Anleitung zum Klimaschutz

Seit Beginn der freitäglichen Schulstreiks der “Fridays for Future”-Bewegung vergeht kein Tag ohne mediale Begleitmusik. Da ich immer vom Guten im Menschen ausgehe und selbstverständlich glaube, dass die Teilnehmer an den Demonstrationen, die sicherlich nur zufällig auf die Schulzeit und nicht etwa aufs Wochenende fallen und bestimmt auch nur zufällig nicht unter Durchsetzung der aktuellen Gesetzeslage (Schulpflicht!) leiden – warum würde sich ein Politiker auch unbeliebt machen wollen und auf den Rechtsstaat pochen, wo es doch um “die gute Sache” geht – im höchsten Maße daran interessiert sind, ihre Klimabilanz zur Rettung der Erde seriös zu…

OK, der Satz ist viel zu lang und kompliziert. Nochmal. Kürzer. Zielgruppe junge Menschen. Kurze Aufmerksamkeitsspanne.

Liebe Fridays-For-Future-Kids: hier eine Liste der Dinge, die Ihr selbst in Eurem Leben sofort umsetzen könnt, um das Klima zu retten. Es geht um die Erde! Die Zukunft! Also um alles!

Vermeidet Mobilität. Nur “eher mal die Öffentlichen nehmen” oder “mehr mit dem Fahrrad statt mit dem Auto” hilft kaum weiter, denn auch Bus und Bahn sind CO2-Sünder, und sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad stößt man durch Atmung unnütz CO2 aus. Deshalb: zuhause bleiben! Elektroautos lösen das Problem nicht, da steht der Auspuff nur woanders, und ihre Produktion ist viel zu energieintensiv.

Schluss mit Urlaubsreisen. Erholen (von was eigentlich?) kann man sich auch zuhause. Die CO2-Bilanz vor allem von Fernreisen ist katastrophal. Nicht nur durch das Verkehrsmittel Flugzeug – das ist bei Vollbesetzung eigentlich nicht schlechter pro km als der durchschnittliche ICE – auch das Vorhalten von Infrastruktur in den Zielländern ist ein Klimakiller. Bleibt zuhause, dann können sich die Menschen der heutigen beliebten Touristenziele endlich produktiveren Aufgaben widmen als Euch zu Diensten zu sein.

Internetnutzung ist CO2-intensiv. Maximal 1h pro Tag darf das Netz genutzt werden, alles andere kostet viel zu viel Strom. Auf keinen Fall Videos streamen, das ist absurd energieaufwändig.

Überhaupt: Geräte zur Internetnutzung sind geradezu Klimakiller, vor allem das jeweils neueste Smartphone braucht zudem auch noch wertvolle Rohstoffe, die in Ländern der dritten Welt unter Ausbeutung auch von Kinderarbeit unter katastrophalen Arbeitsbedingungen ausgebeutet werden. Nachhaltigkeit sieht anders aus! Die Nutzungsdauer eines Smartphones beträgt Minimum 5 Jahre – soviel Verzicht sollte einem die Rettung der Welt doch wert sein.

Passt Euren Tagesrhythmus an die Sonne an. Aufstehen bei Sonnenaufgang, ins Bett bei Sonnenuntergang. So braucht Ihr kein künstliches Licht, das nur unnötig Strom verbraucht. Fernsehen liegt aus Klimaschutzgründen sowieso nicht mehr drin.

Ein eigenes Zimmer – oder womöglich gar eine eigene Wohnung! – ist Luxus. Eine normale vierköpfige Familie kann problemlos auf 40 Quadratmeter Wohnraum zusammen wohnen. Das vermeidet CO2-intensive Bautätigkeiten und senkt Licht- und Raumwärmebedarf auf das unbedingt notwendige Maß. Auch bei der Heizung muss gespart werden: mehr als 18 Grad ist wirklich unnötig, der selbstgestrickte Pulli gibt genug Wärme. Und zusammen mit dem Rest der Familie kann man gemeinsam in der guten Stube sitzend endlich auch an verbesserter Kommunikation arbeiten und zusammen ein spannendes Brettspiel spielen.

Kleidung ist unglaublich energieintensiv sowohl bei Herstellung als auch beim Transport. Dazu die unwürdigen Produktionsbedingungen in den Sweat-Shops in Asien und Afrika. Was nützen einem zehn Shirts, fünf Hosen und sieben Paar Schuhe? Kann man doch eh nicht alle gleichzeitig anziehen. Also: Verzicht ist angesagt. Der aktuellen Mode folgen doch eh nur schwache Charaktere.

Das als kleine Vorschlagsliste. Nur, damit ich nächstes Mal in Interviews mit der demonstrierenden Jugend nicht wieder ebenso halbherzige wie hilflose Alibivorschläge wie “mehr regionales Gemüse” oder “Plastiktüten vermeiden” lesen muss, was nachweislich der Klimabilanz überhaupt nicht hilft.

Also, frisch ans Werk! Aber es gäbe natürlich eine andere Alternative: Kohle, Gas und Öl ersetzen durch saubere Kernenergie. Dann müsste man die obige Verzichtsliste nicht penibel befolgen, sondern könnte den heute selbstverständlichen Komfort und Luxus einfach beibehalten. Die Franzosen und Schweizer machen es bereits vor.

Sozialpolitik nach Art der SPD

Kurz vor der Europawahl – sicher nur ein zeitlich rein zufälliges Zusammentreffen von Ereignissen – hat Hubertus Heil die neueste Idee der SPD für “mehr Gerechtigkeit” vorgestellt: die “Respektrente”. Ein Rentenzuschuss, der an langjährig Rentenversicherte ausgezahlt werden soll. Respekt für deren Lebensleistung, wie es heißt.

Verschiedene verkündete Eckpunkte dieses “Konzepts” lassen mich ratlos zurück. Beispielsweise, dass es keinerlei Bedürftigkeitsprüfung geben soll. Das maximiert Mitnahmeeffekte und verhindert zielgenaue Unterstützung der wirklich Bedürftigen – wie kann das eine gute Idee sein?

Dann das Festmachen an den Beitragsjahren. Mindestens 35 sollen es sein. Warum nicht 39? Oder 27? Warum keine Berücksichtigung der geleisteten Arbeitsstunden, sondern der Beitragsjahre? Ist also 35 Jahre Minimalbeschäftigung laut SPD eine höhere Lebensleistung und verdient höheren Respekt als 34 Jahre Vollzeitbeschäftigung? Selbständige Arbeit hingegen verdient gar keinen Respekt? Und wessen Respekt überhaupt?

Dann die Finanzierungsideen – Griff in die Sozialkassen, also klassisches Linke-Tasche-Rechte-Tasche. Dazu die Verwendung der Einnahmen aus der Finanztransaktionssteuer, die doch eigentlich die erste EU-Steuer werden sollte – keine Ahnung, wie die SPD diese Steuereinnahmen, die ja noch nicht mal existieren, für ihre Zwecke abgreifen will.

Sehr amüsant auch die Erfolgsmeldung, dass sich Hubertus Heil bereits mit dem Finanzminister abgestimmt hat. Der heißt Scholz und ist auch von der SPD – Wahnsinn, zwei SPDler haben sich abgestimmt und Einigkeit erzielt. Zweifellos ein politischer Durchbruch. Wobei beim derzeitigen Zustand der SPD die Einigung zwischen zwei Genossen vielleicht tatsächlich schon als Erfolg gelten muss.

Es ist schlicht abenteuerlich, was sich die Genossen da auf ihrem Weg in Richtung 5%-Hürde ausgedacht haben. Wie man auch nur entfernt davon ausgehen kann, dass das Stammwähler zufriedenstellt und ehemalige Wähler wieder zur SPD bringt – es ist mir ein Rätsel. Respekt vor dem Steuer- und Beitragszahler ist es jedenfalls nicht, was die SPD-Idee der Ausgestaltung dieser “Respekt-Rente” auszeichnet.

Kleine Nachhilfe für die SPD: Umverteilung in Richtung der “kleinen Leute” war mal eure Kernkompetenz. Bei einem Konzept, das den Namen “Respektrente” auch aus sozialdemokratischer Sicht verdient, würde ich folgendes vorschlagen: Einführung eines “Arbeitsstundenkoeffizienten”, um einigermaßen gerecht die geleistete Arbeit von Geringverdienern messenderweise vergleichen zu können. Zuschuss zur Rentenzahlung proportional zu dieser Metrik, und zwar nachdem die Rente mindestens auf Hartz IV-Niveau angehoben wurde. Zur Finanzierung eine Verschärfung der Einkommensteuerprogression mit einem Spitzensteuersatz von vielleicht 48% ab 200000€ zu versteuerndem Jahreseinkommen. Also rein steuerfinanziert. Weil soziale Gerechtigkeit nicht von den Beitragszahlern kommen darf, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein muss.

