Eine Theorie zum Wahlergebnis im Saarland

Das Saarland hat gewählt. Das kleinste nicht-Stadtstaat-Bundesland, das gerne als Größenvergleichsmaß verwendet wird, wenn Fußballfelder zu klein sind („ein Ölteppich dreimal so groß wie das Saarland“).

Das Ergebnis ist schon überraschend. Wobei, so richtig überrascht es ja nicht mehr, wenn die Demoskopen katastrophal daneben liegen, aber es ist ja immer spannend in welche Richtung der Irrtum geht (bitte Nachtrag beachten). Die CDU stark, die SPD schwach (gegenüber den letzten Umfragen) und stark (gegenüber den Umfragen, die schon länger her sind), die Linken getragen vom saarländisch-speziellen Oskar-Wahn, die Grünen deutlich draußen, die FDP noch deutlicher draußen, die AfD überraschend schwach.

Viele Interpretationen habe ich gehört. Die SPD soll nicht Deutschland schlecht reden, das geht nach hinten los. Der Wähler wollte GroKo und nicht Rot-Rot(-Grün). Die AfD hat schwach abgeschnitten, weil die Linkspartei die Protestwähler aufgefangen hat.

Alles soweit plausibel. Aber ich denke, es gibt noch einen anderen Einflussfaktor. Der klassische konservative CDU-Wähler, seit den Eskapaden von Angela Merkel eher zur AfD tendierend, hat sich ein letztes Mal – es war ja „nur“ Landtagswahl – aufgerafft und hat nicht die AfD gewählt, sondern die CDU, weil die die einzige Option contra Rot-Rot(-Grün) war. In Anbetracht der Tatsache, dass die große Koalition relativ effizient und geräuschlos regiert hat, halte ich diesen Erklärungsansatz für mindestens ebenso plausibel. Man wählt das vermeintlich kleinere Übel. Vielleicht gab es sogar einige vormalige Grünen- und FDP-Wähler, die diesmal ihr Kreuz bei der CDU gemacht haben? Anders ist der komplette Untergang der beiden Parteien ja kaum zu erklären.

Ob sich die CDU bei der Bundestagswahl auch auf diese Wählergruppe verlassen kann? Mal sehen, was die Flüchtlingsproblematik bis zum Wahlabend so macht. Und ob Angela Merkel dasselbe Schicksal blüht wie 1998 Helmut Kohl („Hauptsache Kohl ist weg“). Aber vielleicht erinnert man sich ja noch an die 4 ersten Chaosjahre unter Rot-Grün? Erst die zweite Kanzlerschaft von Schröder war ja wirklich von sinnvollen Reformen geprägt (genauer gesagt, nur einer einzigen halbgut-aber-besser-als-nix-Reform namens Hartz IV).

Es bleibt spannend.

Nachtrag

Tatsächlich hatte die letzte Umfrage vor der Wahl der Forschungsgruppe Wahlen die Stimmung gar nicht so schlecht eingefangen (Umfrage-Übersicht siehe hier). CDU etwas unterschätzt, SPD etwas überschätzt, Linkspartei und AfD ziemlich getroffen, und Grüne und FDP sicher draußen. INSA hingegen…eher nicht so gut, obwohl in einem ähnlichen Zeitraum.

Über Feinstaub, Fahrverbote und Fehlanreize

Es geht doch nichts über eine saubere Alliteration im Titel. Bitteschön, lieber Leser. Gern geschehen. Mein Deutschlehrer wäre stolz auf mich.

Aber das soll (überraschenderweise) nicht das Thema sein. Sondern es soll mal wieder um das heilige Blechle gehen. Wie es aussieht, ist das bei Feinstaubalarm in Stuttgart angedachte Fahrverbot für bestimmte dieselbetriebene Fahrzeuge nun in trockenen Tüchern. Alles bis einschließlich Euro 5 ist betroffen. Wie es momentan aussieht, gilt das Fahrverbot nur für bestimmte stark schadstoffbelastete Straßen.

Alles an dieser Idee erscheint falsch. Diesel mit Partikelfilter (und damit viele schon mit Euro 4, definitiv alle ab Euro 5) erzeugen praktisch keinen Feinstaub (jenseits der üblichen Fahrzeugquellen wie Reifen- und Bremsenabrieb natürlich). Ganz im Gegensatz zu heutigen Benziner-Direkteinspritzern, die erst ab der kommenden Euro 6c-Norm überhaupt irgendwelche Feinstaub-Grenzwerte (früher hieß das übrigens noch Ruß) einhalten müssen.

Unbeachtet bleibt auch die Tatsache, dass die RDE (Real Driving Emissions) bei den einzelnen Fahrzeugen – oft sogar bei unterschiedlichen Modellen desselben Herstellers – sich gravierend unterscheiden. Ginge es wirklich um saubere Luft, warum nicht die sauberen Fahrzeuge zulassen und die schmutzigen Fahrzeuge aussperren? Wenn man das Verbot kontrollieren will, muss man doch sowieso entweder individuell eine Plakette zuteilen oder individuell prüfen. Es spräche also nichts gegen eine auf Tatsachen basierende Regelung anstatt eine willkürliche. Und komme mir keiner mit erhöhten Verwaltungskosten. Die volkswirtschaftlichen Kosten für diese sinnlose Maßnahme sind doch auch gravierend.

Besonders ärgerlich fand ich die Einlassung diverser Politiker, dass die Entscheidung doch früh genug kommt, damit sich jeder drauf einstellen kann. Mit einem Federstrich wurden die Restwerte der betroffenen Diesel-Fahrzeuge vernichtet, und man räumt den Bürgern eine grandiose Vorlaufzeit von etwa einem Jahr ein und findet sich toll dabei. Was denkt denn so ein Politiker, wie alt das durchschnittliche Fahrzeug des Privatmanns ist? Was das für eine Investition bedeutet?

