Zum Umgang mit Russland

Spätestens mit dem Beginn des russischen Angriffskrieg mitten in Europa gegen die Ukraine wird wieder über das Großthema “Geld verdienen und Moral” diskutiert. Meist in Bezug auf das Konzept “Wandel durch Handel” (alternativ “Wandel durch Annäherung”), das irgendein Illusionär und/oder Naivling (vermutlich Egon Bahr) in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts ins Spiel gebracht hat.

Schon die erste Implementierung des Konzepts, die neue Ostpolitik der sozialliberalen Koalition ab 1969, ist ja ein kapitaler Fehlschlag gewesen. Das Ende des eisernen Vorhangs und der kommunistischen Diktatur im Osten Europas endeten wegen der Pleite des Kommunismus, forciert durch die clevere Strategie “wir rüsten sie einfach tot” die maßgeblich auf Ronald Reagan zurückgeht. Mit einem nicht zu unterschätzenden Beitrags des damaligen Technologie-Embargos nebst dem beginnenden Informationszeitalters – der Neid im Osten auf den Wohlstand im Westen war m.E. ein signifikanter Treiber der friedlichen Revolution beginnend in 1989.

Besonders die Gasgeschäfte oder generell Rohstoffgeschäfte mit Russland werden ja rückblickend als irgendwie verwerflich dargestellt. Ich halte das für eine merkwürdige Einschätzung. Ich bin strikt gegen eine Vermischung von politischem Moralisieren mit wirtschaftlichen Interessen. Ist doch eine super Sache, wenn wir Gas preiswert von Russland kaufen können. Dumm war halt nur sich in die Abhängigkeit zu begeben, aber das war halt politische Kurzsichtigkeit wie sie die deutsche Energiepolitik generell seit Jahrzehnten prägt. Lange Pipelines sind der Weg in die Abhängigkeit, LNG war schon seit mindestens 40 Jahren das Mittel der Wahl um Anschluss an den Weltmarkt mit all seinen preissenkenden Konkurrenzeffekten zu bekommen. Blöd, wenn man das dann ab 2022 hektisch nachholen muss (und bis heute nicht fertig ist und bei den Lieferanten Premium-Zuschläge bezahlen darf).

Die moralische Komponente von wirtschaftlichen Transaktionen wird sowieso häufig merkwürdig einseitig betrachtet. Letztlich ist jede nicht-marktwirtschaftliche Komponente einer Überlegung wohlstandsreduzierend. Man könnte sagen: man opfert die Armen der Republik auf dem Altar der gefühlten moralischen Überlegenheit. Quasi die Definition von “unsozial”. Denn am Endergebnis ändert sich typischerweise nichts. Um es überspitzt zu formulieren: noch nie wurde ein Völkermord verhindert, indem ein deutsches Waffensystem NICHT exportiert wurde. Unter anderem deshalb, weil die ausländische Konkurrenz gerne liefert und sich nicht in Bedenkenträgerei ergeht, aber auch weil Völkermord auch mit Maschinenpistolen oder simplen Macheten funktioniert und Panzer dafür gänzlich unnötig sind.

Die Grenze würde ich dort ziehen, wo das Gefahrenmoment für uns selbst zu groß wird. Uranzentrifugen an den Iran? Schlechte Idee. Aber wie man am Beispiel Pakistan und Nordkorea sieht, sind unsere Einflussmöglichkeiten da leider begrenzt.

Unterm Strich bin ich gegen die – wie sie neuerdings genannt wird – wertebasierte Außenpolitik. Menschen und erst recht Politiker und politische Systeme ändern sich nicht, wenn man moralische Vorträge hält und sinnlose Symbolpolitik betreibt. Und die moralischen Vorträge lassen sich zudem zu Hause gut propagandistisch ausschlachten – “wir gegen die”, “gegen den Feind von außen” – das ist der Kitt, der Autokratien und Diktaturen zusammenhält. Ohne die Erzählung vom Klassenfeind wäre die glorreiche Sowjetunion kaum bis in die 90er gekommen.

Und so empfehle ich auch, dass Russland nach dem verlorenen Ukraine-Krieg recht bald wieder in die “Gemeinschaft der Völker” aufgenommen wird. Nach Zahlung von ein paar hundert Milliarden an Reparationen natürlich – Gas würde sich als Bezahlung anbieten. Auf keinen Fall hingegen Bezahlung durch Waffen aus russischer Produktion, da wissen wir ja jetzt, dass das Zeugs wirklich gar nichts taugt.

Ukraine-Update

Nach langer Zeit wollte ich mal wieder was zum aktuellen Stand des russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine schreiben. Stellt sich raus: meine Beschreibung vom September 2022 – ja, das ist schon über ein Jahr her – ist eigentlich immer noch zutreffend. Mit leichten Detailabweichungen bei den anstehenden Waffenlieferungen an die Ukraine.

Die seit längerem andauernden Offensivbemühungen der Ukraine haben jedenfalls noch keine signifikanten Erfolge gezeitigt, allerdings sagt das für die Zukunft wenig aus – Geschichtsinteressierten sei der “schwarze Tag des deutschen Heeres” von 1918 zu Studienzwecken ans Herz gelegt. Es scheint im Moment ein Stellungs- und Abnutzungskrieg zu sein, und aus meiner Sicht ist längerfristig unklar, ob das eher den Ukrainern oder den Russen in die Hände spielt. Die notwendigen Daten zur Bewertung wie z.B. inwiefern die russische Rüstungsindustrie in der Lage ist, ausreichend Material zu produzieren, verstecken sich im Nebel des Krieges.

Ähnlich wenig Berichtenswertes gibt es übrigens von der Scholzschen Zeitenwende. Nicht mal den adäquaten Ersatz für an die Ukraine geliefertes Material hat die Bundeswehr bzw. das Verteidigungsministerium bis jetzt in die Tat umgesetzt, und die ursprünglich versprochene Kombination aus “100 Mrd. Sondervermögen + 2% Ziel” ist schon lange ad acta gelegt worden – das denkbare Maximum scheint derzeit eine Auffütterung des Verteidigungshaushalts durch das Sondervermögen auf das 2%-Ziel in den kommenden paar Jahren. Wobei die Personalsituation bei der Bundeswehr nun auch nicht so aussieht, wie wenn man das allerneueste Material in großen Mengen überhaupt einsetzen könnte. Aber wenigstens könnte man versuchen, das alte kaputte Material instandzusetzen oder zu ersetzen. Und vielleicht mal einen anständigen Munitionsvorat anzulegen – Munition soll ja wichtig sein im Gefecht, habe ich als Ungedienter jedenfalls mal gehört.