Natürlich wäre das nur ein sinnvolles Konzept aus der linken Sicht der Umverteiler, aus einem sehr eingeschränkten Verständnis von “sozialer Gerechtigkeit”. Wirklich sinnvolle sozialpolitische Vorschläge habe ich hier vor einiger Zeit aufgeschrieben. Die Hoffnung, dass noch Reste von gesundem Menschenverstand in der Politik zu finden sind, die solche Vorschläge umzusetzen gewillt wären, schwindet allerdings von Tag zu Tag.

Ganz einfach und nachvollziehbar gerecht – und auf jeden Fall gerechter als das jetzt vorgestellte SPD-Konzept – wäre eine Rückbesinnung auf die Grundsätze der Marktwirtschaft und der Rentenversicherung. Lebensleistung wird in Lohn und Gehalt gemessen, Einzahlung in die Rentenversicherung erwirbt proportional Rentenansprüche. Eine Lebensarbeitszeit von 51 Jahren für einfache (und damit sozialversicherungspflichtige) Tätigkeiten sollte “normal” sein, sofern keine Kindererziehungszeiten anfallen. Auch ein Universitätsabschluss – dem hoffentlich keine einfache, schlecht bezahlte Vollzeittätigkeit folgt – erlaubt noch 45 Beitragsjahre. Zeiten der Arbeitslosigkeit und der Arbeitssuche können gerne angerechnet werden. Und schon wird sich herausstellen, dass jene, die gerne von “ein Leben lang gearbeitet” reden, einen sehr dehnbaren Begriff von “Arbeit” haben. Weder Steuerzahler noch Beitragszahler sollten für individuelle Fehlentscheidungen in der Lebensplanung Einzelner in Haftung genommen werden. Herstellung von sozialer Grundabsicherung über den Umweg der Rentenversicherung ist abzulehnen.

Über die EU und Europa

Im Aufgalopp zur Europawahl (warum eigentlich nicht “Wahl zum EU-Parlament”? Diese ständige Vermischung der Begrifflichkeiten “EU” und “Europa” ist höchst irritierend) kurz vor Annahmeschluss noch ein paar unsortierte Gedanken.

Medial ist die Begleitmusik wieder höchst eindimensional. Vor allem im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen ist die Berichterstattung frei von kritischen Tönen zum Thema “EU”. Dabei gäbe es wahrlich genügend Anknüpfungspunkte.

Beispielsweise die insgesamt merkwürdige Konstruktion mit EU-Kommission, Europarat und Europaparlament. Ein Parlament ohne Möglichkeit zur Gesetzesinitiative? Ein Parlament ohne das “Königsrecht”, die Abstimmung über Budgetfragen? Wild zusammengewürfelte Fraktionen? Ausschließlich Listenwahl und keine Persönlichkeitswahl? Merkwürdige Stimmgewichtung, die einem Wähler auf Malta ein deutlich höheres Stimmgewicht gibt als einem Wähler in Deutschland? Die EU macht es möglich. Alle typischen Kriterien, die ein Parlament in einer parlamentarischen Demokratie normalerweise so auszeichnet – hier werden sie weit verfehlt.

Dann das merkwürdige Konzept des “Spitzenkandidaten”. Der ist zwar für die Wahl zum Parlament aufgestellt, soll aber dann doch Präsident der EU-Kommission werden, also einer gänzlich anderen Veranstaltung. Das Parlament schlägt aber den Präsidenten gar nicht vor, der wird von den Regierungen der Mitgliedsstaaten ausgekungelt und darf dann vom Parlament abgenickt werden. Absurd.

Dann die aus meiner Sicht entscheidende Frage der Subsidiarität. Es gibt starke Kräfte in der EU, die eine immer engere EU favorisieren, immer mehr Regulierung EU-weit durchsetzen wollen, für eine stärkere Integration bis hin zu Militär, Außenpolitik und Steuern. Natürlich ohne entsprechende Anpassung der Rahmenbedingungen.

Die Frage “von der Einstimmigkeit zu mehr Mehrheitsbeschlüssen” hat auch in der Diskussion im Vorfeld der Wahl eigentlich keine Rolle gespielt, obwohl das doch von zentraler Bedeutung sein sollte. Welche Partei steht hier für was? Es wurde nicht berichtet.

Fragen der Migration und der Wirtschaftsflüchtlinge – vermutlich DAS zentrale Thema der letzten drei Jahre – wurden ebenfalls bestenfalls am Rande behandelt. Vermutlich, um “den rechtsradikalen Parteien keine Munition zu liefern”. Ein gutes Beispiel, warum die heutige mediale Berichterstattung so verabscheuungswürdig ist. Die Fortsetzung des Nannystaates und der Volkserziehung wie damals im seligen Sozialismus.

Versöhnlich stimmen könnte mich, wenn die EU den scheinbar sehnlichsten Wunsch vieler Deutscher ernst nehmen würde und eine Höchstgrenze des Pro-Kopf-CO2-Ausstoßes festlegen würde und gleichzeitig – wenn schon Regulierung, dann richtig – vorschreiben würde, dass das durch verstärkten Einsatz der Kernenergie zu geschehen habe. Also ähnlich der jetzigen Festlegung auf Elektroautos als Lösung aller Verkehrsprobleme. Vermutlich die einzige Möglichkeit, das deutsche Wahlvolk von seiner kollektiven EU-Besoffenheit nachhaltig zu kurieren.

Mit welchen Fragen man sich – auch medial – hauptsächlich beschäftigt, wird unter anderem klar, wenn man die 38 Fragen des Wahl-o-mats anschaut. “In allen Mitgliedsstaaten soll eine Lkw-Maut auf Fernstraßen eingeführt werden.” – da fehlt nur noch das Gruselwort “einheitlich” zum perfekten Beispiel für eine Regelung, die ganz bestimmt nicht auf EU-Ebene getroffen werden muss. “In anderen EU-Staaten sollen weiterhin Atomkraftwerke betrieben werden dürfen.” – warum diese Frage auf EU-Ebene überhaupt diskutiert werden sollte, ist völlig unklar. Oder diese: “Für die Besteuerung von Unternehmen soll es einen EU-weiten Mindestsatz geben.” Gruselige Vorstellung, das Ende des Steuerwettbewerbs und ein weiterer Schritt zu einer tieferen Integration – und letztlich auch noch wertlos, weil ein Mindestsatz ja über die tatsächlich fällige Steuer gar nichts aussagt, wie das deutsche Steuerrecht täglich unter Beweis stellt. “Die EU soll sich dafür einsetzen, dass alle Mitgliedsstaaten die gleichgeschlechtliche Ehe einführen.” – warum sollte das EU-weit einheitlich geregelt werden? “Mitgliedsstaaten, die die EU-Regeln zur Begrenzung der Staatsverschuldung verletzen, sollen konsequent bestraft werden.” – um Gottes Willen, lasst die Budgethoheit bei den nationalen Parlamenten, und spart Euch einfach die europäischen Rettungsaktionen – wer sich die Suppe einbrockt, soll sie auch selbst auslöffeln. Und ja, das bedeutet, dass die EZB ganz dringend von ihrer suizidalen Nullzinspolitik nebst Staatsanleihenaufkäufen dringend abrücken muss. Außerdem riecht der Punkt stark nach der inzwischen auch schon üblichen Vermischung zwischen Themen der Eurozone und EU-Themen. Und es lässt vermuten, dass das langfristige Ziel der EU-Oberen und Propagandisten der immer engeren Integration innerhalb der EU der “Euro für alle EU-Mitglieder” ein nicht allzu fernes sein soll. “In allen EU-Mitgliedsstaaten sollen Plastikverpackungen besteuert werden.” – das entscheidet natürlich über Wohl und Wehe des Planeten. Oder ist doch nur “yet another tax” wie die legendäre Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Marine. “Die EU soll sich für die Einführung eines nationalen Mindestlohns in allen Mitgliedsstaaten einsetzen.” – hier ist schon unklar, was denn “einsetzen” heißen soll – eine EU-Richtlinie, oder doch nur eine unverbindliche Quasselrunde im Europaparlament? Klar ist nur: es sollte die EU einen Scheißdreck angehen.