Noch bitterer: durch jahrzehntelange Fehlanreize ist die Politik Hauptschuldiger sowohl am hohen Dieselanteil als auch an sinnlosen Abgasnormen als auch am Aufkommen downgesizeder aufgeladener Direkteinspritzer-Benziner. Man erinnere sich nur an die völlig sinnlose Änderung der KfZ-Besteuerung mit dem CO2-Anteil auf Basis des NEFZ. Dabei gab es doch schon eine perfekte CO2-Besteuerung, die nicht auf Prüfstandverbräuchen basiert, sondern den Realverbrauch automatisch und hochgenau berücksichtigt – nennt sich Mineralölsteuer, und gibt es schon länger. Wenn CO2-Besteuerung als sinnvoll erachtet wird, hätte man einfach den Steuernachteil des Benzins gegenüber des Diesels auf den Kohlenstoffgehalt des jeweiligen Kraftstoffes normieren können (besonders penible Naturen hätten noch den unterschiedlichen Energieaufwand in der Raffinerie berücksichtigt) und man hätte die perfekte, faire CO2-Steuer gehabt. Na gut, der Durchschnittspolitiker hätte natürlich die Steuer auf Diesel erhöht und nicht die Steuer auf Benzin gesenkt – es scheint ja eine Art Naturgesetz in Deutschland zu sein, dass die Steuerlast immer steigen muss und niemals sinken darf.

Die Bemühungen zur Senkung des CO2-Ausstoßes des Verkehrs waren ja vermutlich der Grund, warum die Politik jahrelang die Autofahrer animiert hat, sich für den Diesel zu entscheiden. Tja, schade, wer auf Politiker hört ist eben selbst schuld. Nachdem ja seit neuestem Stickoxide zum Ultragift ausgerufen wurden (wer mal lachen will, vergleicht die MIK/MAK-Grenzwerte, die auf echter Wissenschaft basieren, mit den EU-Luftschadstoffgrenzwerten), hätten Dieselfahrzeuge schon seit Jahrzehnten aus dem Verkehr gezogen gehört. Für diese Idee hatte aber wohl beim Wettbewerb „Schadstoff des Monats“ gerade keiner Zeit. Die nächste Sau wartete, die durchs Dorf getrieben werden musste.

Am Ende wie immer der Hinweis: es gibt einfache, preiswerte Möglichkeiten, die Feinstaubkonzentration zu senken. Vermeidung von Stop&Go durch ausreichenden Straßenbau zum Beispiel. Fahrbahnbewässerung zum Binden der Stäube. Einsatz von speziellen Kehrmaschinen. Ein Ende der Holzfeuerung zu Heizzwecken. Oder sogar allgemein der Biomasseverfeuerung. Und am Ende natürlich: sinnvolle, gefahrenorientierte Grenzwerte, und nicht irgendwelche Phantasiegrenzwerte, die die Idee eines Vorsorgegrenzwertes schon lange karrikieren. Teilweise war ja schon die Rede davon, dass die Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerte immer weiter zu sinken haben, weil jede beliebige Dosis ein unverantwortliches Gesundheitsrisiko darstelle. Tja, wenn die Vernunft mal ausgeschaltet ist und die Ideologen das Zepter schwingen, ist eben alles verloren, und beliebig kleine Risiken werden mit beliebig großen Mengen Geld bekämpft. Siehe auch: Klimawandel in Deutschland. Oder die Strahlenschutzgesetze, wo die erlaubten Dosen ja auch ausgewürfelt wurden und auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen.

Und auch der Hinweis, dass wir seit den 80ern ständig sinkende Schadstoffkonzentrationen genießen, sollte man ab und an mal erwähnen – man hat ja oft das Gefühl, dass irgendwie alles schlimmer geworden ist. Das Gegenteil ist der Fall.

Ich lehne mich zurück, beglückwünsche mich zur Entscheidung einen Saugrohreinspritzer-Benziner mit Euro 6 gekauft zu haben (gerne auch mit dem Titel „Luftreinigungsgerät“ bedacht, da im Innenstadtverkehr die angesaugte Luft schmutziger ist als das, was hinten rauskommt) und schaue dem Tollhaus weiter zu. Politikverdrossenheit hat viele Gründe. Unlogische, aktionistische Politik ist einer davon.

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, findet hier mehr Material: bei Tichys Einblick, bei Science Skeptical, bei Bild der Wissenschaft. Aber Vorsicht. Wissen sorgt hier eindeutig für irgendwas zwischen Verdruss und Verzweiflung.

Die Stimme der Vernunft

Brexit-Diskussionen sind oft merkwürdig. Mitdiskutanten, die sonst ganz vernünftige Ansichten pflegen, vertreten plötzlich ganz komische Ansichten. Könnte aber auch sein, dass die dasselbe von mir denken.

Und so bin ich froh, wenigstens Professor Sinn auf meiner Seite zu haben. Unbedingt lesen. Manchmal ist Presse doch noch Qualitätspresse.

Merkeldämmerung?

Zuerst hat die CDU/CSU unter großem Applaus Angela Merkel zur Spitzenkandidatin der kommenden Bundestagswahl gekürt. Nicht besonders überraschend, ist Merkel doch in der CDU/CSU ebenso alternativlos wie ihr Politikstil.