Mehr Kindergarten wagen

Weil gerade CDU und FDP im Thüringer Landtag ein höchst sinnvolles Vorhaben zur Steuersenkung für die dortigen Bürger gegen die Minderheitsregierung durchgesetzt haben – und dieses nur mit den Stimmen der AfD tun konnte, was die versammelte Journaille nebst Linksaußenpolitiker vorhersehbar kräftig in Wallung brachte – kommt mir wieder ein altes “Handelsblatt Morning Briefing” in den Sinn, vom 2023-07-26 wenn meine Notizen stimmen. Darin wird folgende Kindergarten-Strategie im parlamentarischen Umgang mit der AfD vorgeschlagen: “Was Kretschmer allerdings nicht erwähnt: Es gibt durchaus Alternativen zum „Wir sind dagegen, weil die AfD dafür ist“. Etwa, indem die anderen Parteien bei unstrittigen Anträgen der AfD einen eigenen, inhaltlich gleichen Antrag einbringen, anstatt dem der AfD zuzustimmen.”

Das ist natürlich ein Weltklasse-Vorschlag und richtungsweisende Strategie im Umgang mit Aussätzigen – die ärgerlicherweise ja auch noch eine nicht unerhebliche Zahl an Wählern repräsentieren, aber da muss man der Demokratie eben Grenzen setzen, bei allem was Recht ist! Denn der Vorschlag trägt alle Merkmale moderner Politik, ist somit optimal kompatibel zur heutigen Zeit, vereinigt er doch Aufwandsmaximierung, rein symbolische Handlung, sinnloses virtue signalling und Verachtung des Wählers. Leisen Bedenken der letzten rational denkenden Menschen, dass es doch eigentlich egal sein müsste, von wem der Antrag formell eingereicht wird, sondern dass es mehr auf die Inhalte ankommen – dieser Häresie muss natürlich mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden, erfordert den unverbrüchlichen Schulterschluss aller aufrechten Demokraten.

Dieselben Journalisten werden morgen dann wieder die Politikverdrossenheit der Bürger beklagen und Strategien empfehlen, um dagegen anzugehen. Und sie werden nicht in der Lage sein, das eigene Brett vor dem Kopf zu erkennen. Unempfindlichkeit gegen kognitive Dissonanz ist neben Dyskalkulie und Rechtschreibschwäche schließlich die vermutlich wichtigste Voraussetzung, um den Journalistenberuf heutzutage zu ergreifen.

Die Pointe der ganzen Sache ist natürlich, dass die CDU in Thüringen im Prinzip der Empfehlung des Handelsblatt-Journalisten gefolgt ist. Über eine Empfehlung des Journalisten, wie dann mit einem etwaigen Erfolg eines Antrags umzugehen ist, dem dann frecherweise die AfD einfach zustimmt, ist noch nichts bekannt. Der Ausschuss für Political Correctness hält wahrscheinlich noch seine diesbezügliche Krisensitzung ab.

 

Der tägliche KI-Hype

Kaum etwas nervt so sehr wie die neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Egal ob der Abgesang auf die deutsche Automobilindustrie (gerne angestimmt seit den 70ern), KI (erster Hype – 60er/70er), der-Computer-wird-alle-Arbeitsplätze-vernichten (Grüne und SPD in den 80ern), oder in jüngerer Zeit die Blockchain, eine phantastische Technologie die noch immer ihre erste sinnvolle Anwendung sucht.

Daher ein paar kurze Einordnungen zum derzeit allgegenwärtigen KI-Hype. Auslöser war ChatGPT, ein typisches Artefakt der heutigen Big-Data-Anwendungen. Wenn man nur genug Trainingsdaten in ein neuronales Netz reinsteckt, kann man für diverse Anwendungen in Kombination mit ausgefuchsten Algorithmen durchaus brauchbare Ergebnisse erzielen. DeepL ist ein gutes Beispiel dafür, kann es doch in oft akzeptabler Qualität Texte in bestimmten (aber nicht alle) Sprachen in andere Sprachen übersetzen. Und das ist vermutlich das wirklich Beeindruckende an ChatGPT: dass natürliche Sprache recht gut “verstanden” wird, und daraus wiederum plausibel klingende Sätze aus einer sehr großen Datenbasis formuliert werden können.

Leider endet da das Beeindruckende. Nach wie vor ist nicht erkennbar, dass diese KI (wenn man etwas, das ganz offensichtlich keine Intelligenz im eigentlichen Sinne besitzt, so nennen will) tatsächlich versteht, was gefragt wird. Und ebensowenig den Wahrheitsgehalt seiner Daten-und-Fakten-Sammlung, aus der sie ihre Antworten generiert, prüfen kann. Damit sind die so generierten Antworten zwar schön zu lesen (“der Vortrag war zumindest flüssig”), aber letztlich nutzlos, weil unzuverlässig.

Und damit ist die heutige beste Generation von KI leider immer noch nicht in der Lage, scheinbar simple Dinge wie “Auto fahren” auch nur einigermaßen akzeptabel hinzukriegen – siehe das beständige Scheitern der Bemühungen von Multi-Milliarden-Konzernen von Google über Tesla bis GM am doch eigentlich simplen Problem.

Damit soll jetzt nicht gesagt sein, dass viele typische Jobs heutzutage nicht jetzt oder in naher Zukunft durch KI ersetzt werden können. Bei Diversitätsbeauftragten, Call-Center-Mitarbeitern, Journalisten oder Politikern liegt die Latte derart niedrig, dass schon heutige KI überqualifiziert wirkt.

Bezüglich des oft beschworenen Fachkräftemangels, der ja eher ein Arbeitswilligenmangel ist, sind das eigentlich auch gute Nachrichten: beispielsweise in der Gastronomie wird ja händeringend Personal gesucht, das bei schlechter Bezahlung und ungünstiger Arbeitszeit echte Arbeit verrichtet. Ersatz durch KI nicht absehbar. Ein optimales Einsatzgebiet für die durch KI ersetzten Arbeitskräfte.

