Die VAE haben zum 1. Mai die OPEC verlassen. Damit reduziert sich erneut die Preissetzungsmacht der OPEC, die über die Jahrzehnte einen dramatischen Bedeutungsschwund hinnehmen musste. Während in den Siebzigern – wir erinnern uns an die beiden Ölkrisen, die durch Förderdrosselung bzw. Lieferboykott der OPEC letztlich verursacht wurden – die OPEC noch etwa 55% der Welterdölförderung stemmte, ist nun nach dem Austritt der VAE der Anteil auf rund 32% gesunken.
Nun kann man natürlich, wenn man sieht, wie groß die Preisschwankungen aufgrund der Probleme rund um die Straße von Hormus tatsächlich sind und dort nur etwa 20% bis 25% des exportierten Öls transportiert wurde, nicht sagen, dass diese 32% irgendwie irrelevant sind. Aber die OPEC-Länder müssen ja weiterhin ihre Staatshaushalte finanzieren, und so wird es nun immer schwieriger, durch Kappung oder Erhöhung der Ölförderung groß Einfluss auf den Weltmarktpreis zu nehmen. Die Förderquoten waren schon immer Zankapfel innerhalb der OPEC, und durch den Austritt der VAE wird die Balance zwischen den verbliebenen Mitgliedsstaaten nun noch delikater.
Tendenziell würde ich erwarten, dass die Rohölpreise auf Sicht 10 Jahre wieder deutlich nachgeben werden, so in den Bereich von 60 bis 80 US$. Die Nachfrage wird eher stagnieren (wobei – das wurde schon oft prognostiziert, doch z.B. von 2015 bis 2025 ist die weltweite Förderung nochmal signifikant um über 10% gestiegen), viele ölfördernde Länder brauchen dringend Geld, und bei einem Preisniveau von erwartbar dauerhaft über 50 US$ ist das Erschließen unkonventioneller Lagerstätten ziemlich sicher profitabel. Aber vielleicht kommt ja auch wieder eine Pandemie dazwischen mit Preisen unterhalb von 20 US$. Oder setzen wir unsere Hoffnung auf „Frieden auf Erden“, mit einem demokratischen Venezuela, Iran und Russland und strategischer Ölförderung per Fracking in Europa? Meine Glaskugel ist gerade sehr trübe.