Dann hat Sigmar Gabriel durch seinen Verzicht – die genauen Beweggründe sind unbekannt – Martin Schulz zum Kanzlerkandidat der SPD gemacht. Die Tage nach der Kandidatenkür standen ganz im Zeichen der Präsentation von Schulz über alle Medienkanäle. Ergebnis: nix genaues weiß man nicht. Es wurde viel geplaudert und geschwätzt, aber inhaltlich war es nun nicht besonders ergiebig. Nur auf eine Reduzierung der Boni für Manager wollte sich Schulz festlegen lassen – auf den Gesetzentwurf bin ich jetzt schon gespannt. Generell scheint „Gerechtigkeit“ wichtig zu sein. Ein beliebtes Politiker-Thema, denn wer könnte schon gegen mehr Gerechtigkeit sein? Problematisch ist höchstens, dass jeder unter Gerechtigkeit was anderes versteht. Was aber ja auch ein Vorteil ist – bei „weichen“ Themen blühen Politiker bekanntlich auf.

Offenbar lag Schulz mit seiner Einschätzung, am besten nix genaues von sich zu geben, goldrichtig. Zumindest wenn man an letzte Reste an seriöser Arbeit durch Meinungsforscher glaubt. Denn die Umfrageergebnisse der SPD gingen umgehend durch die Decke. Sogar bei der Kanzlerfrage – zumindest in manchen Umfragen – liegt Schulz sehr deutlich vor Merkel. Nicht weniger als eine Sensation, wurde uns doch Merkel über lange Jahre von denselben Meinungsforschern als Liebling des Wahlvolkes verkauft. Eben alternativlos.

Was folgert der interessierte Beobachter nun aus diesem Sachverhalt? Mir persönlich ist Schulz höchst unsympathisch. Sein Geschwätz finde ich peinlich bis unterbelichtet. Seine Politik-Historie im Europaparlament ist irgendwo zwischen Fiasko und Katastrophe einzuordnen. Und ich bin mir sehr sicher, dass kein Wähler in Deutschland spontan eine sinnvolle, positive Aktion von Schulz in seiner langen Geschichte als EU-Politiker nennen könnte.

Nun fällt es mir schwer, positive Worte für einen wie Sigmar Gabriel zu finden – einfach weil er zu der Kategorie Politiker gehört, die morgens so und abends so schwätzen. Und weil seine Politikziele natürlich konträr zu meinen Wünschen sind. Aber: er hat es geschafft, dass die GroKo seit 2013 eine dezidierte SPD-Politik verfolgt. Jemand, der erfolgreich SPD-Politik durchgesetzt hat, wird ersetzt durch einen Eurokraten-Dampfplauderer, und die Umfragewerte schießen in die Höhe. Schwer zu erklären.

Auf der anderen Seite: der Zuwachs der SPD ist weit überwiegend der Verlust der CDU. Von daher könnte man auf die Idee kommen, dass es momentan eine „Anything but Merkel“-Stimmung in Deutschland gibt, und der Katalysator war die Verkündigung des neuen SPD-Kandidaten. In den USA haben die vielen „Anything but Clinton“-Wähler ja auch eine Menge zur Wahl von Trump beigetragen.

Prognose: der Ausgang der Wahl wird spannend bleiben bis zuletzt, und das hätte ich vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten. Vielleicht stellt sich nach der Wahl sogar die Frage, ob die CDU in einer Juniorkoalition mit der SPD mitregieren will – war früher ja undenkbar, aber man übt ja schon in BaWü als Juniorpartner der Grünen. Alles für den Machterhalt. Irgendwelche Grundsätze hat die CDU unter Merkel ja konsequent abgelegt.

Kneipen und Rauchverbot

Laut SPIEGEL Online jährt sich das Rauchverbot nun zum zehnten Mal. Es ist also deutlich älter als dieser Blog, deshalb findet sich bisher von mir kein Eintrag zu diesem Thema – Zeit, das nachzuholen.

Wie so oft ist hier der Titel des SPOn-Artikels schon das erste Ärgernis. er ist eine schlichte Lüge. Oder, wie man neudeutsch sagt, postfaktisch. Denn logischerweise haben es nicht „die Kneipen“ überlebt, sondern einige Kneipen. Eben die, die es heute noch gibt. Die, die es seit 2007 nicht mehr gibt, eben nicht. Wieviele der 7000 Kneipen, die deutschlandweit dichtgemacht haben, dies nun aufgrund des Rauchverbots mussten, bleibt Spekulation. Dass es mehr als keine war, scheint mir hingegen eine Gewissheit.

Interessanterweise findet es der Schreiber des Artikels nicht gut, dass es in den Bundesländern unterschiedlich streng gehandhabtes Rauchverbot gibt. Ich hingegen finde das ganz prima, denn es gibt denjenigen, die den staatlichen Zwang zum Rauchverbot damit begründet haben, dass es der Gesundheit der Nichtraucher dient, nachträglich die Gelegenheit, genau die Beweise vorzubringen, die ein derart tief in die Privatwirtschaft und damit in die freie Entscheidung eines jeden Bürgers eingreifendes Gesetz eigentlich schon vor seiner Verabschiedung bedarf: man müsste nun ja problemlos in weniger streng reglementierten Bundesländern eine deutlich schlechtere gesundheitliche Verfassung von kneipenbesuchenden Nichtrauchern vorfinden als in den sehr streng reglementierten Bundesländern.

Da nach meinen Informationen aber ein 8-Stunden-Tag in einer verrauchten Kneipe die Äquivalenzdosis einer halben Zigarette entspricht, werde ich auf diesen Nachweis wohl noch sehr lange warten. Selbst von einem Nachweis, dass das Rauchverbot irgendeinen gesundheitlichen Effekt hatte (angeblich gibt es ja nun auch deutlich weniger Raucher, und die verbliebenen Raucher haben den Konsum aufgrund des Rauchverbots eingeschränkt), habe ich bisher nichts gehört.