Trotzdem ist natürlich die Entwicklung rund um die KI im Auge zu behalten. Ein Indikator, der auf einen Qualitätssprung schließen ließe, wäre die Verfügbarkeit einer Autokorrektur im Smartphone (oder der Textverarbeitung meiner Wahl), die tatsächlich zuverlässig meine Fehler korrigiert anstatt neue oder ähnlich klingende Wörter zu verwenden, die ich auf keinen Fall gemeint habe. Oder die Verwendung einer KI in der Politik, die in der Lage ist, einem Robert Habeck unsinnige Gesetze auszureden, indem sie einfach nur die Fakten so zusammenstellt und präsentiert, dass sogar ein Grüner sie versteht – wobei, da verlange ich vielleicht zu viel, weil das schon theoretisch gar nicht möglich ist.

Gute Nachrichten für Fleischesser

Im allgemeinen Klimawahnsinn nebst CO2-Reduktionswahn ist ja kein Vorschlag zu irrsinnig, um nicht häufig laut und regelmäßig in die Diskussion gebrüllt zu werden. Das Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist so ein immer wiederkehrender Vorschlag. Heute soll es aber mal das Thema Ernährung sein: eine Statista-Grafik nennt Zahlen zum Thema. Gut, Quelle UBA, da müsste man nochmal genauer nachlesen, die Kollegen dort sind schon häufiger durch kreative Interpretation von Datenmaterial aufgefallen. Aber nehmen wir die Werte mal so hin.

Der Unterschied pro Jahr zwischen Fleischesser und Veganer liegt demnach bei rund 700 kg CO2. Oder anders ausgedrückt 0,7t CO2. Die Ablasshändler von atomsfair nehmen gerade etwa 23€ pro t CO2 als Kompensation (nebenbei: deutlich preiswerter als die Bundesregierung, die will seit 2022 30€/t), der Fleischesser kann sich also durch eine Spende von 20€ im Jahr auf Veganer-Niveau herunterkompensieren, ohne auf Genuss zu verzichten. Da er sich sowieso preiswerter (im wahrsten Sinne des Wortes) ernährt als der durchschnittliche Veganer – das stelle ich jetzt einfach mal so als Vermutung in den Raum aufgrund von Supermarkt-Lebenserfahrung, und jeder kennt ja das Gejammer vom viel zu billigen Fleisch und vom zu teuren Obst und Gemüse, dazu noch die sündteuren Ersatzprodukte vor allem für Milchprodukte – wird er sich das locker leisten können. Ja, es steht zu vermuten, dass die vegane Lebensführung sehr viel klimaschädlicher ist als die des gewöhnlichen Mischköstler, eben weil viel teurer – also lieber preiswertes Fleisch und gesunde Milchprodukte essen und das gesparte Geld an atmosfair spenden. So geht pragmatischer Klimaschutz.

Um mal die Größenordnung klar zu machen: der Weiterbetrieb der sechs in 2021 noch verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland hätte über den Daumen gepeilt jährlich 60 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Mit anderen Worten: deutlich mehr, als alle Menschen in Deutschland, wären sie Fleischesser, durch Konvertierung zum Veganismus einsparen könnten.

TL;DR: Veganismus ist klimaschutztechnisch sehr dumm, weil der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag steht. Kernkraftwerke zu betreiben, vor allem wenn sie schon gebaut sind und viele Jahre problemlos betrieben wurden, ist klimaschutztechnisch sehr klug. Ende der Durchsage.

Der Zusammenhang zwischen Leistung, Energie, Kapazität und Qualitätsjournalismus

Ein Ärgernis seit vielen Jahrzehnten ist die komplette Unfähigkeit von Journalisten, beim Thema Stromversorgung die Parameter “Leistung” und “Energie” auseinanderzuhalten. Meist äußert sich das im wilden Durcheinanderwerfen von Watt und Wattstunden, im Kraftwerksmaßstab also meist MW und kWh.

So auch das Pioneer Hauptstadt-Briefing vom Freitag, wo folgende Aussagen im Rahmen des völlig berechtigten Hinweises “ohne Speicher funktioniert die deutsche Energiewende nicht” getätigt wurden: “Bis 2030 gehen etwa die Forscher vom Fraunhofer ISE von einem Bedarf für Batteriekapazitäten in Höhe von rund 50 Gigawatt aus.” und “Mit der aktuellen Geschwindigkeit aber würden bis dahin keine zehn Gigawatt erreicht werden” und “Kyon ist der deutsche Marktführer für den Bau und Betrieb von Batteriegroßspeichern. Und dabei, die Marke von einem Gigawatt Speicherkapazität zu überspringen.” Die drei Zitate sind zusammengenommen ungefähr so dumm, wie wenn man bei einem Windpark schreibt “versorgt 50000 Haushalte” – in Wahrheit versorgt ein Windpark in Ermangelung von Stromspeichern genau 0 Haushalte.

All das zeigt, dass Journalisten nicht mal den Wissensstand von Mittelstufen-Physik (8. Klasse) verinnerlicht haben. Was per se schon traurig wäre, selbst wenn sie nicht Artikel über Themen der Energiewende und der Stromversorgung schreiben würden. So ist es höchst ärgerlich und zeigt die Dringlichkeit, den Durchschnittsjournalisten endlich durch einen KI-Bot zu ersetzen. Denn schlechter kann die Qualität nicht werden, egal ob es um Faktentreue oder logische Zusammenhänge oder Rechtschreibung und Grammatik geht.

Damit die Leser hierzublogs noch wenigstens ein paar gewinnbringende Erkenntnisse außer dem wohlbekannten “Presse und Rundfunk sind qualitativ großer Mist und kann weg” mitnehmen kann, hier mal ein paar Größenordnungen und Überschlagsrechnungen zum Thema Strom.