Am Ende erschreckt mich fast jede der 38 Fragen, weil sie meiner Ansicht nach nicht von der EU entschieden werden sollte. Aber ich scheine da eine Minderheit zu sein. Und was ich in dieser Position wählen soll, ist auch völlig unklar. Eigentlich sollte es doch eine liberale Partei geben, die eine lockere EU als Freihandelszone mit Minimierung nichttarifärer Handelshemmnisse UND SONST NICHTS anstrebt. Gibt es aber nicht. Also zumindest nicht in einem Bereich, der ein Wahlergebnis höher als 0,5% erwarten lässt, die LKR könnte eventuell eine solche sein. Allerdings nur dem Namen nach – schaut man die Antworten auf die Wahl-o-mat-Fragen an, ist es auch schnell aus mit der Idee, hier könnte es sich um eine “liberale” Partei handeln. Wie kann man es wagen, sich liberal zu nennen, und gleichzeitig für eine vorrangige Förderung von Bio-Landwirtschaft eintreten? Die Detailbegründung ist sogar noch erschreckender, als das “stimme zu” zunächst den Anschein hat – der geneigte Leser darf durchaus gerne selbst recherchieren. Es ist übrigens durchaus empfehlenswert, sich die Detailbegründungen der einzelnen Parteien anzuschauen, das hat deutlich mehr Aussagekraft als “ja/nein/neutral” und zeigt oft recht genau, wie die jeweilige Partei tickt.

Nichtwählen oder Protestwählen scheinen die einzigen sinnvollen Alternativen zu sein. Eine Schande.

Apropos Wahl-o-mat: ich habe, bevor der Gerichtsentscheid zum Wahl-o-mat erging, das Dingens genutzt und dachte lange, dass das Problem daran sei, warum man denn nur eine maximale Anzahl von acht Parteien miteinander vergleichen kann. Das war aber offenbar gar nicht das Problem, denn der jetzt wieder freigeschaltete Wahl-o-mat hat immer noch dasselbe kreuzdämliche “Feature”. Aus meiner Sicht aber völlig unverständlich – ich will das Ergebnis doch nicht auf einer DIN-A5-Seite ausdrucken können, sondern habe im Browser die “endlose Seite” – warum nicht alle Parteien auf einmal vergleichen? Warum, wenn man schon auswählen muss, eine Höchstgrenze von 8? Warum nicht 6? oder 12? Absurd.

Übrigens – die Berichterstattung zum Wahl-o-mat-Problem erweckte lange den Anschein, dass dort nur insgesamt 8 bestimmte Parteien miteinander verglichen werden konnten und das eine Benachteiligung kleinerer Parteien darstellen würde. Das war natürlich nie der Fall, und nur ein weiteres Beispiel für die äußerst schlampige Berichterstattung unserer Qualitätsmedien.

Das E-Auto-Update – Tesla taumelt

Zuletzt hatte ich im Juli 2017 die “Tage der Entscheidung für Tesla” ausgerufen. Nicht ohne anzumerken, dass es durchaus auch Monate oder auch Jahre sein könnten. Knapp zwei Jahre später ist es also Zeit für eine erneute Bestandsaufnahme nebst Blick in die Glaskugel.

In der Vergangenheit fand ich Teslas Strategie und Vorgehen eigentlich immer recht stringent und einleuchtend, wenn auch nicht zwingend erfolgsversprechend. Seit einiger Zeit sehe ich aber ein eher chaotisches Bild dieser Firma, die sich mit Ankündigung der Model 3 ja auf die Fahnen schrieb, die Elektromobilität massentauglich zu machen, ohne die bis dahin im mittleren Preisbereich üblichen unschönen Einschränkungen bei Reichweite, Preis und Ladezeit. Man wollte für 35000 US$ (netto – deshalb waren viele deutsche Medienberichte, die das kurzerhand in “32000€” umrechneten, ein typisches Beispiel für minderbemittelten Journalismus) ein Mittelklassefahrzeug anbieten – die Klasse von Audi A4, Mercedes C-Klasse und 3er BMW, um mal die angepeilte Premium-Konkurrenz zu nennen – und erntete für diese Ankündigung reichlich kostenpflichtige Reservierungen. So an die 500000 dürften es wohl gewesen sein. Vermutlich eine Zahl, die in den Strategieabteilungen der etablierten Anbieter von konventionell angetriebenen Kraftfahrzeugen durchaus für Betriebsamkeit sorgte.

Dann allerdings begannen die Probleme, und ein aus meiner Sicht merkwürdiges, bisher so nicht gekanntes Hüh-und-Hott in den strategischen Entscheidungen.

Zunächst der völlig überflüssige Nebenkriegsschauplatz mit der amerikanischen Börsenaufsicht aufgrund dämlicher Twitterei von Elon Musk, die diesen letztlich seinen Platz im Verwaltungsrat kosteten und mindestens einen Imageschaden nach sich zog.

Dann die Probleme beim Serienanlauf des Model 3, die eigentlich bis heute nicht behoben sind – der monatliche Fahrzeugausstoß ist jedenfalls immer noch nicht berühmt. Dann die Tatsache, dass noch lange nicht alle Reservierungen aus den USA abgearbeitet sind, aber schon mit der Auslieferung in internationalen Märkten begonnen wurde – vermutlich eng verbunden mit der Tatsache, dass man weiterhin das Basis-Modell für die berühmten 35000US$ nicht kaufen kann. Zumindest nicht mehr Online, sondern nur in den Verkaufszentren. Ja, genau in den Verkaufszentren, die man vor kurzem noch komplett schließen wollte und nur noch auf Online-Verkauf setzen wollte, um die Kosten zu senken bzw. die Marge zu erhöhen.

Die zuletzt veröffentlichten Verkaufszahlen zeigten einen recht konstanten (und meines Erachtens viel zu niedrigen) Output, allerdings mit deutlichen Verschiebungen zugunsten des Model 3. Was für Tesla keine guten Nachrichten sind, da an Model S und Model X weiterhin deutlich mehr pro Stück verdient sein dürfte.

Weltweit ist weiterhin zu beobachten, dass signifikante Verkaufserfolge hauptsächlich dort stattfinden, wo staatliche Subventionen den Preis auf ein erträgliches Maß reduzieren. In den USA wird gerade die staatliche Beihilfe ja deutlich reduziert, was Tesla durch Senkungen des Verkaufspreises kompensieren will – Gift für die Marge.

Derzeit steht der Aktienkurs irgendwo um 240 US$. Gegenüber dem Höchststand von Ende Juni 2017, wo um die 345 US$ aufgerufen wurden, schon ein gewisser Absturz. Aber auch folgerichtig – Mitte 2017 war die Wachstumsstory intakt, es wurde zwar massiv Geld verbrannt, aber eben für das Versprechen kommender Marktdominanz. Diese Wachstumsstory ist aus meiner Sicht heute nicht mehr valide – zu gering die Investitionen in die Zukunft (siehe beispielsweise die Ankündigung des Ausbaustopps der Gigafactory in Nevada), zu groß die Probleme beim Weg zum Massenhersteller, zu gering die Aussichten, gegen die etablierten Hersteller langfristig bestehen zu können. Denn sowohl bei den preiswerteren Elektroautos, sei es von Renault, Nissan, Kia oder Hyundai, als auch bei der eher vergleichbaren Oberklassenriege von Jaguar oder Audi, zeigt sich, dass es eigentlich keinen relevanten technischen Vorsprung von Tesla gibt. Besonders der vielgehypte Autopilot enttäuscht doch angesichts fehlenden Fortschritts in Richtung des echten automatisierten Fahrbetriebs, dazu anscheinend ansteigende Unfallzahlen. Keine guten Nachrichten für Tesla.

Aus meiner Sicht ist der Angriff der Konkurrenz in der Oberklasse – 2019/2020 stehen ja auch noch Porsche und Mercedes in den Startlöchern – deutlich kritischer, denn die neue Konkurrenz trifft auf die schon veralteten Tesla-Modelle S und X, für die Tesla noch nicht mal eine große Modellpflege angekündigt hat. Bei diesen margenstarken Modellen tut potente Konkurrenz doppelt weh. Zumal Tesla im Bereich SUV nichts vernünftiges anzubieten hat – weder das Model X noch das Model Y gehen optisch auch nur annähernd als SUV durch.

