Drohnen-Gelaber

Die Bedrohung durch Drohnen ist seit etwa 2023, als sie massenhaft im Ukraine-Krieg Anwendung fanden und bis heute derart das Schlachtfeld beherrschen, dass eine Konzentration von gepanzerten Kräften und daraus resultierender Bewegungskrieg prohibitive Verluste zeitigt, spätestens aber seit dem Vorfall auf dem Leipziger Flughafen, in aller Munde. Die Älteren erinnern sich vielleicht auch noch an die Zeiten, als Drohnen für die Bundeswehr beschafft wurden, wo einzelne politische Parteien höchsten Wert darauf gelegt haben, dass diese unbewaffnet zu sein haben. Ja, da hat dann wahrlich eine Zeitenwende stattgefunden und neuer Realitätssinn wurde mittels der für jeden sichtbaren russischen Aggression in die weiche Birne eines manchen Politikers geprügelt.

Manch‘ Kommentator verstieg sich ja schon zur Aussage, dass im Prinzip alle gepanzerten Fahrzeuge ab sofort als Altmetall zu sehen und auf dem Schlachtfeld der Gegenwart und Zukunft wertlos seien. Ich halte diese Idee für ausgemachten Schwachsinn. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, was notwendig ist, um ein paar Panzer vor hunderten oder auch tausenden Drohen zu schützen: automatisierte Flugabwehr. In Fachkreisen allgemein unter dem Stichwort „autonome Waffenstation“ diskutiert, kann man festhalten, dass Drohnenabwehr nicht so besonders schwierig ist: kinetische Wirkmittel, automatische Zielverfolgung und -zuweisung, und schon ist der Drohnenabschuss sehr viel preiswerter als die Drohne. Im Moment ist das nicht der Fall und Drohnen müssen teilweise mit recht teuren Abfangmitteln zur Strecke gebracht werden – man kann beispielsweise im aktuellen Iran-Krieg sehr gut beobachten, was es ein hochgerüstetes Militär kostet, dass man auf die wachsende Drohnenbedrohung der letzten Jahre nicht adäquat vorbereitet war.

Bemerkenswert dumm auch die Entscheidung hierzulande, Drohnenabwehr z.B. im Einzugsgebiet von Flughäfen durch Sondereinsatzkräfte der Polizei erledigen zu lassen. Klar sollte doch sein: die Bundeswehr braucht sowieso Wirkmittel aller Art gegen Drohnen jeder Bauweise. Warum zum Geier soll man dieselbe Infrastruktur nun auch noch durch die Polizei vorhalten? Totaler Schwachsinn. Die Bundeswehr soll das erledigen, da kann sie gleich in Friedenszeiten am lebenden Objekt üben, damit wir im Ernstfall gerüstet sind. Und ja, das erfordert vermutlich eine Grundgesetzänderung, die den inzwischen aus meiner Sicht überkommenen Grundsatz, dass die Bundeswehr nicht im Innern (es sei denn, es tritt doch mal ein Notfall ein, wie man bei jeder kleineren Überschwemmung miterleben kann) eingesetzt werden darf. Wenn man schon das Bild des Staatsbürgers in Uniform bemüht, sollte es doch kein Problem sein, die nationale Flugabwehr auch bei Drohnen in die Hände der Bundeswehr zu legen.

Besonders dämlich sind übrigens die Stimmen, die nun erklären, dass die Bundeswehr die Beschaffung von Drohen jahrelang (bei noch größerer Dummheit des Kommentators: jahrzehntelang) verschlafen habe. Wie sich im Ukraine-Krieg eindrucksvoll zeigt, geht die Entwicklung im Bereich von Drohnen mit Riesenschritten voran. Drohnen von 2024 sind nur noch Altmetall, allein der Fortschritte bei der elektronischen Kriegsführung wegen. Der Ausweg aus dem Dilemma wäre relativ einfach: zusammen mit der Ukraine Drohnen-Entwicklung und -Fertigung aufziehen, da kann man jede neue Generation direkt im Fronteinsatz testen, und im Falle des Falles hat man das Know-How und die Fertigungskapazität schon im Lande.

Derart einfache und sinnvolle Lösungen werden wir hierzulande aber vermutlich nie umsetzen. Und so leben wir weiterhin in der Hoffnung, dass im Falle eines Falles der große Bruder uns beisteht, wenn der Aggressor zuschlägt.