Ein wichtiger Parameter des Stromverbrauchs hierzulande ist die Lastspitze. Man muss regelmäßig mit einem Bedarf von rund 75 GW Leistung rechnen, man braucht also in Summe konventionelle Kraftwerke, die diese 75 GW stemmen können – denn bei der gefürchteten Dunkelflaute machen PV und Windkraft bekanntlich synchron schlapp, auch wenn inzwischen dank der irrsinnigen Subventionen die installierte Leistung (die Summe aller Erzeugungskapazitäten) in Deutschland bei inzwischen 220 GW liegt – zu schlechten Zeitpunkten wie “bewölkter Schwachwindtag” oder “schwacher Wind nach Sonnenuntergang” ist es kein seltenes Ereignis, dass die summarische Produktion aus PV und Wind unter 2 GW liegt – 2 GW aus 220 GW, Respekt. Bezüglich Netzstabilität: die einigermaßen zuverlässigen Erzeuger Steinkohle, Braunkohle, Gas, Öl, Wasser und Biomasse liegen in Summe bei 85 GW, zusammen mit der Netzkopplung im europäischen Verbundnetz mit etwa 30 GW Potenzial sind wir hier also noch auf der sicheren Seite. Übrigens ist die Spitzenlast über die Jahrzehnte deutlich gesunken, Mitte der 90er galt “95 GW” als Worst-Case-Winterabend-Spitze noch als Maßstab. Heute hat man im Tagesverlauf überwiegend eine Mittagsspitze zwischen 11:00h und 14:00h, und im Herbst bis Frühjahr eine Abendspitze von etwa 17:00h bis 19:00h. Wie sich das in Zukunft mit Weiterverbreitung von Wärmepumpen, Klimaanlagen und Elektroautos entwickelt ist schwer vorherzusagen. Wenn 20 Millionen Elektroautos über Nacht am Strom hängen, braucht man schon ein vernünftiges Lastmanagement, und auf Schnellladung sollte verzichtet werden – selbst an einer mickrigen 11kW-Wallbox, die bei heute gängigen Akkugrößen schon 6h zum Vollladen braucht, würde sich der Leistungsbedarf im Netz im Szenario “alle wollen laden” auf 220GW summieren. Gott sei Dank ist die durchschnittliche tägliche Fahrleistung nur bei knapp 40km, also müssen nur – je nach Fahrzeug – irgendwas zwischen 6 und 10 kWh nachgeladen werden.

Ein weiterer wichtiger Parameter ist der Jahresstromverbrauch. In den 80ern rechnete man noch mit in Summe 650 TWh, inzwischen bewegt sich das eher in Richtung 500 TWh (Deindustrialisierung sei Dank, und auch LED-Leuchten statt Glühlampen haben einen nicht zu verachtenden Anteil). Tendenz gleichzeitig steigend und sinkend – steigend wegen Wärmepumpe (aka “Heizen mit Strom”) und Elektromobilität, sinkend wegen der Abwanderung der industriellen Produktion.

Welchen Beitrag leisten die erneuerbaren Energien PV und Windkraft, die ja in Zukunft das Rückgrat der Stromversorgen bilden sollen? Es schwankt. An einem typischen Sommertag liegt Windkraft irgendwo zwischen 1 GW und 35 GW, PV zwischen 0 GW und 45 GW (wenn es sonnig ist) bzw. 15 GW (wenn es bewölkt ist). Kurz gesagt: man braucht Speicher, oder weiterhin einen kompletten konventionellen Kraftwerkspark und verabschiedet sich von der CO2-Neutralität, die hierzulande ja je nachdem wen man fragt zwischen 2040 und 2050 Realität sein soll. Auch wichtig zu wissen: 2022 lag die installierte Leistung aller PV-Anlagen in Deutschland bei rund 60 GW, die der Windkraftanlagen (onshore und offshore) ebenfalls. Wer sich jetzt wundern, warum wir nicht viele Tage im Jahr haben, wo Wind und Sonne unseren kompletten Strombedarf decken können: das hängt mit dem miserablen Jahresnutzungsgrad dieser Anlagen zusammen. Das Jahr hat bekanntlich 8760h, und bei PV-Anlagen liegt die Zahl der sogenannten Jahresvolllaststunden nur bei 1000, bei Wind etwa bei 2000 (offshore etwas mehr, aber wir haben in Deutschland einen deutlichen Onshore-Überhang).

Schlagen wir den Bogen zurück zum Ausgangspunkt – Stromspeicherung in großen Batteriespeichern. Beispielsweise gibt es da schlüsselfertige Anlagen mit dem schönen Namen “Megapack” von Tesla, wo jeder auf der Homepage nachlesen kann, was denn so ein Dingens so kostet. Speichert etwa 4 MWh und schafft je nach Konfiguration eine Leistung von 1 MW oder 2 MW. Anschaffung: grob 1,8 Mio US$ netto pro Stück (inklusive Installation in Kalifornen – Alaska ist “etwas” teurer, für Europa kenne ich keine Zahlen), wenn man gleich mal 100 Stück ordert. Lebenserwartung 20 Jahre. Mit Wartungsverpflichtung zu 0,5 Mio US$ jährlich. Machen wir eine kurze Überschlagsrechnung und gehen wir davon aus, dass wir nur auf Tagesebene puffern müssen und keinerlei Redundanz vorhalten wollen. Erst mal die Netzlast absichern: 75 GW kosten dann rund 70 Mrd. US$. Das kauft gleichzeitig eine Speicherkapazität von etwa 150 GWh. Bei 500 TWh im Jahr liegt der Tagesverbrauch bei gemittelt 1,4 TWh – oops, das wird dann wohl nicht reichen, also nochmal Faktor 10 draufschlagen (und das ist eine wichtige Erkenntnis – Leistung ist nicht unser Problem, sondern Kapazität bzw. Energie). 700 Mrd. US$. Speicherwirkungsgrad ist auch noch zu berücksichtigen, der liegt natürlich nicht bei 100%, Tesla gibt etwa 90% an (für den gesamten Lade-Entladezyklus – ob dabei der Stromverbrauch des Akkutemperaturmanagements schon inkludiert ist, weiß ich nicht). In der Praxis ist das Problem natürlich viel größer, denn es gibt durchaus Wochen im Jahr, wo Wind und Sonne kombiniert sehr wenig Ertrag bringen – grob gesagt zwei Wochen Stromverbrauch sollte so ein Stromspeicher deutschlandweit schon puffern können, denn den Mittelwert abzudecken bringt bei einem Stromnetz naturgemäß nichts, man muss leider für den Worst Case gewappnet sein. 10 Billionen US$ ist doch mal eine runde Summe, aber ob die reicht – unklar. Müsste man mal eine anständige Simulation mit den Erzeugerwerten der letzten 20 Jahre durchführen. Ein wenig abgemildert wird die Misere immerhin durch Biomasse und Wasserkraft, aber nicht wesentlich. Es sei denn, man will die “Vermaisung der landwirtschaftlichen Nutzfläche” extrem ausweiten und damit alle Bemühungen um Umwelt- und Naturschutz in den Wind schlagen. Und wer will schon Nahrungsmittel anbauen, Energiepflanzen sind doch viel wichtiger.