Dazu kommt das Problem, dass das vermutlich einzige echte Tesla-Alleinstellungsmerkmal, das weltweite Supercharger-Netzwerk, eben auch nicht von alleine skaliert. Und es ist ein recht kapitalintensives Geschäft, dem Tesla ja dahingehend schon Tribut zollte, dass die Supercharger-Nutzung schon lange nicht mehr für alle Tesla-Besitzer kostenlos ist – beim Model 3 wie von mir erwartet. Langfristig wird man über deutlich erhöhte Ladeleistungen nachdenken müssen, die knapp 150 kW eines Superchargers ziehen die Wurst nicht mehr vom Brot. Will man den Massenmarkt erobern, wird man eher über 1 MW nachdenken müssen, um Ladezeiten entsprechend der bisher gewohnten Tankzeiten anbieten zu können. Das bleibt aus meiner Sicht aber weiter die Achillesferse der E-Mobilität, denn die Alternative zu wenigen extrem leistungsfähigen Ladestationen ist eben, quasi überall, an jeder Straßenlaterne, in jeder Garage, auf jedem Parkplatz, eine einfache Ladesäule aufzustellen.

Und am Ende muss man konstatieren, dass im Bereich Akkutechnologie der Durchbruch weiterhin auf sich warten lässt. Die Preise sind nicht in dem Maße wie prognostiziert gesunken, die Kapazitäten eher evolutionär gestiegen. Das könnte darauf hinweisen, dass Konkurrenztechnik wie Plug-In-Hybride noch lange nicht aus dem Rennen sind. Für viele Fahrprofile reichen 100km rein elektrische Reichweite locker aus, noch einen preiswerten Benzinmotor anflanschen, fertig ist das preiswertere und damit bessere meistens-ein-E-Auto-aber-ohne-das-lästige-Reichweitenproblem.

Wie kann Tesla das Ruder noch herumreißen, um aus der Abwärtsspirale zu entkommen? Weniger Hype, mehr liefern. Existierende Kunden zufrieden machen, Neukunden durch innovative und im wahrsten Sinne des Wortes preiswerte Produkte an Land ziehen. Das erfordert eine Umstellung der Firmenphilosophie vom Konzept des “genialen Führers” hin zu einer seriös wirtschaftenden Firma. Kann ich mir im Moment schwer vorstellen. Ich würde eher auf schleichenden Niedergang mit ein paar letzten Zuckungen wetten. Kann aber Jahre bis Jahrzehnte dauern.

Brexit-Update

Mein letzter ausführlicher Artikel zum Thema Brexit stammt vom Juni 2016 – Zeit für ein Update.

Seither hat sich einiges getan. Ein Austrittsabkommen wurde zwischen Briten und EU verhandelt und vom britischen Unterhaus – wenig überraschend, wenn man sich die Inhalte des Abkommens im Detail anschaut – mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Besonders die Regelungen rund um Nordirland waren derart absurd, dass eine Zustimmung vom Abkommen einer Aufgabe der nationalen Souveränität gleichgekommen wäre. Die Zeichen stehen also momentan auf “No-Deal-Brexit”, sprich dem Austritt der Briten aus der EU ohne spezifisches Austrittsabkommen.

Die Qualitätspresse ist sich weitestgehend einig, dass das zu absolutem Chaos und schweren wirtschaftlichen Problemen auf der Insel führen wird. Ich muss gestehen, dass ich da ganz anderer Meinung bin. Die Außenhandelsbilanz der Briten zeigt, dass relativ wenig in die EU exportiert wird und relativ viel aus EU-Ländern (vor allem Deutschland) importiert wird. Es steht also eher zu befürchten, dass Deutschland härter vom Brexit getroffen wird als die Briten. Auch wichtig zu wissen: “No Deal” bedeutet Rückfall auf die WTO-Regeln im internationalen Handel. Also das, was Deutschland bzw. die EU grob mit USA, Kanada, China, Russland und Japan hat. Da ist jetzt so spontan kein riesiges Problem zu sehen. Ganz im Gegenteil haben die Briten die Chance, ohne die schwerfällige EU deutlich zügiger und unkomplizierter Freihandelsabkommen mit dem Rest der Welt zu schließen und natürlich die alten Commonwealth-Connections wiederzubeleben.

Allerdings setzt dieser Optimismus voraus, dass die Briten zu einer insgesamt pragmatischen, marktwirtschaftlichen und deregulierenden Wirtschaftspolitik zurückkehren. Möglicherweise zu optimistisch gedacht, wenn man das jetzige politische Personal sich anschaut.

Immer wieder wirft die Qualitätspresse die Frage auf, warum ein halbwegs vernünftiger Mensch denn überhaupt aus der EU austreten wollen würde. Meines Erachtens hat der Austrittsprozess der Briten nach der Volksabstimmung sehr viele neue Argumente für einen Austritt geliefert. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, wie schäbig sich die Vertreter der EU bei den Verhandlungen verhalten haben – man schien immer nur darauf bedacht zu sein, an den Briten ein Exempel zu statuieren, schon um anderen EU-Ländern zu signalisieren, dass so ein Austritt gar keine gute Idee ist – bestrafe einen, erziehe alle. Zum Schämen, und ganz klar wider die Interessen der verbleibenden Mitgliedsstaaten. Gleichzeitig ein Armutszeugnis, dass das Gebilde EU offenbar nur durch Zwang und Angst zusammengehalten werden kann.

Witzig fand ich, wie oft betont wurde, dass ein Austrittsabkommen keinesfalls “Rosinenpickerei” sein dürfe – das ist ja nichts anderes als das Eingeständnis, dass die EU voller Regelungen ist, die nicht zum Vorteil (“Rosinen”) seiner Mitgliedsstaaten sind, sondern zum Nachteil. Warum gibt es diese Regelungen dann? Zeit, sie abzuschaffen. Leider hat mit dem Abschied der Briten nun die Regulierungs- und Geldverbrennerfraktion in der EU ein noch deutlicheres Übergewicht bekommen. Ich wage die Prognose, dass auch Deutschland noch zu meinen Lebzeiten die EU verlassen wird, wenn diese sich nicht gravierend reformiert. Dazu wird es aber eine künftige Generation von Politikern geben müssen, die pragmatisch und nicht ideologisch geprägt sind – nun gut, jetzt wo ich es so formuliere, ist meine Prognose wohl eher als vage Hoffnung meinerseits zu verstehen.

Herr Özdemir hielt eine Rede

Ist schon ein paar Tage her, als die Meldung durch die Nachrichten geisterte. Cem Özdemir, unser grüner Lieblingsschwabe, hat eine Auszeichnung erhalten. “Rede des Jahres 2018”, verliehen durch das Rhetorikseminar der Universität Tübingen. Hier ein Bericht des SWR über diesen Sachverhalt. Olaf Kramer, Rhetorik-Professor in Tübingen, sprach von einem “herausragenden Debattenbeitrag” und von “Emotionalität mit starken Argumenten unterbaut”. Als ich zum ersten Mal die Meldung im Radio hörte, wurden auch ein paar Ausschnitte der Rede gesendet. Die fand ich nun ausgesprochen peinlich, von Argumenten keine Spur, es klang eher so nach beleidigtem Kleinkind im Kindergartenstreit. Naja, Medien halt, wahrscheinlich die falschen, dafür plakativen Ausschnitte der Rede gesendet – ich nahm mir vor, die gesamte Rede im Zusammenhang nochmal nachzuhören und -lesen.

Aber: ich bin (mal wieder) zu spät dran. Die fleißigen Blogger von ScienceFiles.org haben den Job schon erledigt, die Rede in ihrer ganzen Tiefe (oder besser: Flachheit) zu analysieren – hier nachzulesen.

Früher, als Wörter noch eine festgelegte und allgemein akzeptierte Bedeutung hatten, wäre die Rede vielleicht mit “Thema verfehlt”, “vollständige Abwesenheit von Argumenten”, “voller wilder Anschuldigungen ohne Begründung”, “außerordentlich schlecht strukturiert” oder “peinliches Rumgeplärre” kommentiert worden. Mir scheint, der Neusprech hat sich endgültig durchgesetzt. Ohne die seltenen Stimmen der Vernunft in den Weiten des Internets müsste man glatt verzweifeln.

Eine solche Rede auszuzeichnen ist äquivalent zu einer Auszeichnung einer reinen Lügengeschichte mit einem Preis für die beste Reportage. Oh stimmt ja. Der Fall Relotius. Ist ja schon passiert. Na ist doch schön, dass die Medien im Gleichklang in den Untergang marschieren. Danke an Claas Relotius, der wie kein anderer die “Fake News” des Jahrzehnts enttarnte: nämlich das der SPIEGEL angeblich eine Recherche- und Dokumentationsabteilung unterhält, die Fakten gegenprüft, bevor ein Artikel erscheint. Haltung ist eben wichtiger als Inhalt. Weiter so. Deutschland schafft sich ab, und der Qualitätsjournalismus geht mit gutem Beispiel voran.

