Ich bin seit langen Jahren Abonnent des Statista-„Daily Data“-Newsletters. Kommt per E-Mail, für Ältere wie mich also optimal geeignet.
Es ist ganz erstaunlich, wie oft es Statista gelingt, einen merkwürdigen politischen Spin in den eigentlich doch inhärent neutral vermuteten Zahlenwerken unterzubringen. Und so ist der Hauptgrund für mein Newsletter-Abo auch eher, dass ich immer interessiert bin an neuen und kreativen Wegen um Propaganda unters Volk zu streuen. Vielleicht sollte ich auch Beispiele sammeln, um Band 2 des legendären Werks von Walter Krämer „So lügt man mit Statistik“ zu schreiben.
Wie auch immer – heute will ich ein Beispiel bringen für einen ganz anders gelagerten Fall, der weniger nach politischer Agenda riecht als vielmehr nach schierer Unwissenheit gepaart mit Unfähigkeit zur Recherche.
Um was geht es: natürlich um die wichtigste Nebensache der Welt, um König Fußball. In der Einleitung wird geschrieben: „Die englische Premier League etwa erschließt im Ausland besonders hohe Einnahmen und vergrößert so ihren finanziellen Spielraum gegenüber den europäischen Konkurrenten. Hier hat die Bundesliga also Aufholbedarf. Dafür zieht sie besonders viele Menschen in die Stadien“. Und schon stutze ich ich frage mich: wann hat denn die Bundesliga den Zuschauerkrösus Premier League abgelöst? Spoiler-Alarm: gar nicht.
Unverdrossen behauptet Statista aber hier: „Die Bundesliga zieht im direkten Vergleich mit Europas fünf größten Fußballligen die meisten Menschen ins Stadion.“ Über der Infografik prangt „Bundesliga zieht die meisten Menschen ins Stadion“, was aber komplett irreführend ist. Denn: nur der Zuschauerschnitt pro Spiel ist bei der Bundesliga ganz leicht höher als bei der Premier League. In absoluten Zahlen liegt die Premier League aber sehr weit vorne, weil dort bekanntlich in einer Saison 380 Spiele stattfinden (20 Vereine, damit 38 Spieltage zu je 10 Begegnungen), während die Bundesliga nur 306 Spiele aufbietet (18 Vereine, damit 34 Spieltage zu je 9 Begegnungen). Nach den angeblich von „Transfermarkt“ stammenden Zahlen von Statista ergeben sich knapp 13 Mio Zuschauer für die Bundesliga, aber knapp 16 Mio Zuschauer für die Premier League.
Bonus zum Abschluss: laut anderer Quellen liegt die Premier League in der abgelaufenen Saison 2025/2026 sogar beim Zuschauerschnitt mit 41635 (entspricht der Statista-Zahl) ganz knapp VOR der Bundesliga mit 41562. Wie sich rausstellt: das sind die offiziellen Zahlen der DFL und damit doch ein Stück weit glaubwürdiger als das, was Statista da zusammengerührt hat.
Und damit das alles nicht nur Gemotze ist, noch folgendes: die Zweite Bundesliga wartet mit erstaunlichen knapp 30000 Zuschauer pro Spiel auf. Sehr beeindruckend, und wohl nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass inzwischen eine Menge „Traditionsklubs“ zweitklassig sind, aber immer noch erstklassige Stadionkapazitäten haben. Das ist nämlich ein entscheidender Faktor (nicht nur) bei der Premier League: die Stadionauslastung ist immens hoch, und es gibt da einige Vereine mit sehr kleinen Stadien. Und wenn jedes Spiel ausverkauft ist, kann man letztlich gar nicht sagen, welche Liga für Stadionzuschauer wirklich attraktiver ist. Aber bevor ich nun auch noch die Eintrittspreise und die Alternative „Pay-TV“ mit in Betracht ziehe, will ich es mal für heute gut sein lassen.