Jetzt verbinden wir die Erkenntnis “Kosten Stromspeicherung” noch mit “Jahresvolllaststunden PV und Wind”. Selbst ohne Speicher, und wenn wir mal Wind mit 2000 Volllaststunden ansetzen und alles durch Wind abdecken wollen – 500 TWh – also 500000 GWh – müssen eben allermindestens erzeugt werden. Macht eine installierte Leistung von 250 GW Windkraftanlagen. Wie gesagt: gerade sind wir bei etwa 60 GW, und die guten Standorte sind ja weitgehend belegt. Da gewinnt der Satz von der “Verspargelung der Landschaft” doch gleich eine gewisse Nachdrücklichkeit. Konsequent weitergerechnet bräuchte es demzufolge 500 GW installierte PV um dasselbe Ergebnis zu erreichen. Man hofft instinktiv, dass Deutschland in Zukunft seinen Strom hauptsächlich aus dem Ausland beziehen wird. Verschiedene Szenarien bezüglich Deutschlands zukünftiger Stromversorgung gehen übrigens von schlappen 200 TWh Stromimport aus – warum wohl.

Ich will nicht mit weiteren Überschlagsrechnungen langweilen, es sollte inzwischen klar geworden sein: es wird teuer. Sauteuer. Noch viel viel teurer als es jetzt schon ist. So teuer, dass ein Irrsinn wie das Habeck’sche Heizungsgesetz wie ein unbedeutendes preiswertes Kleinkleckerleswerk aussieht. Es sollte sich nun keiner mehr wundern, dass der Rest der Welt hauptsächlich auf wahlweise Klimaschutz-Lippenbekenntnisse oder Kernenergie setzt.

Die gute Nachricht: weil es so irrsinnig teuer wird, ist es recht unwahrscheinlich, dass wir 2040 tatsächlich 500 TWh Stromverbrauch haben werden. Durch die dann zwingend erfolgte großflächige Verarmung der Bevölkerung und der Vernichtung von Industrie und Dienstleistungssektor werden 200 TWh sicher reichen – willkommen in der dritten Welt, Deutschland. Oder um ein wahres Wort nochmal aufzuwärmen: “Das Tolle an der Energiewende ist, dass der letzte nicht mal das Licht ausmachen muss.”

Eine neue Definition von Marktdominanz

Lange erwartet, endlich da: ein Artikel von mir, der gleichzeitig die Themen “Elektromobilität” und “Qualitätsjournalismus” aufgreift.

Anlass: eine Infografik im Pioneer Briefing (Business Class Edition) vom 2023-07-19, überschrieben mit “Tesla: Dominanz im deutschen Markt”. Es geht um die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr 2023, und ich wurde ob der Überschrift hellhörig. Der Abgesang auf die deutsche Autoindustrie ist ja quasi ein Klassiker des Qualitätsjournalismus und anderer Unkenrufer von der linksgrünen bis zur liberalen Fraktion. Was hat die deutsche Autoindustrie nicht schon alles angeblich verschlafen: den Trend zum preiswerten Kleinwagen, zum Vollhybridfahrzeug, zum Diesel mit Partikelfilter, zum Direkteinspritzerbenziner, zum Elektroauto, zum Plug-In-Hybrid – kein Trend, den nicht irgendjemand irgendwann ausgerufen hat und den die deutsche Automobilindustrie verschlafen hat. Als Vorreiter wurden so ziemlich alle Konkurrenten über die Jahre identifiziert: Italiener, Franzosen, Japaner, Koreaner, Chinesen, und zuletzt vor allem Tesla. Und jetzt war es dann wohl so weit: selbst auf dem traditionell von deutschen Herstellern beherrschten heimischen Automarkt hat Tesla das Kommando übernommen! Also: Faktencheck.

Ich zitiere mal die Zahlen bezüglich des Marktanteils diverser Automarken, um die Absurdität der gewählten Überschrift von der Marktdominanz auch schwarz auf weiß festzuhalten: Tesla 16,5% (ja, richtig gelesen – nicht 80%, nicht 70%, sondern tatsächlich weniger als 20%), VW 15,6%, Mercedes 7,7%, Audi 6,5% (auch VW-Konzern, aber wenn man einen Pseudo-Punkt machen will, ist eine Aufsplittung nach Marken statt nach Firmen in diesem Falle vorteilhaft – der beschreibende Text der Infografik “nach Hersteller” wird so zwar beinahe zur Lüge, aber was soll’s), BMW 5,8%, Hyundai 5,5%, Fiat 4%, Smart 3,8%, MG ROEWE 3,5%, Skoda 3,5% (hoppla, nochmal VW-Konzern), Opel 3,2%, Seat 2,7% (VW-Konzern strikes again), Renault 2,7%.

Wir halten fest: 16,5% Marktanteil gilt heutzutage schon als “Marktdominanz”, selbst wenn die Konkurrenz vom VW-Konzern auf 28,3% kommt, also fast den doppelten Marktanteil. Eine äquivalente Theorie in der IT besagt, dass Apple die Marktdominanz bei Mobiltelefonen inne hat und auch bei Desktop-Betriebssystemen.