Von Bienen und Hummeln

Wem ist der Fauxpas in der Überschrift direkt aufgefallen? In der Wikipedia ist nachzulesen, dass die Hummel schlicht Gattung aus der Familie der “Echten Bienen” ist. Typisch im Sprachgebrauch (und auch im Sachkundeunterricht in der Grundschule, wenn mich mein Gedächtnis nach dieser langen Zeit nicht trügt) scheint aber zu sein, dass mit der Biene eher nur die klassische Honigbiene gemeint ist (die ihrerseits so klassisch gar nicht ist – dazu später mehr), während die Hummel ähnlich der Hornisse oder der Wespe eher separat gesehen werden – und wieder ein Fauxpas: die Hornisse ist schlicht eine Wespenart. Gar nicht so einfach mit der Biologie und ihrer Systematik, die oft genug ja auch revidiert werden muss, wenn man sich die Genome dieser Viecher mal genauer anschaut.

2018 war ja ähnlich wie schon 2017 voll von Berichten zum Bienensterben, manchmal auch allgemeiner zum Insektensterben. Bemerkenswert fand ich immer die nahezu vollständige Abwesenheit nachvollziehbarer Fakten, insbesondere was denn genau zu den üblicherweise benannten Schuldigen (intensive Landwirtschaft, übermäßiger Pestizideinsatz speziell von Neonicotinoiden und natürlich von Glyphosat, Zersiedelung und Bodenversiegelung, Monokulturen, Klimawandel) an wissenschaftlich aussagekräftigem Material vor allem statistischer Natur zugrunde gelegt wird. Bei näherer Recherche konnte ich nicht mal aussagekräftige Quellen zur Aussage “Rückgang der Insektenanzahl” oder “Rückgang der Artenvielfalt” finden – zu windig die kümmerlichen Versuche, Insektenpopulationen auch nur annähernd quantitativ zu erfassen. In die immer lesenswerte Unstatistik des Monats hat es das Insektensterben gleich zweimal geschafft – August 2017 und Oktober 2017. Aus mickrigen Stichproben lassen sich auch mit noch so kreativer Mathematik nun mal keine validen und seriösen Erkenntnisse ableiten. Rein intuitiv würde ich vermuten, dass es bei der “Bienengesundheit” sehr viele Einflussfaktoren gibt, beispielsweise vor allem das Wetter, das nicht unerheblich andere mögliche Faktoren überlagert oder sogar dominiert. In diesem Zusammenhang könnte der vermutete Klimawandel in Europa mit den damit einhergehenden milderen Wintern sogar ein Segen für die Bienen sein.

Stellt man sich mal ganz dumm, kann man ja mal von Helmut Kohls Weisheit “Wichtig ist, was hinten rauskommt” ausgehen. Würde es einen merklichen Rückgang in der Bienenpopulation geben, müsste es doch anderweitig erfasste Kennzahlen geben, in denen sich das niederschlägt (bzw. wenn es sich nicht niederschlägt – muss es “uns” denn dann überhaupt interessieren?). Ich denke da an landwirtschaftlichen Ertrag, Obst- und Gemüsepreise, Zahl der Bienenvölker, Honigproduktion – irgendwas. Ich habe recht ausführlich recherchiert, und in keiner dieser Kennzahlen etwas Stichhaltiges gefunden, was auch nur annähernd auf ein Problem hinweisen könnte. Gesichert scheint nur zu sein, dass die Honigbiene weltweit genau drei Probleme hat: die Varroamilbe, die Varroamilbe und die Varroamilbe. Dabei handelt es sich um einen vermutlich aus Asien eingeschleppten Parasiten, der vor allem die in Europa verbreiteten Honigbienenarten stark dezimieren kann. Aber selbst dieser Parasit hat es nicht geschafft, bleibenden Eindruck in irgendeiner der genannten Kennzahlen zu hinterlassen. Obwohl es im Moment kein Patentrezept gegen den Befall durch die Varroamilbe gibt, scheint man durch verschiedene Maßnahmen die Seuche ganz gut im Griff zu haben.

Nun gibt es die oft zitierte Hypothese, dass die Honigbiene durch verschiedene “Stressfaktoren” besonders anfällig für den Befall durch die Varroamilbe ist. Klimawandel, Pestizide, Rückgang der Artenvielfalt, Monokulturen, man kann fast sagen die üblichen Verdächtigen aus dem Repertoire der Öko-Verirrten. Ich habe dazu nicht mal einen erhärteten Verdacht gefunden. Insbesondere die Tatsache, dass diverse andere Honigbienenzuchtlinien wie die östliche Honigbiene, die afrikanisierte Honigbiene oder russische Stämme (Primorski-Bienen) eher resistent sind, scheinen der Hypothese zu widersprechen. Ebenso natürlich die Tatsache, dass es über die verschiedenen Regionen hinweg keine Korrelationen zu Klimaänderungen zu geben scheint, die über “Wetter” hinausgehen. Man wird das Problem also besser wissenschaftlich angehen – mal sehen, ob es hier in Zukunft durch Einkreuzungen gelingt, resistente Arten zu züchten. Oder gar durch Einsatz von Gentechnik? Das würde unseren Öko-Verirrten natürlich gar nicht schmecken. Gene! Im Honig! Man kann sich den Aufschrei schon jetzt ausmalen.

In Deutschland gab es übrigens tatsächlich über einige Jahre hinweg einen Rückgang bei der Zahl der Bienenvölker (hier ein interessanter Blogbeitrag eines Stadtimkers, allerdings weist er auch völlig zurecht auf die fragliche Qualität der Statistik der FAO hin, es gibt dazu weitere Beiträge, die nahelegen, dass die Zahlen genauso gut ausgewürfelt sein könnten). Das korrelierte allerdings hervorragend mit dem Rückgang der Imker. Seit die Zahl der Imker wieder steigt, steigt auch wieder die Zahl der Bienenvölker. In den USA, die bei der Industrialisierung der Landwirtschaft schon ein etwas fortgeschritteneres Stadium erreicht haben, sind die Imker übrigens üblicherweise gewöhnliche Dienstleister für die Farmer. Was ja auch irgendwie Sinn ergibt – wenn die Zahl der Bienen über Wohl und Wehe der Menschheit entscheidet (anders kann man Titel wie “Bienensterben – Wann kippt unser Ökosystem endgültig?” im bekanntlich hochseriösen Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen (Sendung “Hart aber fair” von 2017) wohl kaum deuten) – wie könnte man dann die Bienenhaltung und -zucht ein paar Hobby-Imkern überlassen? Auch das scheint mir ein Hinweis zu sein, dass es die behauptete Dramatik der Situation nicht ansatzweise gibt.

Ein interessanter Punkt bei den Bienen ist der Vergleich Honigbiene gegen Wildbiene. Die Honigbiene ist ja eine optimierte Züchtung, um Nektarsammelleistung, Bestäubungsleistung, Robustheit und Größe des Bienenvolkes zu optimieren. Zu den Wildbienen wiederum gehört beispielsweise die Hummel. Hier interessant: entgegen dem Eindruck, den der Volksmund mit der “fleißigen Biene” erweckt, ist die Hummel ein viel effizienterer Bestäuber – die Hummel fängt morgens früher an, hört abends später auf, ist schneller von Blüte zu Blüte unterwegs, kann schon ab 2 Grad Außentemperatur zum Bestäubungsflug aufbrechen (die Honigbiene startet erst so bei 10-12 Grad) und ist viel unempfindlicher gegen schlechtes Wetter. Zudem gibt es Blüten, die aufgrund ihrer Struktur nur durch die langrüsseligen Hummelarten bestäubt werden können. Ja, es gibt eine Menge Details zu wissen bei dieser ganzen Problematik…inzwischen werden spezielle Zuchthummelvölker, meist Abkömmlinge der Dunklen Erdhummel, für Bestäubungszwecke vor allem in Gewächshäusern eingesetzt. Weil die Hummel halt bestäubungstechnisch die bessere Honigbiene ist. Nur für die Honigproduktion taugt sie natürlich nicht.

Amüsantes Detail am Rande: das im Biolandbau besonders gerne eingesetzte Pestizid Kupfersulfat (ist ja irgendwie “natürlich” und deshalb aus mir unerfindlichen Gründen trotz erwiesener Schädlichkeit für allerlei Lebewesen inklusive Menschen im Biolandbau zulässig) gilt als besonders bienenschädlich. Ein klassisches Eigentor, das bevorzugt dann fällt, wenn Ideologie über Fakten steht.