Und so bleibt das Rauchverbot nichts weiter als ein weiterer unsinniger regulativer Eingriff des Staates in die Privatangelegenheiten seiner Bürger. Illiberal, wie man Deutschland seit vielen Jahrzehnten kennt. Wäre Deutschland ein vernünftig funktionierender Rechtsstaat, so hätte man mindestens einen medizinisch abgesicherten Grenzwert ermittelt und die Einhaltung dieses Grenzwerts zur Auflage für Raucherkneipen gemacht. So hätte man auch mittels technischer Einrichtungen den Grenzwert erreichen können – aber in einem derart technologiefeindlichen Land ist das wohl den Regulierungswütigen nicht mal entfernt in den Sinn gekommen. Es darf ein Problem, das man auch juristisch lösen kann, auf keinen Fall technisch gelöst werden. Und wäre Deutschland ein liberaler Rechtsstaat, so hätte man die Entscheidung schlicht den Inhabern überlassen können und maximal eine Kennzeichnungspflicht erlassen.

Ich bin gespannt, wer das nächste Ziel staatlichen Regulierungswahns wird. Die sinnfreie Lebensmittelampel wurde ja gerade noch verhindert. Und um sinnlose Warnmeldungen auf alkoholhaltige Getränke zu pappen, dazu saufen unsere Politiker wohl viel zu gerne. Immerhin wurde ja die tödliche Gefahr der Alcopops durch beherzte Regulierung im Rahmen des Jugendschutzes gerade noch so aus dem Verkehr gezogen. Wo kämen wir hin, wenn Gleiches gleich behandelt werden würde.

Jetzt bin ich als lebenslanger Nichtraucher und standhafter Alkoholabstinenzler nicht von speziell dieser hirnrissigen Gesetzgebung betroffen. Aber da halte ich es mit Martin Niemöller.

Dramatisch persönlich betroffen bin ich hingegen vom Tabakwerbeverbot im Kino. Statt professionell gemachter Marlboro- und Camel-Spots wird man nun mit H&M bestraft. Der ultralange Romeo-und-Julia-Spot von vor ein paar Jahren verursacht heute noch Albträume. Bitte gebt mir wieder rauchende Cowboys.

Schweiz, Du hast es besser. Aber nur ein wenig.

Die Schweizer haben per Volksabstimmung ein vorzeitiges Abschalten (beginnend 2017) ihrer Kernkraftwerke mit recht deutlicher Mehrheit abgelehnt. So weit, so positiv. Die Argumente waren offenbar überzeugend: Strom soll preiswert bleiben, die Kraftwerke sind sicher, die Versorgungssicherheit bleibt gewährleistet, CO2-Bilanz bleibt gut.

Das ist natürlich ein gewaltiger Unterschied zum Nacht- und Nebel-Ausstieg in unserer Republik von 2011. Schnell mal eine Enteignung ohne triftigen Grund? Offenbar kein Problem in unserem Staat. Schnell mal eine Ethikkommission einberufen, die eine im Herzen technische Frage klären soll? Klar, her damit. Widerstand von der Opposition? Längst Vergangenheit in unserem Land, sogar die FDP – einstmals als liberale Partei angetreten – hat den Ausstieg staatsmännisch mitgetragen, ebenso wie den weiteren Weg in die Energie-Planwirtschaft.

Aber unterm Strich bleibt die Beschlusslage in der Schweiz ebenso trostlos wie bei uns: Neubau von Kernkraftwerken scheint ausgeschlossen, der Ausstieg nur aufgeschoben statt aufgehoben.

Ich bin gespannt, wann unsere Politiker angesichts dramatisch gesunkener Netzstabilität kalte Füße bekommen und vielleicht wenigstens den neuesten Kraftwerken im Süden – Philippsburg 2, Neckarwestheim 2, Gundremmingen B und C sowie Isar 2 – eine verlängerte Laufzeit einräumt (anderswo haben derartige Kraftwerke längst schon eine Laufzeitverlängerung auf 60 Jahre bekommen). Für die Netzstabilität wäre das – insbesondere nachdem die neuen Nord-Süd-Stromtrassen wohl noch länger auf sich warten lassen – dringend notwendig.

Aber vielleicht setzt Deutschland ja einfach weiter auf Kohle und reaktiviert ein paar alte Kraftwerke – unsere CO2-Bilanz und generell der Luftschadstoffausstoß scheint ja seit Jahrzehnten keinen zu interessieren (außer natürlich bei Diesel-PKWs), bisher hat die Energiewende ja für einen deutlich erhöhten CO2-Ausstoß gesorgt und die Luftqualität dank Pellet- und Hackschnitzelheizungen sowie Biomasse-Verstromung komplett ruiniert. Deutschland ist klimatechnisch nur in der Eigenbetrachtung Musterschüler. Aber auch ohne das Klimaargument gibt es gewichtige Gründe, die Kernenergie endlich wieder zu favorisieren. Sie ist die umweltfreundlichste, nachhaltigste, ergiebigste und preiswerteste Energiequelle (ja, Strom und Wärme) die wir kennen. Deshalb ist es höchst ärgerlich, wenn selbst Kernenergiebeführworter oft nur von „Brückentechnologie“ oder „Laufzeitverlängerung“ reden anstatt endlich den Kraftwerksneubau zu propagieren.

Hier ist keiner mehr fidel

Mitte der 80er durfte das Brettspiel „Trivial Pursuit“ in keinem Haushalt fehlen. Ein Quiz mit teilweise teuflisch schweren Fragen. Eine davon, die mir in Erinnerung geblieben ist: „Hier ist nur einer fidel“ – Antwort: „Kuba“.