Nebenbemerkung: Renault war lange Zeit in Europa Pionier der Elektromobilität, mit dem Zoe als erstem halbwegs bezahlbarem E-Auto und dem Twizy als innovativem, wenn auch gescheitertem Versuch eine neue Fahrzeugklasse zu begründen. Heute: 2,7% Marktanteil. Zeigt mal wieder, dass die Pioniere im Markt schon nach wenigen Jahren keineswegs einen Vorteil haben – es scheint also gar nicht so schlecht zu sein, den einen oder anderen Trend einfach mal zu “verschlafen” und dann den Markt von hinten aufzurollen. The early bird catches the worm, but it is the second mouse that gets the cheese.

Nun liegt es mir fern, Gabor Steingart und seine Bemühungen rund um sein “Pioneer”-Projekt madig zu machen. Unter den ganzen Newslettern, die ich lese, ist man mit dem PioneerBriefing mit Abstand am besten informiert. Aber leider eben nicht frei von Bias und Spin. Schade.

Auch liegt es mir fern, die Elektroautobemühungen der deutschen Automobilindustrie schönzureden. Nach wie vor fehlen bezahlbare und vernünftige Elektroautos, aber die fehlen halt quer durch alle Hersteller. Wenn ein Tesla Model 3 nach gefühlt zehn verkündeten Preissenkungen im Basismodell heute in Deutschland immer noch über 40000€ kostet (ursprünglich ging man mal mit 32000€ Zielpreis ins Rennen, wobei das auch der qualitätsjournalistischen Fehlberichterstattung hierzulande zu verdanken war, weil man US$ nach EUR ohne Berücksichtigung von so Kleinigkeiten wie “Umsatzsteuer” und “Transportkosten” umgerechnet hatte). VW mit dem ID.3 oder Opel mit dem E-Astra liegen auch nicht günstiger, und wir reden hier von kaum alltagstauglichen Kisten mit viel zu wenig Platz und Reichweite gemessen an einem Standard-Benziner. Selbst ein Kleinstwagen wie der VW eUp liegt noch bei 30000€, was den Wahnsinn der E-Mobilität für Brot-und-Butter-Käufer nochmal ins Gedächtnis brennt.

Und das erklärt dann auch, warum weltweit, sobald staatliche Förderungen für E-Autos wegfallen und der Grundbedarf für Käufer mit geeignetem Nutzungsprofil (hauptsächlich Kurzstrecke, Nutzung als Zweitwagen und/oder Pendlerauto, Lademöglichkeit zuhause nach Möglichkeit mit PV-Überschussstrom) gedeckt ist, die Verkäufe drastisch einbrechen. So derzeit auch in Deutschland zu beobachten. Wobei hierzulande auch die extrem langen Lieferzeiten ein Bestellhindernis waren – die Entwicklung bei den Elektroautos geht ja doch noch mit etwas höherem Tempo voran als bei Benzinern oder Dieseln, wer will da 15 Monate auf ein Fahrzeug warten, dass dann bei Auslieferung schon halb veraltet ist. Jedenfalls sind die Prognosen nicht rosig: Für 2023 werden gerade mal knapp 500.000 verkaufte Elektroautos erwartet, ein Marktanteil von knapp über 20% – man könnte sagen: weit entfernt vom Marktdurchbruch. Für 2024 wird gar nur noch ein Marktanteil von 14% erwartet. Hauptgründe: steigende Strompreise und vermutlich wegfallende staatliche Förderung.

Man kann ja mal kurz überschlagen – die kWh Strom kostet heute zwischen 30ct (“zuhause mit Netzstrom laden”) und 80ct (Schnellladung z.B. an der Autobahn), je nach Modell braucht man für 100km real 15-20 kWh, also mindestens 4,50€, aber bis zu 16€. Ein entsprechender Benziner, mit heute üblichen 6l/100km, kommt bei 1,70€/l auf rund 10€. Spart man mit dem Stromer also höchstens 5€ auf 100km, bei einem Mehrpreis bei Anschaffung von mindestens 10000€ (entspricht also naiv gerechnet 200000km bis zum break even). Und das war jetzt sehr freundlich gerechnet für das E-Auto. Günstiger wird es nur, wenn man konsequent zuhause mit PV-Überschuss lädt, weil die Einspeisung heutzutage ja bei neuen Anlagen weniger als 10ct/kWh bringt. Nur: von Herbst bis Frühjahr dürfte es nur selten über ausreichende Zeit diese Überschüsse geben, um die tägliche Pendelstrecke nachzuladen. Bleiben also die Wenigfahrer im Home-Office mit großer PV-Anlage auf dem Dach als Zielgruppe – klingt nicht nach einem Erfolgsrezept für die breite Masse. Und das berücksichtigt nicht mal die gravierenden Nachteile wie geringe Reichweite/lange Standzeiten bei leerem Akku/kein ausreichend dichtes Ladenetz, die seit langem bekannt sind.

Niemand Vernünftiges zahlt eben mehr Geld für weniger Nutzwert.

Kirchenflucht

Landauf, landab wurde über die Austrittswelle bei der katholischen Kirche in 2022 in Deutschland berichtet. Hier eine schöne Statista-Infografik dazu. So weit, so wenig ungewöhnlich – dass in Deutschland die Zahl der Kirchenaustritte nicht unerheblich ist, ist quasi eine Konstante der letzten 40 Jahre. Und auch wenig verwunderlich – so sehr ich ein Fan der christlichen Werte bin (ich halte sie für eine der besten Ideen der Menschheitsgeschichte), so wenig war und bin ich ein Fan von dem, was man unter “Amtskirche” versteht. Nimmt man die Einzeltatbestände “Kirchensteuer” und “Missbrauchsskandel” zusammen, hat man ja schon eine allemal ausreichende Sammlung an gewichtigen Gründen, diesem Verein den Rücken zu kehren.

Nicht, dass es bei der evangelischen Kirche besser wäre: nicht umsonst wird diese von Spöttern als “die AG Singen und Beten der Grünen” bezeichnet. Anstatt sich um die christlichen Werte zu kümmern, wird hier gerne grüne Politik gemacht – eventuell im guten aber absurd falschen Glauben, dass Ökologismus nach marxistisch-grüner Ideologie irgendwas mit “Bewahrung der Schöpfung” und “Umwelt- und Naturschutz” zu tun hat. Und jede Institution, bei der eine Person wie Margot Käßmann eine leitende Funktion erlangen kann, ist logischerweise zurecht dem Tode geweiht und auch intellektuell bankrott.