Und ein weiteres Detail: sollten tatsächlich Monokulturen das Problem sein, empfehle ich den sofortigen Stopp des Biomasseanbaus zum Zwecke der Rettung unseres Klimas. Die “Vermaisung der Landschaft” scheint mir ein relativ naheliegender Grund für einen eventuellen Rückgang bei Wildbienenarten und anderen Insekten zu sein. Laut dieser Quelle dienten bereits 2010 ganze 18% der Ackerfläche dem Biomasseanbau. Man stelle sich vor, welches Natur- und damit Insektenparadies Deutschland wäre, wenn diese 18 Prozent renaturierte Flächen wären. Und wenn man dann noch den Biolandbau zugunsten des viel weniger flächenintensiven konventionellen Landbau aufgeben würde (je nach Quelle ist der Hektarertrag von Biolandbau nur etwa halb so groß wie beim konventionellen Landbau – diesen extremen Flächennachteil kann die teils artenvielfaltschonendere extensive Landwirtschaft nicht kompensieren)…aber nicht vergessen: nicht zu viel renaturieren, denn wenn man in Deutschland eine nahezu beliebige Fläche Natur sich selbst überlässt, steht dort nach spätestens 50 Jahren nur Wald. Wald ist aber ein vergleichsweise artenarmer Naturraum, und für unsere Bienchen blüht dort entschieden zu wenig.

Um mal plakativ einen Strich drunter zu formulieren: Pseudo-Umweltschutz in Form von Biolandbau und Biomasse-Produktion ist der Biene wahrer Todfeind. Damit gilt weiterhin die alte Weisheit: gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.

Als positiven Fingerzeig für unsere Zukunft nehme ich mal mit, dass es sich beim Bienensterben, sollte es in nennenswertem Umfang existieren, wenigstens um ein potenziell seriöses Problem handelt, auch wenn man politisch zumindest in Deutschland nicht gewillt scheint, daraus die naheliegenden Konsequenzen zu ziehen, sondern eher als Thema nutzt, um auf die alten Feindbilder einzuprügeln. Auf alle Fälle wären hier Lösungen sinnvoller als für Pseudoprobleme wie CO2-Ausstoß, Spuren von Feinstaub oder Tod durch Stickoxide.

Wer ein paar Informationen und Meinungen jenseits des Mainstreams “wir werden alle sterben” lesen will, kann einen interessanten Artikel von Georg Keckl hier nachlesen. Wie überhaupt zu biologischen und agrarischen Themen die Homepage von Georg Keckl oft interessante Artikel bietet. Der Mainstream wird eher von Filmen wie “Silence Of The Bees” und “More Than Honey” (oft irrtümlicherweise in der Rubrik “Dokumentarfilm” verortet, sind es maximal Dokumentationen über clevere Propagandatricks von ähnlichem Kaliber wie die beliebten Schülerquäl- und -desinformationswerke “Silent Spring”, “Super Size Me”, “An Inconvenient Truth”, “Bowling For Columbine” oder “Limits Of Growth”) repräsentiert. Einer näheren Betrachtung halten solche Machwerke nie stand, dazu sind die Fakten, die unzweifelhaft in homöopathischen Dosen durchaus vorkommen, zu einseitig dargestellt und durch geschickte Auslassung und fehlende Differenzierung bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Propaganda eben.

Der falsche Film

Immer häufiger komme ich mir vor wie im falschen Film. Es wird über Randprobleme berichtet und diese zum Weltproblem hochstilisiert. Es wird über politische Entscheidungen berichtet, die keine andere Zielrichtung mehr zu kennen scheinen als die Einschränkung der persönlichen Freiheit, oft unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Es ist zum Verzweifeln.

Wahllos herausgegriffen ein paar Themen der letzten Tage.

Von Julia Klöckner, unser aller Ernährungs- und Verbraucherschutzministerin, wird berichtet, dass demnächst der große Durchbruch bei der Sicherstellung der gesunden Ernährung der Bevölkerung bevorsteht. Natürlich steckt wieder staatliche Regulierungsabsicht dahinter, weil man ja auf keinen Fall so ein entscheidendes Thema wie “Essen” der freien Entscheidung des Einzelnen überlassen kann. Nein, man muss haarklein der Industrie vorschreiben, was wo und wie in Fertiggerichten landen darf. Wie alle wissen, sind Zucker, Fett und Salz des Teufels und müssen dringend im Zaum gehalten werden. Auch die teuflischen zuckerhaltigen nichtalkoholischen Getränke werden zukünftig rund 15% weniger Zucker enthalten müssen. Wie genau in Zukunft verhindert werden soll, dass der Bürger beim Selbstkochen unerlaubte Zutaten verwendet – vermutlich bekommt jeder seine staatliche Nanny zugeteilt, oder das Haus wird kameraüberwacht. Bezugsscheine für eine gewisse maximale Anzahl von Kalorien im Monat scheinen auch schon in Reichweite – wo kämen wir hin, wenn hier jeder macht was er will? Wer bisher dachte, die angedachte Lebensmittelampel wäre der Gipfel des denkbaren Unsinns, muss bereits jetzt umdenken.

Gäbe es noch Reste von gesundem Menschenverstand, man würde einfach alle Inhaltsstoffe in allen Nahrungsmitteln präzise auflisten und dem mündigen Bürger die Entscheidung überlassen. Bei etwas so Simplem wie der Einführung einer Impfpflicht, wo Uneinsichtige Leib und Leben der Schwächsten unserer Gesellschaft einfach aus Jux und Dollerei durch Impfverweigerung gefährden, sieht man verfassungsrechtliche Probleme wegen des Eingriffs in die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen. Bei der Ernährung scheint es solche Bedenken nicht zu geben, obwohl hier von Fehlentscheidungen des Einzelnen keinerlei Gefährdung von anderen ausgeht.

Die Tabakindustrie soll verpflichtet werden, eine neue Abgabe zu leisten, mit der beispielsweise die Reinigung von Straßen und Plätzen finanziert werden soll. Weil Zigaretten ja “Einwegwaren” sind, und diese Vermüllung der Umwelt damit die Schuld des Produzenten ist. Die Konsumenten hingegen sind ja quasi gezwungen, die Kippen irgendwo in die Landschaft zu werfen, Alternativen scheint es nicht zu geben. Die Idee ist ungefähr intellektuell auf einem Niveau, einem Kettensägenhersteller die Abholzung des tropischen Regenwalds zur Last zu legen (ironischerweise gab es das auch schon – im Bereich der Pseudo-Umweltschützer gibt es eben besonders viele intellektuell herausgeforderte und eher einfach strukturierte Menschen).

Gäbe es noch Vernunft in der Politik, man würde einfach das Wegwerfen von Müll (und damit auch von Zigarettenkippen) mit empfindlichen Strafen belegen, und das Problem hätte sich ganz einfach nach dem Verursacherprinzip erledigt.

Die EU hat neue CO2-Grenzwerte für PKWs beschlossen. Mal eben eine reale Verbrauchsreduzierung gegenüber den für 2021 verbindlichen Grenzwerten (die auch schon eher ambitioniert sind) von schlappen 37,5% peilt man für 2030 an. Flottenverbrauch versteht sich, wehe also dem Hersteller, dessen Kunden sich vermehrt für große, schwere,leistungsstarke Fahrzeuge entscheiden. Und gut für die Hersteller, die ihre Kunden für mehr Elektroautos begeistern können, denn das E-Auto wird natürlich als CO2-frei geführt – der Auspuff steht schließlich woanders. Natürlich jammert die Automobilindustrie darüber, wer lässt sich schon gerne Firmenstrategie und Modellpolitik von der Politik vorschreiben – aber bezahlen wird es selbstverständlich der Endkunde. Den preiswerten, nicht ins Letzte verbrauchsoptimierten kleinen Benziner für den Wenigfahrer, der aber trotzdem uneingeschränkt langstreckentauglich ist für den Fall der Fälle, den wird es schlicht nicht mehr geben. Der PKW, die individuelle Mobilität, wird zum Luxusgut werden – etwas, das die Pseudo-Umweltschützer von den Grünen ja schon seit Jahrzehnten planen (siehe auch “5 Mark für den Liter Benzin” – man hat daraus gelernt und geht nun viel subtiler vor). Der ÖPNV wird mangels Konkurrenz dann noch schlechter und teurer werden, falls das überhaupt noch möglich ist. Naja, vielleicht bleiben die Oldtimer von der Regulierungswut vorübergehend noch verschont, dann könnten wir uns es in einem “kubanischen Szenario” noch mit einer gewissen Restgemütlichkeit einrichten. Und die wenigen verbliebenen Wohlhabenden werden sich freuen, wenn der Pöbel nicht mehr die Straßen verstopft.