Nun ist Fidel Castro verstorben. Sein Bruder Raul, der seit einigen Jahren die Regierungsgeschäfte führt (oder einfacher: den Diktator-Posten übernommen hat), hat ja schon einige behutsame Schritte aus der Isolation gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass es nach dem Tode des „Maximo Lider“ etwas mutiger vorangeht. Dem kubanischen Volk, das nun seit so vielen Jahrzehnten unter der Diktatur leidet, wäre es zu wünschen.

Immerhin können Kuba und Castro als typisches Beispiel dienen, welche Folgen Sozialismus und Kommunismus nach sich ziehen. Armut, politische und juristische Willkür, Unfreiheit, Tod. Es ist dieser Ideologie inhärent. Und die Geschichte der kubanischen Revolution, wo demokratische und bürgerliche Kräfte zusammen mit den Kommunisten unter Castro Diktator Batista zum Teufel gejagt haben, um direkt danach von der Batista-Diktatur in die Castro-Diktatur quasi nahtlos weitergereicht zu werden, sollte den moderaten Kräften auf der ganzen Welt eine Lehre sein.

Nun doch Steinmeier for president

Hier hatte ich noch Kretschmann für den Posten als Bundespräsident favorisiert. Nun haben sich die Regierungsparteien auf Frank-Walter Steinmeier als Kandidat für den obersten Dampfplauderer der Republik geeinigt.

Genau wie bei Kretschmann frage ich mich auch bei Steinmeier, warum er „beim Volk“ so beliebt ist. Hat er schon mal eine sinnvolle politische Entscheidung getroffen? Hat er schon mal vernünftig undiplomatisch Klartext geredet? Seine Rolle beispielsweise bei der Verhinderung der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern war doch mehr als unrühmlich. Dazu sein komplett unprofessionelles Verhalten gegenüber Trump in jüngster Zeit. Aus dem Wahlkampf 2009, als Steinmeier für die SPD als Kanzlerkandidat antrat (nur die Älteren erinnern sich), ist auch nichts positiv in Erinnerung geblieben.

Nun ja, dass „das Volk“ die Schönschwätzer liebt, ist eine alte Erkenntnis. Die, die eher auf praktische Politik stehen, trösten sich damit, dass Steinmeier als aktiver Politiker auf dem Posten des Bundespräsidenten vermutlich am wenigsten Schaden anrichten kann.

Ansonsten hat Michael Klonovsky das Notwendige zur Personalie gesagt.

Das einzig Spannende wird mal wieder sein, was für interessante Zählkandidaten die chancenlosen Parteien wie die SED äh SED-PDS äh PDS äh „Die Linke“ aufstellen. Gesine Schwan war schon lange nicht mehr Kandidatin, die lässt sich von jeder Partei gerne aufstellen.

Gönnen können

Donald Trump ist – für viele völlig überraschend, für mich halb-überraschend – zum US-Präsident gewählt worden. Das gönne ich ihm und seinem Wahlkampfteam, denn der Wahlkampf war wirklich ein echter Kampf, vor allem gegen die vollen Breitseiten der meisten Medien in den USA und auch anderswo.

Ob ich es dem amerikanischen Volk gönne, nun mindestens vier Jahre von Trump regiert zu werden, da bin ich noch unentschieden. Trump hat aus meiner Sicht im Wahlkampf viele dumme Dinge, aber auch einige sinnvolle Dinge gesagt und angekündigt. Sein Vorteil: schlechter als Obama wird er es wohl nicht machen können.

Aber es gibt einige Gruppierungen, denen ich den Trump-Sieg besonders gönne.

Da ist einmal Hillary Clinton. Nach genauerer Begutachtung der Faktenlage beginnend mit der Clinton-Stiftung und ihrer Spender über die Mauscheleien bei den diversen Rechtsstreitigkeiten bis hin zur Email-Affäre bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Frau Clinton für das Präsidentenamt aufgrund mannigfaltiger Charakterschwächen gänzlich ungeeignet ist. Ihr zweites glorioses Scheitern nach der Niederlage gegen Obama bei den Vorwahlen der Demokraten 2008 ist ihr deshalb besonders zu gönnen.

Dann die deutschen Medien. Fast unisono haben sie kontinuierlich Trump niedergeschrieben und -gesendet, teilweise mit üblen Vokabeln und noch unabhängiger von den Fakten als sonst. Während sie bei Clinton (genau wie vorher bei Obama) gerne mal die Fehltritte verniedlicht oder verschwiegen haben. Allein das Aufheulen im Blätterwald heute – herrlich. Wie ich in einem Forum las: „…während man im Hintergrund das Weltbild einstürzen hört.“ Vermutlich ist es die Erkenntnis der zunehmenden eigenen Irrelevanz bezüglich der Meinungsbildung im dummen Volk, die den Ärger weiter befeuert und diese merkwürdig faktenarme, dafür meinungsstarke Berichterstattung nach sich zieht. Die letzten Rückzugsgefechte wie „es war nur Johnson schuld, sonst hätte Clinton gewonnen“ (unter der nicht genauer begründeten Annahme, dass die große Mehrzahl derer, die für den Libertären Johnson gestimmt haben, ansonsten Clinton gewählt hätten) laufen auch schon. Fehlt noch der Klassiker „aber Clinton hat den Popular Vote gewonnen!“, die Wiederaufführung von 2000 Bush vs. Gore inklusive des Wunsches, endlich mal in den USA das richtige Wahlsystem einzuführen.

Aber ich gönne es auch den FeministInnen, für die wie immer nur das Geschlecht der Kandidaten relevant war für die Wahlempfehlung.