Offen bleibt, wann die Konsequenzen folgen. Nachdem nun deutlich weniger als 50% der Deutschen Kirchenmitglieder sind, wäre es an der Zeit, die Repräsentanz der Kirchen in den diversen Gremien mal zu hinterfragen. Gut, für die Merkel’sche Ethikkommission zum Atomausstieg kommt diese Idee leider zu spät, und da haben sich nicht nur die Kirchenvertreter an den kommenden Generationen versündigt.

Gewundert hat mich immer, dass sich das Wehklagen der Kirchen ob dieser Austritte doch in Grenzen hielt. Aufschluss gibt hier die Statistik der Kirchensteuereinnahmen: bis einschließlich 2019 ein sauberer stetiger Zuwachs. Solange die Kasse stimmt, kann man auf Mitglieder wohl leichteren Herzens verzichten.

Im Übrigen würde ich mir von unseren Qualitätsjournalisten und -statistikern wünschen, die Kommunikation etwas trennschärfer vorzunehmen. Die Gruppen “Christen”, “Gläubige” und “Kirchenmitglieder” haben zwar Schnittmengen, sind aber ganz sicher nicht deckungsgleich und keineswegs als Synonyme austausch- und verwendbar.

Revolutionäres Forschungsprojekt sichert Gelingen der Energiewende

Viele haben berichtet, auch mit durchaus angemessenem Sarkasmuslevel. Das Bild von der “Eröffnung” ist wirklich spektakulär – Photovoltaik-Module auf einer ausgefuchsten tragenden Konstruktion (vier Pfeiler im Betonsockel), einen Straßenabschnitt überspannend. Nein, nicht etwa über die Autobahn, wie der Heise-Artikel frech behauptet (kann man das schon Lügenpresse nennen?), sondern neben der Autobahn auf einem Rastplatz.

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Man weiß nicht, warum Forschungsinstitute wie das Fraunhofer solche Projekte bezahlt bekommen – gut, es könnte natürlich sein, dass die Fraunhofer-Solarexperten nur auf extrem niedrigem Niveau arbeiten, das ist (zumindest mir) ja schon früher aufgefallen bei diversen Studien zur Stabilität von Stromnetzen mit hohem PV- und Windanteil. Zumal unter den Orten, wo PV-Ausbau stattfinden sollte, verbraucherferne Standorte zuallerletzt in Betracht gezogen werden sollten. Wobei, dank des kurz bevorstehenden Durchbruchs des Elektroautos nebst daraus resultierender Notwendigkeit einer großen Anzahl Schnellladestationen entlang der Autobahn (Daumenregel: 10 Schnellader ersetzen eine Zapfsäule), könnte das bei Sonnenschein ja sogar sinnvoll sein. Am besten noch ein paar Hotels hinbauen, denn bei Wolken oder bei Nacht bleibt der Akku dann leider leer und sorgt für entsprechende Zwangspausen. Wir wollen ja nur Ökostrom im Elektroauto, denn es wird ja gerne und häufig als CO2-frei angepriesen.

Wenn man solche Projekte sieht, versteht man plötzlich, wie unsere Regierung auf so einen Schwachsinn wie das Heizungsgesetz von Robert H. (oder war es doch von Patrick G.?) verfallen kann – das ist ja schon fast eine intellektuelle Meisterleistung gegenüber diesem Rohrkrepierer.

Als Gegenvorschlag empfehle ich mal folgendes: alle sich im Besitz des Bundes befindlichen Gebäude mit PV-Dachanlagen versehen und mit Wärmepumpen sowie ausreichendem Warmwasserspeicher für die Pufferung die Heiz- und Brauchwasserwärme bereitstellen. Wichtig: Netzstrom darf zur Wärmeerzeugung nicht verwendet werden, damit die Feedbackschleife der Bewohner zum Thema “PV macht uns unabhängig von fossiler Energie” möglichst kurz ist, Hat auch darüber hinaus weitere Vorteile: keine Unfallgefahr für Autofahrer, die den Betonsockel der tragenden Konstruktion treffen. Verbrauchernahe Erzeugung des Stroms. Schon vorhandener Netzanschluss zur Einspeisung von Überschüssen. Tragende Konstruktion existiert schon (Dach). Diebstahl der PV-Module ist erschwert. Wenn der Bund damit fertig ist, kann man über Autobahnüberbauung nachdenken. So in 30 bis 40 Jahren schätzungsweise.

Ukraine-Update – kein Mangel an Phantasie

Seit meinem letzten Ukraine-Update von Anfang September letzten Jahres hätte es viele Gelegenheiten gegeben, über den weiteren Verlauf des russischen Angriffskrieges zu spekulieren. Beispielsweise nach Beginn der russischen Winter-Offensive, wo man sich bis heute fragt, ob die eigentlich stattgefunden hat oder ob Russland so schwach ist, dass man trotz Konzentration aller verfügbaren Kräfte es gerade mal für einen Pyrrhus-Sieg in Bachmut gereicht hat. Oder alles einer cleveren, aber bisher undurchsichtigen Strategie der Russen folgt, um welches-Ziel-auch-immer zu erreichen. Oder die ganzen Geschichten zu den Waffenlieferungen von Schützenpanzern über Kampfpanzer bis hin zu F16-Kampfflugzeugen, und ob es jetzt 16 oder doch 18 deutsche Leo 2 sein werden. Oder warum die bei der Bundeswehr lange ausgemusterten Gepard-Flakpanzer in der Ukraine als ein sehr beliebtes und erfolgreiches Waffensystem reüssierten. Oder die langdauernde Vorbereitungsphase der ukrainischen Gegenoffensive, die eventuell oder auch nicht dann tatsächlich im Mai begonnen hat. Oder über die ausbleibenden Fortschritte dieser Offensive nebst Verlust “westlicher Panzer”, die so natürlich niemals nicht hätten passieren dürfen – schließlich ist so ein Leo 2 bekanntlich unverwundbar und topmodern mit seiner Grundkonstruktion aus den 70ern, so eine High-Tech-Kiste kann ja niemals auf dem Schlachtfeld ausfallen. Dann die Sprengung des Kachowka-Damms (“Die Russen waren es! Nein, die Ukrainer! Alles von den Amis eingefädelt! Das waren doch diese britischen Marschflugkörper, die sind extra dafür geliefert worden! Nein, die Russen wollten doch nur ein kleines Loch reinsprengen und dann haben sie es verkackt!”). Unwillkürlich fühlte man sich auf der Suche nach Schuldigen an die Sabotage der Nordstream-Pipeline erinnert, wo ja auch jeder seine Lieblingstheorie hat.