Würde jemand halbwegs Intelligentes auch nur fünf Minuten darüber nachdenken, würde man schlicht den Treibstoff nach seiner CO2-Intensität besteuern und dem Markt die Entscheidung und Optimierung überlassen. Wer viel fährt, würde viel bezahlen müssen. Wer wenig fährt, wenig. Wer viel fährt, würde in Hochtechnologie zur Verbrauchsreduzierung investieren, weil es sich lohnt. Wer wenig fährt, müsste nicht unsinnig Geld für nutzlose Technologie ausgeben, die dann ineffizient in der Gegend rumsteht. Und wer ordentlich Gas gibt, würde auch ordentlich zur Kasse gebeten werden. Wir hätten einen echten Wettstreit der Technologien – Benziner, Diesel, Autogas, Erdgas, Biotreibstoffe, elektrisch betriebene Fahrzeuge, oder Hybride aus verschiedenen Technologien – nur regulierungswütige, besonders dumme Politiker glauben schon heute zu wissen, welche Technologie die “beste” (für wen? Für welches Ziel?) sein wird.

Gäbe es noch Restintelligenz bei den Wahlbürgern, man würde dieses Politikerpack einfach zum Teufel jagen. Was uns in den letzten dreißig Jahren schon alles unter dem Deckmantel von Umwelt- und Gesundheitsschutz verkauft wurde, ist eine lange und trauriger Aneinanderreihung von sinnlosen und teils kontraproduktiven Verboten, Subventionen und Regulierungen. Der alte Spruch von Ronald Reagan über die drei Phasen des staatlichen Handelns, nie war er aktueller: “If it moves, tax it. If it keeps moving, regulate it. If it stops moving, subsidize it.”

Ich kann kaum ausdrücken, wie sehr mich dieser Nannystaat anwidert. Ich kann nur hoffen, dass sich der Rest der Welt diesem Irrsinn noch zumindest während meiner Lebzeiten widersetzt, so dass es noch valide Auswanderungsziele gibt. Wenn bis dahin Auswanderung überhaupt noch zugelassen wird. Mit Mauerbau haben wir ja auch reichlich Erfahrung, und die Geschwindigkeit staatlicher Freiheitsbeschränkungen lässt nicht ausschließen, dass man das alsbald für eine gute Idee halten wird.

Gedanken zum Klima

Es ist mal wieder Klimakonferenz, und die Gazetten sind voll mit Berichten, Prognosen und Horrormeldungen rund um die kommende (oder schon im vollen Gange sich befindliche) Klimakatastrophe. Zeit, mal ein paar Nägel zum Thema reinzuhauen. Denn die alarmistische Fraktion der Klimawandelgläubigen hat ihre tollen Tage. Anno 2017 habe ich mich in leicht anderem Kontext schon einmal dazu geäußert, an der Sachlage hat sich eigentlich nichts geändert. Auch dieser Artikel von Peter Heller hat an Aktualität nichts eingebüßt.

Bevor ich starte – meine eigene Position ist die des “Lukewarmers” auf der Skeptikerseite. Im Detail: skeptisch ob der angekündigten Katastrophe, sicher ob der strahlenphysikalischen Eigenschaften von CO2, skeptisch ob des Outputs der Klimamodelle, skeptisch ob der Genauigkeit derzeitiger und vergangener Messungen der Temperaturen, skeptisch ob der kommenden Mehrkosten aufgrund des menschengemachten Klimawandels, skeptisch ob der Höhe des menschlichen Beitrags zur Klimaerwärmung, verzweifelt ob der medialen Darstellung des Stands der Wissenschaft.

Meine eigene “Klimareise” begann Mitte der 1990er mit einem Workshop im Rahmen meines Energietechnik-Nebenfachstudiums unter dem Oberthema “Derzeitige und zukünftige Energieversorgung und Umweltbelastung in der BRD” – jeder Student bereitete eine ausführliche Präsentation zu einem bestimmten Teilthema vor, meines war “Treibhausproblematik und CO2”. Weil ich das Thema recht spannend fand, las ich damals den kompletten IPCC-Bericht von 1995 (“Second Assessment Report”) durch. Drei große Wälzer (ja! In echt gedruckt!) mit zusammen wenn ich mich recht erinnere über 2000 Seiten.

Aus meiner Sicht hat sich auf der wissenschaftlichen Seite seit damals nicht viel Fortschritt ergeben. Man hat eine Menge Aufwand in die ständige Verfeinerung diverser Klimamodelle gesteckt, die aber leider qualitativ immer noch unter aller Sau sind – und weiterhin einer sauberen Validierung und Verifikation harren, ein für mich als Softwareentwickler unbegreiflicher Vorgang. Ebenso unbegreiflich, dass es immer noch unzählige gefrickelte Modelle gibt, deren Output sich munter widerspricht, und keiner versucht mal, weltweit die besten Köpfe zusammenzustecken und mit höchster Qualität ein verifizier- und validierbares Modell zu bauen. Wir reden hier doch über das angeblich größte Problem der Menschheit, und wenn man entscheiden will, welche Maßnahmen zu treffen sind, braucht man zwingend ein brauchbares Vorhersagemodell, was diese Maßnahmen denn bringen im Vergleich zu ihren Kosten. Und man sollte ein auf regionaler Ebene einigermaßen präzises Modell haben, denn die Klimaerwärmung bringt ja nicht nur potenziell Nachteile, sondern auch Vorteile, und die müssen abgewogen werden.

Was weiß man denn heute mit Sicherheit (Vorsicht: diverse Die-Hard-Skeptiker werden auch das, was ich jetzt als “sicher” bezeichne, rundweg verneinen – deshalb werden auch gerne diese unwissenschaftlichen Die-Hard-Skeptiker zitiert, um alle nicht-Alarmisten zu diskreditieren. “Guilt by association” ist so ein typischer Argumentationsstrohmann, der die Diskussionen oft so unerquicklich macht)?

  • CO2 ist ein Treibhausgas.
  • Die menschengemachten CO2-Emissionen sind weit überwiegend für die Erhöhung der CO2-Konzentration der Atmosphäre verantwortlich.
  • Die strahlenphysikalische Wirkung von CO2 ist geklärt
  • Eine Verdoppelung der CO2-Konzentration der Atmosphäre erhöht die Durchschnittstemperatur der Erde um etwa 0,8 Grad.
  • Seit Ende des 19. Jahrhunderts steigen weltweit die Temperaturen, dabei gab es zwei starke Erwärmungsphasen (grob 1880-1945 und 1970-20xx), wovon nur die zweite Erwärmungsphase etwas mit CO2 zu tun haben kann (während der ersten Phase war der menschengemachte CO2-Ausstoß schlicht viel zu gering)
  • Schäden aus wetterbedingten Naturkatastrophen sind höher als in der Vergangenheit (unklar hingegen, ob das nicht nur am höheren Wohlstand und bereitwilligem Eingehen von vermeidbaren Risiken liegt)

Was weiß man heute mit ziemlicher Sicherheit?

  • Ein weiteres wichtiges Treibausgas ist Wasserdampf – da warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass es einen Rückkopplungseffekt gibt und durch vermehrten Wasserdampf in der Atmosphäre es bei einer 0,8-Grad-Erwärmung durch CO2 zu einer zusätzlichen Erwärmung von etwa 0,4 Grad aufgrund des zusätzlichen Wasserdampfs kommt

Was ist weitgehend strittig?

  • Wie präzise sind die Klimarekonstruktionen der Vergangenheit? Inwiefern ist die Validität der diversen Proxys (Baumringe, Sedimente, Eisbohrkerne) gesichert?
  • Sorgen steigende Temperaturen für eine größere Wahrscheinlichkeit von wetterbedingten Naturkatastrophen (Stürme, Überflutungen, Starkregen etc.)
  • Welcher Anstieg des Meeresspiegels ist zu erwarten?
  • Ist Anpassung an Klimaerwärmung preiswerter als CO2-Minderung?
  • Was sind preiswerte Maßnahmen zur CO2-Minderung?
  • Wie sind die Rückkopplungseffekte durch die Wolkenbildung – negative oder positive Rückkopplung?
  • Gibt es Rückkopplungseffekte auf oder durch die diversen großen Meeresströmungen und die Ozeane?
  • Verändern sich bisher stabile Wettermuster in Richtung Instabilität?
  • Wie werden sich regionale Wettermuster insbesondere bezüglich Niederschlagsmenge und -häufigkeit ändern?
  • Sind die Rückkopplungseffekte durch die CO2-induzierte Erwärmung positiv oder negativ?
  • Wie entwickelt sich zukünftig die Sonnenaktivität und was sind die Auswirkungen auf unser Klima?
  • Was führte zur ersten Phase der Erwärmung nach dem Ende der “kleinen Eiszeit”?
  • Woran werden wir erkennen, wann die nächste Eiszeit vor der Tür steht?