Und natürlich gönne ich es den EU-Eliten, die jetzt – völlig zurecht – ins Schwitzen kommen. Nicht, weil sie Trumps Politik fürchten, sondern weil sie erkennen, dass auch Ihnen der Anti-Establishment-Wind eiskalt ins Gesicht bläst und sie den Verlust ihrer geliebten Pöstchen nun zumindest für möglich halten müssen.

Besonders gönne ich es den Demoskopen, die in ruhigen politischen Zeiten große Erfolge feiern konnten und ihre Glaskugeln schon für unfehlbar hielten. Jetzt zeigt sich: ihre Vorhersagemodelle sind auch nicht mehr wert als die Vorhersagemodelle der Ökonomen – sobald die Lage unruhig wird, steigen die Fehlermargen exorbitant. Könnte eine Lehre sein für Modellierer aller Art.

Ebenfalls gönne ich es unseren deutschen Politikern, besonders dem passionierten Warner Steinmeier, unserem Außenministerdarsteller, der in Richtung Trump jede Maske der Diplomatie fallen ließ – es wird spannend, wie da der Antrittsbesuch aussieht. Der Schaden für Deutschland ist indes schon angerichtet. Heute wurde Malu Dreyer zitiert, sie sei „natürlich“ schockiert über den Wahlausgang. Wie kann man sich nur so unprofessionell in der Öffentlichkeit äußern. Merkels Lippenbekenntnis in Richtung Partnerschaft mit der USA klang zwar gestelzt und komplett unglaubwürdig, hat aber wenigstens den Schein gewahrt.

Übrigens: die US-Wähler haben nicht nur den Präsidenten gewählt. Auch bei den anderen Wahlen haben die Republikaner ihre Position knapp verteidigt oder sogar gefestigt – Mehrheit im Senat, Mehrheit im Repräsentantenhaus. Vielleicht war es letztlich also gar nicht eine Anti-Establishment-Entscheidung, sondern eine Anti-Obama- und Anti-Demokraten-Wahlentscheidung.

Vielleicht wird Trump in die Geschichte eingehen als der Präsident, der den Klimairrsinn beerdigt hat. Aber das ist vielleicht zu optimistisch – kaum zu glauben, dass die deutschen Politiker von diesem toten Pferd absteigen werden. Aber für den Rest der Welt wäre es zumindest ein Segen.

Und es wird interessant sein zu sehen, ob Trump seine Ankündigung wahr macht, von den angeblichen Verbündeten endlich einen angemessenen Beitrag für unser aller Sicherheit abzuverlangen. Vielleicht wird dann für die Bundeswehr endlich wieder eine anständige Ausrüstung abfallen, und wir müssen uns nicht mehr vor aller Welt zum Narren machen. Die Schlagzeilen unter Führung von UvdL sind kaum zu ertragen, seien es die schwarz angestrichenen Besenstile oder die Jubelmeldungen über die BW-Kitas oder das ultrawichtige Thema „Frauen bei der (nichtkämpfenden) Truppe“.

Amüsantes Detail am Rande: ich werfe jeden Blog-Text zur Sicherheit der Word-Rechtschreibprüfung vor, um die gröbsten Schnitzer auszusortieren. Beim heutigen Text fällt auf: Word kennt das Wort „Mauscheleien“ nicht. Vorschläge für die Korrektur: „Mauschelbeten“, „Manschereien“, „Muschelseiden“, „Tauschereien“ und „Muscheligen“. Immer für einen Lacher gut.

Herr Hofreiter gibt ein Interview

Ich schreibe in letzter Zeit öfter über die Grünen. Vermutlich, weil ich wenig Zeit habe, da sucht man sich dann die einfachen Ziele. Im vorliegenden Fall hat Anton Hofreiter Spiegel Online ein Interview gegeben – und es ist exemplarisch für heutige grüne Standpunkte. Zeit für eine Analyse. Die Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/anton-hofreiter-zu-e-autos-angela-merkel-hat-den-ernst-der-lage-verkannt-a-1119774.html. Ich arbeite mich Antwort für Antwort durch, aber zitiere so wenig wie möglich um nicht in Copyrightprobleme zu kommen – das erschwert dem geneigten Leser vielleicht manchmal die Zuordnung, aber ich will nichts riskieren.

Extrem beunruhigend schon der einleitende Titel: „Anton Hofreiter zur Autopolitik“. Herr erspare uns Politiker, die sinnlos steuernd in die Wirtschaft eingreifen, hier exemplarisch die Automobilwirtschaft. In der heutigen Zeit scheint sich aber keiner mehr dran zu stören, dass Politiker wie selbstverständlich jeglichen Lebensbereich steuern und kontrollieren wollen – „Vater Staat“ wie man ihn sich nicht bedrückender vorstellen kann.

Zuerst lernen wir: Nullemissionsautos sind – ökologisch gesehen – gar nicht schlimm. Fast schon eine verwegene Aussage für einen Grünen. Was ist denn aus der schlimmen Bodenversiegelung durch die ganzen unnützen Verkehrswege geworden? Der Feinstaub durch Reifen- und Bremsenabrieb? Der brutal hohe Energieaufwand bei der Produktion des Autos? Die Ausbeutung der dritten Welt im Allgemeinen und im Besonderen? Aber wir beruhigen uns gleich wieder – das Elektroauto ist ja gar kein Nullemissionsauto, und ein solches kann es prinzipbedingt auch niemals geben. Der Hofreiters Toni hat sich also nur einen kleinen Scherz erlaubt, und ja auch die Einschränkung „ökologisch gesehen“ mit einfließen lassen – betrachtet man andere Dinge, ist das Auto an sich natürlich weiterhin ganz furchtbar schlimm.