Und nun die große Wagner-Revolution. Was Freitag noch wie ein großangelegter Putsch mit durchaus guten Erfolgsaussichten aussah, entpuppte sich einen Tag darauf als Revolutiönchen, das schneller im Sande verlief als irgendjemand glauben mochte. Und unter allen Ereignissen dieses Krieges ist es eins der rätselhafteren, und da gibt es ja wahrlich genug Konkurrenz. Einige brachten die Theorie ins Spiel, Prigoschin sei von den Amis gekauft worden, um Putin zu eliminieren. Das war zu Anfang vielleicht noch eine zumindest plausible Hypothese, aber nach der Exil-in-Weißrussland-Auflösung zunehmend unwahrscheinlich. Dann gab es die Idee, das alles ein abgekartetes Spiel zwischen Prigoschin und Putin wäre – das erklärt aber nicht die sehr unsouveräne, fast panikartige Reaktion von Putin und der tatsächlich stattfindenden Scharmützel zwischen Wagner und russischer Armee, Nationalgarde, und was da sonst noch am Start ist. Wenn man sich anschaut, wie schnell die Wagner-Truppen quasi ohne Widerstand gen Moskau vorgestoßen sind, fragt man sich schon, ob Putin wirklich daran interessiert sein kann, zu illustrieren, wie schutzlos sein Land im Moment durch die Konzentration der kämpfenden Truppe in der Ukraine wirklich ist. Vor allem, weil er ja nicht müde wird zu behaupten, dass die NATO quasi demnächst in Russland einmarschieren wird. Eine Verfeinerung der alles-abgesprochen-Theorie ist, dass Putin unauffällig eine schlagkräftige Truppe nach Weißrussland verlegen wollte, um dort die Front im Norden wiederzueröffnen. Diese Hypothese erscheint mir eher abwegig, denn 30000 Mann sind jetzt von der Schlagkraft her eher übersichtlich, zumal sie ja schwere gepanzerte Waffensysteme brauchen würden – und deren Transport ist kaum geheimzuhalten und nach jetzigem Erkenntnisstand (noch?) nicht erfolgt.

Die ganze Aktion hat die russischen Truppen in der Ukraine ja auch durchaus geschwächt, die Wagner-Söldner sind ja durchaus kampferfahren und wären vor Ort sicherlich wertvoll bei Verteidigung und Gegenangriff gewesen. Es könnte aber sein, dass die russische Strategie tatsächlich schon – wie Prigoschin die letzten Monate ja nicht müde wurde zu behaupten – eine Art Aushungern der Wagner-Truppe durch schleppende Material- und Munitionsversorgung war mit dem Ziel, die Wagner-Kämpfer langfristig in die russische Armee zu überführen oder alternativ aus dem Spiel zu nehmen, ironischerweise vielleicht sogar wegen befürchteter Putschgefahr. Wenn Prigoschin das so gesehen hat, wäre es gut denkbar und plausibel, dass er den – so er denn stattgefunden hat, die russische Armeeführung bestreitet das ja vehement – Angriff russischer Einheiten auf ein Wagner-Camp zum Anlass für einen Befreiungsschlag genommen hat. Lieber mit einem Knall gehen und noch ein paar Feinde mitnehmen, als dem langsamen Siechtum beizuwohnen. Dass er die Wagner-Truppen nicht bis zum bitteren Ende gegen russische Einheiten kämpfen lässt, passt auch gut zu Prigoschins vermutetem Mindset: kein Blut von Russen vergießen. Und vielleicht waren seine Erzfeinde Schoigu und Gerassimov wirklich das Ziel dieser Aktion, und nachdem deren Eliminierung kurzfristig nicht erreichbar war, sollte der Marsch auf Moskau eben nicht im großen Bürgerkrieg enden – auch das passt zu Prigoschin und seinen kolportierten Ansichten.

Interessant ist auf jeden Fall, dass jetzt plötzlich wieder Lukaschenko im Spiel auftaucht, der ja eigentlich seit seiner Ablehnung einer aktiveren Rolle Weißrusslands im Krieg gegen die Ukraine mehr oder weniger unbeteiligt an der Seitenlinie steht. Seine Vermittlerrolle kam für mich doch eher überraschend, aber aus Putins Sicht vermutlich willkommen – sehr lange hat Putin ja die Eskapaden von Prigoschin gedeckt und die Wagner-Truppen auch dringend gebraucht, sei es in Syrien, Mali oder in der Ukraine. Wagner konnte dahin gehen, wo die russische Armee nicht eingreifen konnte oder sollte. Vermutlich hat deshalb Putin seinen großen Worten bezüglich der Behandlung der Verräter da keine Taten folgen lassen, weil er nach der ersten Panik erkannt hat, dass ein Deal mit Prigoschin auf lange Sicht die bessere Idee ist.

Ist Putin nun angeschlagen? Götterdämmerung in Russland? Bröckelt der Koloss auf den tönernen Füßen? Hilft all das der Ukraine? Man weiß es nicht. Es bleibt viel Raum für Phantasie. Für mich ist besonders interessant zu beobachten, ob Prigoschin weiterhin die Öffentlichkeit mit seiner doch recht drastischen Kritik vor allem an der russischen Armeeführung suchen wird, und wie lange er in Weißrussland überlebt – Profi-Tipp: am besten immer im Erdgeschoss aufhalten. Und was mit den ganzen Wagner-Söldnern nun eigentlich passiert. Zumal Wagner ja auch noch andere Geschäftsbereiche hat als “wir führen Krieg für Wladimir”, aber letztlich zu großen Teilen von Staatsaufträgen gelebt hat. Da wird sich aber sicher ein Oligarch von Putins Gnaden finden, der sich da großzügig opfert um den Geschäftsbetrieb weiterzuführen.