Und das waren jetzt nur die Punkte, die mir so spontan eingefallen sind. In Summe könnte man auch sagen: nix genaues weiß man nicht. Was es besonders schwer macht, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen – im Angesicht dieser Unsicherheit ist man ja fast gezwungen, ausschließlich auf “no-regret-Maßnahmen” zurückzugreifen, will man dramatische Fehlallokationen vermeiden. Denn wenn man teure Maßnahmen zur CO2-Reduktion ergreift, diese aber aus welchem Grund auch immer nicht zu einem gewünschten Aufhalten des Klimawandels führt (beispielsweise weil der Rest der Welt keine Reduktionsmaßnahmen ergreift, weil die CO2-Sensitivität doch niedriger als gedacht ist etc.), steht dieses Geld nicht mehr für notwendige Anpassungen an das geänderte Klima zur Verfügung.

Nun verfolge ich die Diskussion und Forschung nicht mehr ganz so leidenschaftlich wie Mitte der Nullerjahre, es ist also nicht auszuschließen, dass es inzwischen das perfekte Modell gibt, wir endlich wissen welche Maßnahmen kosteneffektiv sind und wir die Klimasensitivität genau bestimmen konnten. Wer mehr weiß, darf mir gerne mailen.

Es ist ja auch so, dass es Stand heute genau eine großtechnische und weitestgehend kostenneutrale Möglichkeit gibt, CO2 einzusparen: die Nutzung der Kernspaltung. Mal als grober Anhaltspunkt: Frankreich und die Schweiz haben gemessen am BIP nur den halben pro-Kopf-Ausstoß von CO2 gegenüber Deutschland. Weil Frankreich eben viel Kernenergie und recht viel Wasserkraft, die Schweiz viel Wasserkraft und recht viel Kernenergie nutzt, Deutschland hingegen viel Kohle (und demnächst die letzten Kernkraftwerke abschalten wird, was diese Bilanz noch deutlich zu unseren Ungunsten verändern wird). Deshalb irritiert es mich maßlos, wenn dieselben Personen einerseits den menschengemachten Klimawandel als das entscheidende Problem der Menschheit darstellen, gleichzeitig aber den Ausbau der Kernenergie rundweg ablehnen. Das ist kognitive Dissonanz vom allerfeinsten. Oder man kann daraus schließen, dass die Sache mit dem Klimawandel offenbar doch nicht so schlimm sein kann, wenn man nicht mal bereit ist so etwas komplett harmloses wie die Kernenergie als Lösung ins Auge zu fassen.

Wenn man es ernst meint mit der Reduktion von CO2-Emissionen, dann schlage ich folgenden verhältnismäßig preiswerten Weg vor: konsequenter Ausbau der Kernenergie und Nutzung derselben sowohl für Strom- als auch Wärme- und Treibstoffproduktion. Entwicklung kleiner, transportabler Reaktoren, um beispielsweise Meerwasserentsalzung für Trinkwasseraufbereitung und Bewässerungszwecke weltweit einfach und preiswert zur Verfügung stellen zu können. Scheint mir doch relativ einfach und übersichtlich zu sein, man müsste nur aufhören den Panikmachern der Anti-Kernkraft-Fraktion zuzuhören und wieder einen rationalen Diskurs beginnen. Aber vermutlich wird jetzt wieder jemand mit der ungelösten Endlagerfrage kommen – abgesehen davon, dass diese Frage schon lange gelöst ist, zeigt das sehr eindrucksvoll, wie klein in den Augen dieser Menschen doch das Problem des Klimawandels zu sein scheint, wenn eine mögliche, sehr unwahrscheinliche lokale Gefährdung einiger weniger Menschen in sehr ferner Zukunft als wichtiger dargestellt wird als die Verhinderung einer kommenden Klimakatastrophe, die ja angeblich das größte Problem der Menschheit sein soll.

Vorwahlprognosen zu Bayern

Ich habe ein gemischtes Verhältnis zur Demoskopie. Es gibt da durchaus eine saubere statistische Grundlage, wissenschaftlich abgesichert. Aber dann gibt es da die Umfrageinstitute, die “längerfristige Überzeugungen” von Wählern bzw. Befragten berücksichtigen und dadurch ein undurchschaubares Geflecht an Einflussfaktoren nach Gutdünken in die statistische Grundlage einfließen lassen. Dazu die unterschiedlichen Befragungsarten – wie präzise kann eine Telefonumfrage sein, wenn man eine kleine Stichprobe hat und immer mehr Menschen sich einen Spaß daraus machen, absurde und bewusst falsche Angaben zu machen? Und warum werden in den Medien eigentlich nicht die essentiell wichtigen Fehlermargen berichtet? OK, rhetorische Frage – weder der durchschnittliche Leser noch der durchschnittliche Journalist versteht genug von Statistik, um zu verstehen, warum das eigentlich essentiell ist. Siehe auch “Klimamodelle” – aber ich schweife ab.

Nun kann man dank wahlrecht.de ja übersichtlich sämtliche Umfragen der einschlägigen Meinungsforschungsinstitute begutachten, auch in ihrem zeitlichen Verlauf. Nach dem Fiasko der Meinungsforscher bei Trump und Brexit ist die Glaubwürdigkeit ja durchaus angeschlagen, und so nehme ich mir die Freiheit eine “Gegenprognose” zu machen – so rein aus Bauchgefühl, Jux und Dollerei.

Hier kann man die Sonntagsfragenergebnisse für die bayrische Landtagswahl nachlesen. In den aktuellsten Umfragen der Institute sieht man die CSU bei 33-35%, die Grünen bei 16-19%, die AfD bei 10-14%, die SPD bei 10-12%, die Freien Wähler bei 10-12%, die FDP bei 5-6% und die SED bei 4-5% (mit klarer Tendenz zu “nicht im Landtag”).

Mein Bauchgefühl ist: CSU unterschätzt, AfD unterschätzt, Grüne überschätzt, Rest könnte passen. Die “Sonstigen” taxiere ich mal auf 4%, und so lautet meine Prognose: CSU 37%, AfD 15%, Grüne 14%, FW 11%, SPD 11%, FDP 5%, SED 3%.

Das würde nach meiner Einschätzung auf eine Regierung CSU + FW + ggf. falls als Mehrheitsbeschaffer noch notwendig FDP rauslaufen. Für CSU + Grüne reicht meine Phantasie nicht, die bayrischen Grünen sind eine seltsame Ansammlung linksradikaler Ideologen ohne einen Sympathieträger wie Kretschmann in B-W, und die nicht endenden Auftritte vom Hofreiters Toni im bayrischen Wahlkampf muss eigentlich die bürgerlichen Grünen-Wähler nachhaltig abschrecken. Frau Schulze ist auch eher schwer vermittelbar, aber Grünen-Wähler waren mir andererseits immer ein Rätsel. Die CSU schätze ich höher ein als die Umfragen weil ich viele Unentschlossene für “eigentlich-CSU-aber-vielleicht-ein-Denkzettel-aber-so-schlecht-sind-wir-mit-denen-nicht-gefahren”-Wähler halte, die letztlich in der Wahlkabine vielleicht auch zähneknirschend ihr Kreuz doch wieder bei der CSU machen werden. Allerdings dachte das die BaWü-CDU auch schon mal.

Ich bin gespannt, ob ich näher dranliege als die Demoskopen. Die letzte Landtagswahl war (gerundet) CSU 48%, SPD 21%, FW 9%, Grüne 9%, FDP 3%, SED 2%, sonstige 9%(!). Ich prognostiziere also die übliche Wählerwanderung “alle verlieren etwas an die AfD”, dazu etwas “Grüne statt SPD” weil niemand gerne Verlierer wählt und die SPD in einem Abwärtsstrudel sondersgleichen steckt, “FW bzw. FDP statt CSU weil man nicht AfD wählen will aber auf keinen Fall CSU-Grüne will” und “Linke statt SPD und Sonstige”. Nach meiner Prognose schrumpft das linke Lager ziemlich, eben weil die AfD nicht nur von der CSU Wähler zieht, sondern von allen Parteien.

OK, jetzt habe ich doch viele Begründungen für meine Prognose geliefert – scheint also doch nicht nur Bauchgefühl, Jux und Dollerei zu sein. Aber vielleicht habe ich ja auch nur die Zahlen ausgewürfelt und hinterher oberschlaue Begründungen dafür gefunden? Sonntag Abend werden wir schlauer sein. Und ich bin sicher, hinterher finden die Qualitätsmedien wieder sehr gute Erklärungen, warum man das Ergebnis schon vorher hätte wissen können wenn nicht müssen.