Als Hofreiter dann von sich als „Technik-Fan“ erzählt, driftet das Interview kurz in die Comedy ab – den Grünen trieft die Technikfeindlichkeit aus jeder Pore, aber jeder hat bekanntlich nur ein sehr verzerrtes Bild von sich selbst. Von daher entschuldigen wir auch Hofreiters Idee von der Überlegenheit des Elektromotors bezüglich der Beschleunigung, über die jeder lächeln kann, der mal mit einem Tesla versucht hat, mehrere beeindruckende Beschleunigungsphasen hintereinander zu fabrizieren.

Dann fabuliert Hofreiter von China, Klimaschutzabkommen und dem Smogproblem in Städten aufgrund von Kohlekraftwerken und Verkehr – eine bunte Melange der üblichen grünen „Talking Points“, deren beliebige Verquirlung aber maximal als Nebelkerze dienen kann. Die Kurzfassung, wenn man es mit den Fakten ernst nimmt: Erstens stoßen moderne Verbrennerautos derart wenig Schadstoffe aus, dass sie zum Smogproblem nichts relevantes beitragen. Zweitens stellt man Kohlekraftwerke selten direkt in die Stadt, und die moderne Filtertechnik sorgt auch hier dafür, dass sie zum Smogproblem nichts relevantes beitragen. Drittens hilft der Ersatz von Verbrennerautos durch Elektroautos dem Klimaschutzthema in China überhaupt nicht, weil der Strommix in China sehr kohlelastig ist und das die CO2-Bilanz des Elektroautos nachhaltig versaut. Viertens sind die Smogprobleme in China hausgemacht, weil die auf dem Papier guten Emissionsstandards nicht durchgesetzt werden, die Innenstädte voll von Zweitaktern ohne Abgasreinigung sind und die Hausfeuerung oft auf Kohle und Holz basiert. Aber es gibt Hoffnung: China setzt auf den massiven Ausbau der Kernenergie, die dann endlich sauberen Strom für die Elektromobilität, Wärmeerzeugung und Industrie bereitstellen kann. Zu dieser Lösung höre ich allerdings Herrn Hofreiter nicht wirklich jubeln.

Um den Fall China nochmal zu präzisieren: China sitzt bei den Klimaschutzabkommen am Tisch, weil sie dort eine einfache Möglichkeit sehen, ihrer Volkswirtschaft Vorteile gegenüber der westlichen Konkurrenz zu verschaffen. Und China denkt über eine Elektroautoquote nach, weil es eine elegante protektionistische Methode ist, die ausländische Konkurrenz aus dem Land fernzuhalten – allerdings sind wohl nur die Grünen dumm genug, darauf reinzufallen und das grüne Gewissen hinter dieser Idee zu vermuten.

Übrigens sieht man an dieser Stelle auch wieder die typische ökonomische Inkompetenz der Grünen durchscheinen: tatsächlich kann man ja argumentieren, dass die Elektrifizierung des Verkehrs einen Beitrag zu sauberer Luft leisten kann. Aber es ist eben eine unglaublich teure Möglichkeit, eine gigantische Fehlallokation von knappen Finanzmitteln, wie sie sich nur ökonomieferne – und damit menschenfeindliche – Geister wünschen können.

Dann der nächste Gag – Hofreiter will auf Technologie und Innovation setzen, und das aus dem Munde der technologie- und innovationsfeindlichsten Truppe überhaupt, die am liebsten per schwarzer Liste ganze Technologiebereiche verbieten oder zumindest totregulieren würden. Aber er macht ja dann gleich klar, wie er es gemeint hat: der Staat gibt das enge Korsett an Regulierungen vor, und in diesem Rahmen darf die Industrie dann ihren Ingenieuren natürlich volle Freiheiten einräumen.

Dann gibt Hofreiter wieder den Wirtschaftsexperten und redet von „Sprunginnovationen“, und nennt als schlechtes Beispiel RWE. Und wirft Ex-RWE-Chef Großmann eine fehlgegangene Prognose bezüglich der erneuerbaren Energien vor. Nun, Großmann lag da ganz sicher daneben, aber warum denn? Kein vernünftiger Mensch konnte sich damals vorstellen, dass die Politik wirklich so weit gehen würde, der Volkswirtschaft riesige Milliardenkosten aufzuladen, um für würdig befundene erneuerbare Energien gnadenlos in den „Markt“ zu drücken, ohne Sinn und Verstand, ohne Rücksicht auf die Netzstabilität oder Umweltbelange. Abgesehen davon hat sich RWE durch clevere Umstrukturierung inzwischen erstaunlich freigeschwommen und wartet wohl geduldig auf das Ende des Irrsinns. Allein die Idee, die jahrzehntelange Subventionierung zur Erhöhung der Stromproduktion aus Sonne, Wind und Biomasse als „Sprunginnovation“ zu bezeichnen, zeigt die ganze geistige Armseligkeit.

Irgendwie will Hofreiter unbedingt die deutsche Autoindustrie zum radikalen Kurswechsel hin zur E-Mobilität überzeugen. Da passt es natürlich nicht ins Bild, dass die deutsche Autoindustrie ganz hervorragend verdient, kerngesund ist und technologisch an der Spitze steht. Aber Fakten, was sind schon Fakten. Hofreiter prognostiziert den baldigen Untergang, und sieht die heutigen hohen Gewinne als Menetekel. Also Google, Apple, hergehört: euer Untergang ist nahe. Tesla hat es lange Zeit richtig gemacht: den Wünschen der Grünen gefolgt und Jahr für Jahr satte Verluste eingefahren. Aber oh weh – im letzten Quartal gab es dort auch Gewinne! Der Anfang vom Ende, wenn man Hofreiter glaubt. Was er wohl momentan zu Toyota sagt, die er früher ja gerne ob ihrer Hybridtechnik als Technologieführer gelobt hat, die aber jetzt eine Total-E-Auto-Verweigerer-Strategie fahren?

