmung verursachen, oder auch mal 8 Grad. Auf welcher Basis sollen denn hier Maßnahmen beschlossen werden, die ähnlich präzise wirken sollen wie wenn man im Haus am Thermostat dreht? Was ist der Thermostat der Erde? Erscheint mir als Hybris, die ganze Geschichte. Vor allem wenn man noch bedenkt, dass letztlich die globale Mitteltemperatur doch völlig uninteressant ist – entscheidend ist, wie sich der Klimawandel in den kritischen Regionen der Erde auswirkt. Oder um es plakativ auszudrücken: aus der Tatsache, dass es in Hamburg in 100 Jahren so warm sein wird wie heute in Freiburg, fällt es schwer, die Klimakatastrophe als Schreckgespenst an die Wand zu malen.

Auch lustig sind die diversen Details, zu was sich die einzelnen Länder im Rahmen des Abkommens verpflichtet haben. Das war einer der Aufhänger für Trump, das Abkommen als „unfair für die USA“ zu bezeichnen. Angesichts der Tatsache, dass sowohl China als auch Indien bis 2030 quasi einen Freibrief bezüglich CO2-Emissionen bekommen haben, kann man das durchaus nachvollziehen. Auch wenn natürlich fraglich ist, ob die USA es denn wirklich anstreben sollten, mit China und Indien bei der Produktion energieintensiver und lohnkostensensibler Waren zu konkurrieren. Aber mal als Vergleich: bereits heute hat China beim CO2-Ausstoß-pro-Kopf Frankreich deutlich hinter sich gelassen, dümpelt aber beim Wohlstand (kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf) auf etwa einem Drittel des Frankreich-Niveaus. Es gibt also eigentlich keinen Grund für eine „Lex China“ im Abkommen – auch wenn China weiterhin den Status Entwicklungsland statt Industrienation unbedingt behalten will.

Nun, das Abkommen enthält also hoch gesteckte Ziele, die wenn man genau hinschaut pro Nation dann plötzlich nicht besonders ambitioniert sind, und es gibt keinerlei echte Verpflichtungen, sondern alles basiert auf Freiwilligkeit. Man nehme ein Klimamodell und stecke die Reduktionsvorschläge bezüglich CO2 der einzelnen Nationen rein. Was ist die Temperaturprognose für 2100? Bjorn Lomborg hat es ausgerechnet und kommt auf gewaltige 0,05 Grad Reduktion gegenüber dem „business as usual“-Szenario. Man könnte also sagen, dass es sich um ein echtes Bullshit-Polittheater-Abkommen handelt.

Man fragt sich also, warum alle Welt plötzlich aufjault, wenn Trump die Notbremse zieht. Denn einen wirklichen Unterschied gegenüber einem Szenario mit Beteiligung der USA gibt es ja nun wirklich nicht. Zumindest nicht in der Realität, vielleicht im Wolkenkuckucksheim der Politik.

Man lese sich nur mal diesen Beitrag auf SPIEGEL Online durch, amüsanterweise im Bereich „Wissenschaft“ erschienen. Der sieht es als „besondere Magie“ des Vertrages an, dass niemand für dessen Einhaltung verantwortlich ist. Und hätte es für besser gehalten, wenn Trump das Abkommen nicht aufgekündigt hätte, sondern einfach die Zusagen der USA hintenrum still und leise kassiert hätte. Weil war ja nix verbindlich. Dann wird im Artikel auch noch behauptet, dass der Meeresspiegel steigt, die Extremwetterereignisse sich häufen und die Gletscher tauen. Man sollte festhalten, dass die Faktenlage hier extrem dünn ist – zwar steigt der Meeresspiegel tatsächlich, aber eine Beschleunigung aufgrund der Temperaturerhöhungen ist nicht in Sicht. Ebenso gibt es bis heute keinen Nachweis, dass sich Extremwetterereignisse häufen – sicher ist nur, dass sich die Schäden wegen Extremwetterereignissen vergrößert haben, was aber ganz einfach durch den weltweit steigenden Wohlstand zu erklären ist. Richtig ist allerdings, dass die Mittel für den im Pariser Abkommen vorgesehenen Klima-Fond durch den Ausstieg der USA stark gefährdet sind – angesichts der Tatsache, dass dieser Klima-Fond eine Art alternative Entwicklungshilfe darstellt und man inzwischen ja weiß, wie schädlich sich klassische Entwicklungshilfe auswirkt, könnte das für die Entwicklungsländer ein Segen sein. Ansonsten spinnt sich der Artikel merkwürdige Ideen bezüglich des Verlustes von Einfluss der USA aufgrund der Nichtteilnahme am großen Klima-Theater zusammen. Inwiefern „Einfluss“ in harten Dollars bewertet werden kann, das lässt der Verfasser offen. Immerhin stehen ein paar erschreckend hohe Zahlen bezüglich bisheriger und zu erwartender Investitionen im Bereich der „Erneuerbaren Energien“ drin – angesichts der erwiesenen Wirkungslosigkeit dieser Investitionen zieht der Artikel aber nicht den zwingenden Schluss, dass man irgendwie auf dem Holzweg ist.

Noch einen drauf setzt Martina Fietz in ihrer Focus Online-Kolumne. Trump auf Irrfahrt, Trump rettet Europa, es wird von Vorteil sein viel Geld für wirkungslose Maßnahmen und Subventionen auszugeben, China wird gelobt weil sie ihre Verpflichtungen (die, wie oben beschrieben, gar keine CO2-Reduktion umfassen!) einhalten wollen, Klimawandel bedeutet drohender Kollaps des Planeten, der Rest der Welt will verantwortliche und zukunftsweisende Politik machen, der Grundkonsens des Westens sei aufgekündigt, die EU erscheine zunehmend als einzige Möglichkeit, die Grundwerte von Demokratie, Solidarität und Menschenrechten zu wahren. Nun, man kann durchaus der Meinung sein, dass der gemeinsame Feind Trump die europäischen Reihen geschlossen hat. Aber inwiefern das nun plötzlich die EU-Probleme lösen soll, und inwiefern ein wirkungsloses Klimaabkommen für Demokratie, Solidarität und Menschenrechte steht – all das bleibt im Dunkeln. Der Artikel führt eindrucksvoll vor Augen, wie der journalistische Konsens derzeit aussieht: alles was angeblich gut fürs Klima ist ist super, jeder der dagegen ist ist mindestens ein Amokläufer und ein Menschenfeind, Kampf gegen den Klimawandel rechtfertigt beliebige Kosten, „business as usual“ treibt uns in die Klimakatastrophe und wir werden alle sterben. Alle diese Positionen müssen offenbar gar nicht mehr begründet werden oder mit Fakten untermauert werden, sie sind quasi die eigentlichen Axiome unserer Welt. Jeder mit gesundem Restmenschenverstand muss sich da im falschen Film wähnen.

Aber Focus Online kann natürlich auch Außenpolitik. In diesem Artikel wird die künftige chinesische Rolle einer Supermacht und Führungsmacht bei allen zukünftigen Fragen prognostiziert. Wegen der Kündigung eines Abkommens, das nachweislich wirkungslos ist. Und die Chinesen führen beim Kampf gegen den Klimawandel, indem sie für sich eine besondere Ausnahme bei den teuren Maßnahmen reklamieren und den Rest der Welt bezahlen lassen. Ja, das klingt nach einer Führungsrolle, der sich die EU jubilierend unterordnen wird. Andere führen, wir zahlen – super. Naja, die Chinesen sind derzeit ja dabei, massiv die Kernenergie auszubauen. Dann könnten wir am Ende ja doch das Klima retten, wenn wir Europa mit chinesischen Kernreaktoren zupflastern anstatt mit Windmühlen und Photovoltaik. Preiswerter und sinnvoller als unsere jetzige Strategie wäre es auf jeden Fall.

Den einzig vernünftigen Artikel zu diesem Themenkomplex im Bereich Qualitätsjournalismus habe ich bei Welt Online gefunden – ist aber ein Gastbeitrag von eben jenem Bjorn Lomborg, kann also nicht wirklich gezählt werden. Es ist amüsant, dass gerade der Artikel mit sauber recherchierten gesicherten Fakten unter „Debatte“ und „Meinung“ veröffentlicht wurde.

Zum Abschluss noch ein paar Statements aus dem Bereich „gesunder Menschenverstand“ – jeder, der sich an den nackten Fakten orientiert, wird zu denselben Schlüssen kommen wie ich.

Die „Erneuerbaren Energien“ mögen ein Teil der Lösung sein, aber es ist eine sehr teure, schlecht skalierende Lösung. Es sei denn man ist Norwegen, Schweden oder Österreich und kann mit Wasserkraft große Teile des Strombedarfs decken. Windmühlen und Photovoltaik jedenfalls sind bis auf weiteres Teil des Problems, nicht der Lösung. Und bei Biomasse hat man einen klassischen Zielkonflikt Umwelt- vs. Klimaschutz, wo ich jederzeit für den Umweltschutz eintreten würde, denn der hat nachweisbar positive Auswirkungen auf unser aller Leben.