Dann setzt Hofreiter gagtechnisch dem ganzen aber die Krone auf: er bezeichnet die Diesel-Technologie als „herbeisubventioniert und fast wie in einer Planwirtschaft gefördert“. Dabei scheint er zu vergessen, dass den „Erleichterungen bei der Mineralölsteuer“ die Bestrafung bei der KfZ-Steuer gegenübersteht. Und dass „Clean Diesel“ sehr wohl funktioniert, kann man bei einigen sehr sauberen Dieselfahrzeugen in aktuellen RDE-Tests sehen. Amüsanterweise sind darunter auch Fahrzeuge aus dem VW-Konzern. Aber mit Fakten hält sich einer wie Hofreiter natürlich nicht auf, wenn es um die ideologische Grundausrichtung geht. „Es ist fahrlässig, am Diesel festzuhalten.“ An Hofreiter ist definitiv ein aufrechter Planwirtschaftler verloren gegangen.

Aber dann schiebt Hofreiter eine fette Drohung hinterher: er will die Autoindustrie retten! Da halte ich es mit Ronald Reagan, der mal folgendes gesagt hat: „The most terrifying words in the English language are: I’m from the government and I’m here to help.“

Und wie er sich so eine Rettung vorstellt, gibt er auch gleich zum Besten. Grenzwerte weiter verschärfen, Verbrenner bis zum Jahr 2030 komplett verbieten. Hofreiter nennt das „verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, das schafft Investitionssicherheit“. Verbieten, abschaffen, gängeln, regulieren, das bekannte Werkzeugsortiment der Grünen (und nebenbei fast aller politischen Parteien in Deutschland).

Dann zeigt Hofreiter, dass er technologisch ganz nah am Puls der Zeit ist: „Fachleute sagen, dass in etwa drei Jahren in Asien der 1000-Kilometer-Akku in Serienproduktion gehen könnte – und zwar zu bezahlbaren Preisen. Wenn das so kommt, dann stellt das unsere gesamte Autoindustrie vor enorme Herausforderungen.“ Nun: der 1000-Kilometer-Akku ist bereits heute erhältlich, dummerweise ist er aber so groß, schwer und teuer, dass man so ein Monsterteil nicht in ein Auto bauen will. Und wenn man mal die Fortschritte der Akkutechnologie der letzten 20 Jahre extrapoliert, kann man schon mal ins Grübeln kommen, wo denn der revolutionäre Fortschritt in den nächsten drei Jahren herkommen soll. Aber das ist Kaffeesatzleserei. Gehen wir einfach davon aus, dass in Asien tatsächlich in drei Jahren der bezahlbare, kompakte, langlebige und ultraschnelladefähige Wunderakku in Serienproduktion geht. Na ist doch super – den kaufen dann die deutschen Autohersteller und bauen ihn in ihre Autos ein. Und weil er so preiswert ist, ist er ja nicht wirklich relevant für die Wertschöpfungskette, sondern ein ganz normales Zulieferteil. Und man hat ja noch nicht davon gehört, dass irgendein Autohersteller in Schwierigkeiten gekommen ist, weil er die Einspritzpumpe von Bosch und das Getriebe von ZF eingekauft hat. Aber solche innere logische Widersprüche erkennt man eben nicht, wenn man die richtige Ideologie mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Hofreiter versucht im Interview ja durchgängig, pragmatisch und keinesfalls autofeindlich daherzukommen – baut alle E-Autos, und alles wird gut, scheint seine Message zu sein. Aber dann blitzt die alte Ideologie doch wieder durch: „Es geht um moderne Formen der Mobilität, um weniger Autos.“ Aber wenn die Autos doch ökologisch unbedenklich sind, warum sind sie dann nicht Teil der modernen Mobilität? Innere Widersprüche, wohin man schaut. Aber kognitive Dissonanz kann man bei genügend Selbstbewusstsein problemlos ertragen.

Dann wärmt Hofreiter noch einen alten Klassiker der E-Auto-Fraktion auf: die Flotte der Elektroautos sei der perfekte Puffer zur Abfederung von Stromspitzen und würden dadurch quasi Hand in Hand mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien gehen. Ich verzeihe ihm für den Moment seine unpräzise Ausdrucksweise („Stromspitzen“), ich glaube es ist klar was er meint. Nur: er liegt komplett daneben. Ein „perfekter Puffer“ hat große Kapazität, ist zyklenfest, ist preiswert, hat einen hohen Lade-/Entlade-Wirkungsgrad, kann dauerhaft hohe Leistung abgeben und aufnehmen, ist verbraucher- und erzeugernah, steht jederzeit zur Verfügung. All das erfüllt der Akku im E-Auto nicht mal ansatzweise. Und das sogar, wenn man die Notwendigkeit von großen saisonalen Speichern erstmal der Einfachheit halber ignoriert.

Dann ein weiterer Klassiker des grünen Gedankenguts: Kreislaufwirtschaft. Solange nur alles irgendwie recycelt wird, ist alles gut. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Recycling ist aufwändig, Recycling kostet Geld (oftmals hauptsächlich in Form von Energie). Nur weil man sich die Kreislaufwirtschaft wünscht, ist diese noch lange nicht technisch oder finanziell sinnvoll. Es kommt immer drauf an. Aber Grauzonen mag man in der Schwarz-Weiß-Welt der Chefideologen eben nicht.

Wer es so weit geschafft hat: ich habe bei diesem Artikel mal die Kommentarfunktion aktiviert – ein Experiment. Mal sehen, wie es läuft. Alle Kommentare werden moderiert. Ich lösche nach Gutdünken.