Kernenergie wäre eine optimale Lösung des CO2-Problems (und vieler anderer Probleme) – in Form von Hochtemperaturreaktoren wäre sogar eine CO2-neutrale Verkehrsinfrastruktur in Form von Wasserstoff für Brennstoffzellen oder synthetische Kraftstoffe als direkter Ersatz für Benzin und Diesel möglich. Leider hat sich ja ein erklecklicher Teil der Welt von dieser Lösungsmöglichkeit abgewendet, indem die Kernenergie totreguliert wurde und damit kosten- und bauzeitmäßig oftmals so im Hintertreffen ist, dass sie nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber Gas- oder Kohlekraftwerken sind. Allein in Deutschland wurde von der Politik ja nachhaltig klar gemacht, dass langfristige Investitionen jederzeit in Enteignung oder beliebiger Kostensteigerung durch sinnlose Vorschriften münden kann. Und Investitionsunsicherheit ist eben der Tod für alle Investitionstätigkeiten. Die Stromwirtschaft in Deutschland ist schon lange in einer lupenreinen Planwirtschaft angekommen.

Klimapolitik ist seit jeher eine echte Lachplatte. Bisher jedes Abkommen hatte wachsweiche Verpflichtungen, die auch jedes Mal folgerichtig nicht eingehalten wurden. Insbesondere nicht vom angeblichen Musterschüler Deutschland – warum hierzulande immer noch so viele Menschen davon überzeugt sind, dass Deutschland der Vorkämpfer im Klimaschutz ist, kann ich nicht begreifen. Signifikante CO2-Reduktion gab es in Deutschland nur nach 1990, als die DDR deindustrialisiert wurde. Und demnächst werden die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet, die dann durch Kohlekraftwerke ersetzt werden müssen, denn was anderes haben wir nicht in petto – das wird die CO2-Bilanz der „Energiewende“ nochmal katastrophaler ausfallen lassen. Die USA hingegen haben durch ihre massiven Fracking-Aktivitäten allein aufgrund von marktwirtschaftlichen Mechanismen viel Kohlestrom durch Gasstrom ersetzt und so ihre CO2-Emissionen über die letzten Jahre reduziert – seit dem Jahr 2000 sank der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß um fast ein Viertel.

Ich würde mir wünschen, dass auch die Klimawissenschaft endlich mal liefert. Wir sollten endlich rausfinden, wie wichtig das CO2-Problem tatsächlich ist. Dazu brauchen wir Klimamodelle, die wenigstens ein bisschen mit der Realität zu tun haben. Wir brauchen Klimamodelle, die regionale Vorhersagen erlauben. Nur so können wir herausfinden, ob die kostenintensive CO2-Reduktion wirklich der bessere Ansatz ist als eine Anpassungsstrategie. Im Moment werden alternative Lösungsmöglichkeiten zur CO2-Reduktion ja nicht mal andiskutiert. Zu diesem Themenkomplex hat sich auch Peter Heller bei ScienceSkeptical kluge Gedanken gemacht.

Im Moment sehen die weltweiten CO2-Reduktionsbemühungen jedenfalls eher aus wie die gigantischste Fehlallokation von Investitionen seit Menschengedenken.

Kleine Schlagzeilen zeigen die große Misere

Neulich in unserer Lokalzeitung, erste Seite: „Land stoppt Investitionen in Klimasünder“. Da stutzt man erst mal. Dann wird klar: mal wieder eine großartige Idee der Grünen. Es geht um das Sondervermögen des Landes Baden-Württemberg, eine Art Rücklage für zukünftige Ausgaben wie z.B. Beamtenpensionen.

Aber dann wird es schräg: es geht gar nicht um Klimasünder, sondern um Firmen, die nicht „nachhaltig“ sind. Da keiner weiß, was Nachhaltigkeit definitiv bedeutet, nehmen die Grünen natürlich ihre eigene Definition und nennen als nicht nachhaltige Bereiche z.B. die Atomkraft. OK, damit ist klar, dass in Wahrheit gar nicht Nachhaltigkeit das Kriterium ist (denn unter den Möglichkeiten, Wärme und Strom zu erzeugen ist die Kernenergie definitiv die nachhaltigste nach allen sinnvoll denkbaren Definitionen), sondern schlicht die schwarze Liste der Grünen gemeint ist.

Dass der Journalist daraus dann „Klimasünder“ als Oberbegriff wählt, ist natürlich eine besondere Pointe – denn selbst die Grünen werden zugeben, dass die Kernenergie ein verhältnismäßig preiswerter Weg ist, um CO2-Emissionen zu reduzieren und damit nach vorherrschender Meinung unserer Klimaschützer eben „Klimaschützer“ und nicht „Klimasünder“ ist, nur wollen die Grünen das aus ideologischen Gründen eben nicht tun.

Überhaupt werden die Themen Klimaschutz, Umweltschutz und Naturschutz ständig in unerträglicher Weise miteinander verquirlt, und die einzige Leitidee des Qualitätsjournalismus scheint oft zu sein, dass das, was die Grünen gut finden, irgendwie automatisch Klima, Umwelt und Natur schützt. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Verbrennung von Biomasse zur Erzeugung von Strom und Wärme beispielsweise schützt das Klima nur, wenn man Braunkohle zum Benchmark erklärt. Es schadet massiv der Umwelt und der Natur – durch Flächenverbrauch, durch Schadstoffe bei der Verbrennung, durch Tendenz zur Monokultur. Oder die biologische Landwirtschaft, die durch umweltschädliche Düngemittel und Schädlingsbekämpfung sowie den deutlich höheren Flächenbedarf sowohl umwelt- als auch naturschutztechnisch eine einzige Katastrophe darstellt.

Amüsanterweise sagt die Dame von den Grünen dann noch, dass durch diese Restriktion bei den Investitionen die Rendite nicht geschmälert wird. Aha. Obwohl die Investitionsmöglichkeiten beliebig eingeschränkt werden, ergibt sich dadurch kein Nachteil. Interessante Theorie. Kann wohl nur jemand drauf kommen, der von Wirtschaft keinen blassen Dunst hat. OK, nichts neues bei den Grünen oder genauer bei fast allen Politikern.

Also, falls wir je die Wiederauferstehung des faktenorientierten Journalismus erleben: die richtige Schlagzeile lautet in einem solchen Falle. „Grüne beschränken die Investitionsmöglichkeiten des Landes sinnlos – finanzielle Einbußen wahrscheinlich“.

Weltuntergang. Heute: Artensterben in Deutschland

Weltuntergang ist immer berichtenswert. Bad News is Good News, nach diesem Motto arbeiten praktisch alle Qualitätsjournalisten. Diesmal hat eine Veröffentlichung des Bundesamtes für Naturschutz – gemäß Behörden-Abküfi kurz BfN genannt – die Basis für diesen wohligen Schauer, der uns beim Lesen der Weltuntergangsnachrichten immer überkommt, gelegt. Das BfN hat den ersten umfassenden Artenschutz-Report vorgelegt. Und SPIEGEL Online, WELT und Focus Online  haben natürlich „berichtet“ – in Anführungszeichen, weil sich die Artikel derart ähneln, dass vermutlich wieder mal geschätzte 98% des Inhalts von dpa abgeschrieben wurde, und die Tiefe der Eigenrecherche nicht mal in einer sehr flachen Pfütze für Grundberührung gesorgt hätte.

Denn Merkwürdigkeiten, denen man mal nachgehen hätte können, gibt es zuhauf. Laut Veröffentlichungen gibt es rund 72000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland. Im Report wurden allerdings nur 32000 Arten auf ihre Gefährdung hin untersucht – warum, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls bezieht man vorsichtshalber die Schreckenszahlen fürderhin auf die 32000 und nicht auf die 72000 Arten und kommt damit auf 4% an bereits ausgestorbenen Arten.

4% klingt irgendwie viel. Im Artenschutz-Report kann man nachlesen, dass bisher 11 ausgestorbene Säugetierarten zu beklagen sind. Nein, ausgestorben trifft es nicht ganz, „ausgestorben oder verschollen“ heißt die Kategorie offiziell. Ob es wohl eine Liste gibt, wo man die ausgestorbenen Arten mal im Detail nachlesen kann? Zeit Online hebt sich positiv von SPON und Focus Online ab und verweist auf die Rote Liste des BfN. Von dort aus kann man das umfassende PDF aufrufen oder besser das ZIP runterladen und die CSV-Datei selbst inspizieren. Die Kurzzusammenfassung: bisher als ausgestorben oder verschollen gelten (chronologisch geordnet)

  • Auerochse (seit 1500)
  • Wildpferd (seit 1500)
  • Wisent (seit 1700)
  • Elch (seit 1800)
  • Braunbär (seit 1835)
  • Europäischer Nerz (seit 1930)
  • Ostigel (seit 1945)
  • Langflügelfledermaus (seit 1958)
  • Bayerische Kleinwühlmaus (seit 1962)
  • Großer Tümmler (seit 1970)
  • Europäisches Ziesel (seit 1985)

Damit ist auch klar, warum man die Liste wohl ungern an die große Glocke hängt, zeigt sie doch überhaupt keine Verschärfung der Situation in jüngster Vergangenheit, sondern legt nahe, dass nicht unbedingt menschliche Aktivität zum Aussterben von Arten führt.

Besonders kurios das Aussterben des Ostigels (nicht weniger kurios: die Rechtschreibprüfung in Word kennt das Wort nicht und will es u.a. durch „Rostigen“ oder „Ostgeld“ ersetzen). Das Jahr 1945 als Jahr der letzten Sichtung lässt natürlich sofort den Bullshit-Indikator ansprechen. Und tatsächlich: der Ostigel war schon immer nur in Osteuropa heimisch, heute etwa ab Polen ostwärts. Im heutigen Bundesgebiet hingegen noch nie. Als Deutschland 1945 seine Ostgebiete an Polen abtrat, starb damit auch der Ostigel in Deutschland aus. Kein Scherz. Der Zweite Weltkrieg führte also zum Aussterben des Ostigels in Deutschland. Aber anders, als man auf den ersten Blick glaubt.

Noch eine Anmerkung – es ist völlig unklar, warum die intensive Landwirtschaft als Hauptproblem angesehen wird. Denn „intensiv“ bedeutet ja nichts anderes als „minimaler Flächenverbrauch“. Und letztlich ist doch das Maximieren naturbelassener Flächen der Schlüssel zum erfolgreichen Artenschutz. Wenn man sich überlegt, dass schon über 10% der Agrarfläche in Deutschland für die Energiewende genutzt wird (Biomasse-Anbau), sollte klar sein, wo die wahren Probleme liegen. Auch intensive Waldbewirtschaftung zur Befriedigung der Pellet- und Hackschnitzel-Nachfrage ist ganz sicher kontraproduktiv. Plakativ formuliert: die Energiewende tötet Tiere und Pflanzen.

Aber bis diese Denkverbote in den Qualitätsmedien aufgebrochen werden, das dauert noch ein Weilchen. Immerhin war diesmal nicht hauptsächlich der Klimawandel für die Misere verantwortlich – es gibt also Hoffnung. Obwohl er natürlich in der Berichterstattung als die dunkle Bedrohung der Zukunft immer erwähnt wird.

Die Frage, ob es denn wirklich auch nur ein kleines Problem ist, wenn eine Art in Deutschland ausstirbt, ist damit noch nicht mal angeschnitten – vielleicht ein Thema für einen zukünftigen Artikel.

Lieblingsblogs vorgestellt: ScienceSkepticalBlog

Endlich der lang erwartete (von wem?) zweite Teil der Reihe „Meine Lieblingsblogs“.

Heute geht es um den ScienceSkepticalBlog. Mehrere Stammautoren wie Peter Heller, Günter Heß, Rudolf Kipp und Quentin Quencher bemühen sich hier, faktenbasiert ihre Skepsis bezüglich der Energiewende, der Klimakatastrophe und Irrwegen der Umweltpolitik auszudrücken. Die Artikel sind gut recherchiert, mit Quellenangaben versehen und wohlformuliert. Und zufällig spiegeln die meisten Artikel auch sehr gut meinen Standpunkt zu diesen Dingen wider. Wobei das natürlich alles andere als Zufall ist: wie könnte man auf Basis derselben Fakten zu signifikant unterschiedlichen Ergebnissen kommen?

Besonders lobenswert ist meines Erachtens der Standpunkt beim Thema Klimakatastrophe. Hier gibt es in den Reihen der Skeptiker ja eine ganze Anzahl von merkwürdigen Gestalten, die selbst spektroskopische Tatsachen wie die Isolationswirkung von CO2 in der Atmosphäre anzweifeln. Beim ScienceSkepticalBlog hingegen steht man mit beiden Beinen auf dem Boden der Physik. Man bezweifelt nur die Katastrophenwarnungen, die auf Basis fragwürdiger Modelle den Teufel an die Wand malen und mit Horrorprojektionen den baldigen Untergang der Menschheit prognostizieren.

Zum Einstieg am besten die Einführungsseite goutieren und ein paar der dort genannten Artikel lesen. Was ich noch nicht ganz verstanden habe ist die Trennung in „Artikel“ und „Blog“. Ich empfehle, einfach alles zu lesen :-)

Bisher in der Reihe „Lieblingsblogs vorgestellt“ veröffentlicht: