Qualitätsjournalismus am praktischen Beispiel

Eigentlich wollte ich – schon vor ein paar Tagen – nur einen kleinen unschuldigen Blog-Beitrag verfassen. Und der ging so:

Man könnte jeden Tag zig Blog-Posts zu Journalisten-Fails machen. Warum ich gerade diesen aussuche – ich weiß es nicht, aber er illustriert von absoluter Dummheit über Clickbaiting bis zum TDS (Trump Derangement Syndrome – wer es nicht kennt, kann hier nachlesen) drei der Kernkompetenzen heutiger Journalistensimulanten.

Ich beziehe mich hier auf den auto-motor-sport-Newsletter vom 2026-02-10 – per se nicht gerade Teil der journalistischen Hochkultur, aber immer gut für einen Lacher früh am Morgen, und ab und zu auch mit durchaus wertvollen Infos (sonst würde ich ihn ja nicht lesen). Das Subject der Mail: „Trump verbietet Start-Stopp“. Überschrift der Mail: „Aus für das Start-Stopp-System“. Text der Mail: „Diesmal hat der amerikanische Präsident das Start-Stopp-System im Visier. Ab sofort soll das System in Neuwagen nicht mehr verpflichtend sein.“ Von „Verbot“ zu „nicht mehr verpflichtend in Neuwagen“ innerhalb von ein paar Sätzen. Respekt für diese journalistische Meisterleistung.

Ein zweiter Bewerber für den extrem harten Wettbewerb „Journalisten-Dummbeutel des Jahres“ arbeitet fürs Handelsblatt-Briefing. Ich zitiere: „Die Preise in den USA sind stärker gesunken als erwartet. So meldete die Statistikbehörde eine Inflationsrate von 2,4 Prozent, während Experten mit einem Rückgang auf 2,5 Prozent gerechnet hatten.“

Immerhin die Korrektur als Nachsatz am nächsten Tag: „PS: In der vergangenen Ausgabe dieses Newsletters habe ich eine sinkende Inflationsrate irrtümlicherweise mit sinkenden Preisen gleichgesetzt, was natürlich Unfug ist. Tatsächlich steigen die Preise nur weniger schnell, was vielen von Ihnen aufgefallen ist. Ich bitte, den Fehler zu entschuldigen.“

Tja, soweit der geplante Blog-Beitrag. Dann kam aber das ZDF heute-journal und blamierte sich nicht nur durch Verwendung eines KI-Fake-Videos und von Archivmaterial ohne jede Kennzeichnung, sondern versah das auch noch mit einer sehr irreführenden Anmoderation der allseits geringgeschätzten Dunja Hayali. Und nicht genug mit diesem gravierenden Verstoß gegen alle journalistischen Regeln – was danach folgte, konnte peinlicher kaum sein, mit offiziellen Reaktionen des ZDFs, die nur vermuten lassen, dass wirklich auf allen Ebenen dort weder Sachverstand noch journalistische Integrität zuhause sind. Wer es nicht mitbekommen hat, kann hier und hier einen treffenden Kommentar dazu nebst Beschreibung des Sachverhaltes lesen.

Damit illustriert das ZDF – für mich als langjährigen Beobachter der ÖRR-Misere erneut – eindrucksvoll, dass der zwangsgebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk entweder aktiv abgeschafft werden sollte, oder sich weiter selbst demontiert. Bittere Erkenntnis für die selbsternannten Wächter der Demokratie, aber auf eine faktenfreie Propagandaschleuder, die zudem im Unterhalt extrem teuer ist, kann nun wirklich jeder verzichten. Außer den Profiteuren der Propaganda natürlich.

Beim SPIEGEL konnte man wenigstens das Abo kündigen nach dem Relotius-Skandal. Die Zwangsgebühren hingegen fließen weiter. Der ÖRR hat eben längst das, wovon die vereinigte politische Linke schon lange träumt: das leistungslose Grundeinkommen.

EZB-Postengeschacher

Die Älteren erinnern sich: bei der Einführung des Euros wurde partei- und länderübergreifend versprochen: die EZB wird nach dem Vorbild der Bundesbank konstruiert, einziger Auftrag ist die Geldwertstabilität, andere Dinge nur (wie beispielsweise Wirtschaftsförderung durch Leitzinssenkung oder Ausweitung der Geldmenge, um Kreditvergabe zu erleichtern), wenn die Geldwertstabilität nicht gefährdet wird.

Nun hat die EZB wie kaum eine andere Institution das Vertrauen der Bürger derart erschüttert und mit Füßen getreten, wie es selbst ausgewiesene Pessimisten nicht für möglich gehalten hätten. Es bedurfte also keines Beweises mehr, dass die EZB die Hüterin der südeuropäischen Idee der Weichwährung ist.

Trotzdem mein Hinweis auf eine aktuelle Begebenheit, die Besetzung des Postens des Vizepräsidenten der EZB. Der Kroate Boris Vujcic hat das Rennen gemacht, der auch eher der südeuropäischen Idee der (Nicht-)Stabilität verpflichtet gilt. Im Gegensatz zum eigentlichen Favoriten, dem Finnen Olli Rehn, der eher zu den geldpolitischen Falken gerechnet wird.

Nun lese ich einen bezeichnenden Absatz im Handelsblatt-Newsletter: „Notenbankkreisen zufolge wahrt Deutschland mit der Entscheidung für Vujcic seine Chancen, 2027 erstmals die EZB-Spitze zu besetzen. Sie wären verschwindend gering gewesen, hätte Rehn sich durchgesetzt, sagte ein Insider dem Handelsblatt. Denn zwei Vertreter aus dem stabilitätsorientierten Norden Europas gelten in der Eurozone als kaum vermittelbar.“ Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: bezüglich der EZB, gegründet mit dem Stabilitätsversprechen, ist Stabilitätsorientierung nicht vermittelbar.

Na dann freuen wir uns schon auf die nächsten Inflationsschübe, die noch zu den hierzulande üblichen Steuer- und Abgabeninflationsschübe dazu kommen.

Die Trump-Chance

Die aggressive Zoll-Politik von Donald Trump ist eigentlich eine einmalige Chance für die EU, endlich mal beim Freihandel Nägel mit Köpfen zu machen und mit interessierten Ländern oder Regionen, sei es Afrika, der Nahe Osten, Indien, Südamerika, Kanada, Mittelamerika oder Japan, entsprechende Abkommen zu schließen. Die Welt kann von mehr Freihandel nur profitieren, und wenn die USA sich isolieren wollen – Reisende soll man nicht aufhalten.

Was macht die EU stattdessen? Nach nur 25 Jahren Verhandlungen und kürzlicher Unterzeichnung hat nun das EU-Parlament die Ratifizierung verweigert und an den EuGH verwiesen, um die Rechtmäßigkeit prüfen zu lassen. Sowas kann man sich nicht ausdenken. Dass die Grünen in trauter Einigkeit mit der AfD gestimmt haben – geschenkt, das ist schließlich nur ein Thema, wenn es andere tun. Für die gute Sache hingegen darf man sich jederzeit mit dem Leibhaftigen verbünden.

Aber überraschend kommt es ja auch nicht. Die EU war im Kern immer eine protektionistische Veranstaltung, allein mit dem Thema „wir müssen die EU-Landwirtschaft vor Billigimporten schützen“ (immer gern dabei: französische Bauern) kann man Bücher füllen. Der EU-Bürger bezahlt diesen Irrsinn seit Jahrzehnten mit zu hohen Preisen für Güter aller Art, vor allem aber für Lebensmittel. Dass sich die Granden der EU dieser Problematik prinzipiell bewusst sind, hat das Trump-Zoll-Gejaule ja eindrucksvoll gezeigt – gleich waren alle dabei, die volkswirtschaftlichen Kosten von Zöllen zu beklagen. Die davor bereits existierenden EU-Zölle in nicht unerheblicher Höhe inklusive mannigfaltiger anderweitiger Abschottungsmaßnahmen des Binnenmarktes hatten dieses Problem wohl auf magische Art und Weise nicht.

Wer dachte, die Abschottungspolitik gegen UK nach dem Brexit sei nur eine Art Strafaktion, lag schon immer falsch. Die EU hat einfach weiter die Dinge getan, die die EU immer getan hat. Binnenmarkt regulieren, Importe verteuern oder verunmöglichen.

Derweil warten wir darauf, dass jemand andernorts die eigentliche Kernkompetenz der EU importieren will: Bürokratie, Regulierung, nichttarifäre Handelshemmnisse. Nirgendwo ist das Know-How größer als hierzukontinents. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Chance vertan.

Das Tesla-Rätsel

Nein, es soll nicht um das große Rätsel gehen, warum Tesla immer noch so gerne Ankündigungen mit einer Jahreszahl versieht. Oder immer noch Einzelne diese Jahreszahl – oder die Ankündigung – für realistisch halten. Es soll ganz einfach um den Börsenkurs von Tesla gehen. Und warum der auch in 2025 noch so – aus meiner Sicht – absurd hoch ist.

Ich blende die Vorgeschichte zwischen 2010 und 2020 mal kurz aus. Der Kurs vervielfachte sich, aber dafür gab es ja nachvollziehbare Gründe – das Tesla Model S war dank brauchbarer Reichweite und der Supercharger das einzige „marktfähige“ Elektroauto für alle Anwendungszwecke und weltweit das meistverkaufte Elektroauto, und Tesla hatte einen Plan, der durchaus plausibel aussah, und man hatte auch einen gewissen Technologievorsprung. Das ist natürlich ein Grund für eine stattliche Kurserhöhung gegenüber „wir haben noch gar kein Auto“ und „wir haben diese Lotus Elise mit ein paar Laptop-Akkus vollgestopft“. Ende 2019/Anfang 2020 begann dann aber die Aktienkursexplosion (von etwa 15 EUR auf zeitweise über 420 EUR), die mich zu diesem Blog-Artikel bringt.

Stand heute hat Tesla eine Marktkapitalisierung, die größer ist als Toyota, Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Stellantis zusammen. Also eher sogar den doppelten Wert der genannten zusammen. Tesla verkaufte 2024 knapp 2 Millionen Autos. So viele wie etwa Mercedes-Benz oder BMW. Zusammen bringen die 5 „konventionellen“ Hersteller es auf etwa 30 Millionen ausgelieferte Autos.

Halber Börsenwert bei fünfzehnfacher verkaufter Stückzahl? Forschen wir weiter nach Gründen. Es könnte ja daran liegen, dass Tesla pro Fahrzeug sehr viel profitabler ist als die anderen. Stellt sich raus: nein, gar nicht. VW und Stellantis verdienen pro ausgeliefertem Fahrzeug weniger Geld als Tesla, aber BMW, Toyota und Mercedes-Benz mehr. Sehr viel mehr. Teiweise über doppelt so viel. Vor allem in 2024 musste Tesla Federn lassen.

Naja, wird jetzt der eine oder andere Börsenprofi einwenden – an der Börse wird ja schließlich die Zukunft gehandelt und nicht die Vergangenheit oder die Gegenwart. Nun ja – Tesla hat 2024 weniger verdient als 2023, und auch weniger Fahrzeuge verkauft. Die ehemals so hoch gehandelte Wachstumsstory existiert schlicht nicht mehr (und war vermutlich auch nie plausibel – dachte man, Tesla wird für immer der einzige Hersteller von Elektroautos bleiben und die Margen beliebig in die Höhe schrauben können?). Tesla steckt knietief im tobenden Konkurrenz- und teilweise auch Preiskampf, vor allem gegen die chinesischen Billighersteller. Und anderswo brechen die E-Auto-Verkäufe überall dort regelmäßig ein, wo die Staaten die Subventionen zurückfahren. Aktuell gerade im US-Heimatmarkt von Tesla zu beobachten.

Nun habe ich mehrfach den Erklärungsansatz für den absurd hohen Börsenwert gelesen, dass Tesla ja gar nicht als Autohersteller zu bewerten ist, sondern vielmehr als Technologieunternehmen. Also Alphabet, NVidia, Meta, Oracle, Amazon und Microsoft als Benchmark und nicht BMW oder Toyota. Interessante Idee, aber nicht durch die Fakten gedeckt. Technologisch ist Tesla nicht mal mittelmäßig und ist maximal gut bei Ankündigungen. Nachdem es mit den Robotaxis und dem autonomen Fahren nicht so gut klappt, ist ja jetzt Robotik der neueste Hype unter den Musk-Jüngern für das baldige Erreichen des Paradieses. Denn mit den ganzen Akku-Lösungen von Powerwall bis Megapack kann man wohl keine Megaumsätze in der näheren Zukunft erwarten, zumal dort die Konkurrenz ebenfalls groß ist.

Ist den Börsianern aber egal. Und zwischendurch vergessen sie auch gerne mal ihren eigenen Erklärungsansatz vom Technologiekonzern. Neulich haben die Investmentbanker von Goldman Sachs das Kursziel von 300 US$ auf 390 US$ angehoben – weil man von stark anziehenden Verkäufen in den USA ausging wegen des Auslaufens der dortigen „BEV Tax Credits“ genannten staatlichen Megasubvention. Und regelmäßig schlägt der Tesla-Börsenkurs heftig aus, wenn es Ankündigungen oder Verschiebungen von neuen Fahrzeugmodellen gibt. Also was jetzt? Autohersteller oder Technologiekonzern?

Es ist und bleibt ein Rätsel. Einzig vernünftige Erklärung: Börsenkurse haben mit Fundamentaldaten einfach gar nichts zu tun. Und auch nicht mit plausiblen Zukunftserwartungen. Sondern einfach nur mit Zocken und hoffen, dass man noch rechtzeitig aussteigt, aber lange genug dabeibleibt, um den Höhenflug mitzunehmen. Timing ist alles bei den Börsianern.

Und so bleibt der Eindruck, dass es eben bei einigen Aktien um eine Art Glücksspiel im größten Kasino der Welt geht. Bei Tesla möglicherweise noch zusätzlich um eine quasireligiöse Gemeinschaft, die dem großen Propheten Elon folgt.

Die KI-Blase platzt demnächst

Bevor es tatsächlich passiert, wollte ich mich auch noch schnell in der inzwischen sowohl lange als auch illustre Reihe der Warner und Crash-Propheten (Warren Buffett!) einfinden.

Unternehmen, die irrsinnige Summen in KI investieren, haben börsentechnisch ein echtes Kursfeuerwerk hinter sich. Signifikante Prozentsätze dess Zuwachses der US-Indizes vom S&P 500 bis zum NASDAQ verdanken das dem KI-Hype.

Ich bin der Ansicht, dass es sich hier um eine Blase handelt. Wie groß sie tatsächlich ist, und wann sie tatsächlich platzt, ist natürlich noch offen. Viel erinnert an die Dotcom-Blase anfang der Nuller-Jahre. Einziger Unterschied: Deutschland war damals mit der „New Economy“ mitten drin in der Blase (wer erinnert sich noch an den „Neuen Markt“?), beim KI-Thema stehen wir mehr so an der Seitenlinie als (wenig) interessierter Zuschauer. Das letzte deutsche Börsenwunder brauchte bekanntlich eine weltweite Pandemie, um durchzustarten – KI hat einfach nicht den notwendigen Wumms, um hierzulande die Lethargie zu überwinden.

Nicht, dass ich den ganzen KI-Hype für gänzlich unberechtigt halte, im Gegensatz zum Beispiel zum Krypto-Hype. Aktuelle KI in Form der LLMs hat heute schon Anwendungen in der Praxis, und es ist jetzt schon klar, dass es sich rein prinzipiell für viele weitere interessante Anwendungen eignet – die kann man jetzt bauen und schauen was gut funktioniert, und die werden wahrscheinlich auch das Platzen der Blase mehr oder weniger unbeschadet überleben.

Ob das Platzen der Blase dann auf „Herdentrieb“ zurückgehen wird oder auf objektive Daten, die Zweifel an der Nachhaltigkeit der derzeit investierten Summen zu stark werden lässt (ich empfehle mal einen Blick auf die Differenz bei OpenAI zwischen „soviel Einnahmen bringt gerade die KI“ gegen „soviel investeren wir gerade in die KI“) – ich tippe auf ersteres. Wäre die Börse auf Fundamentaldaten gebaut und nicht auf eine Kombination aus Casino-Mentalität, emotionalen Entscheidungen und Bauchgefühl, schlaue Menschen hätten schon lange ein Modell gebaut um bessere Kursprognosen zu machen. Und damit bleibt es auch unvorhersagbar, ob und in welchem Umfang der „Rest des Marktes“ in Mitleidenschaft gezogen wird.

Genau wie bei der Dotcom-Blase wird es auch bei KI Überlebende geben, die langfristig in den profitablen Bereich vorstoßen werden – wer und wann und warum? Keiner weiß es. Meine Glaskugel ist gerade sehr trübe. „Demnächst“ im Titel dieses Posts kann sowohl Tage als auch Jahrzehnte bedeuten. Mit der Präzision meiner Vorhersage dürfte ich die „von-bis“-Prognosebandbreite der Experten ungefähr treffen.

Neue Erkenntnis zur COVID-19-Schutzimpfung

Ich bin bekennender Hadmut-Danisch-Fan. Der Vielschreiber unter den deutschen Bloggern ist immer eine vergnügliche und gleichzeitig lehrreiche Lektüre. Auch wenn es manchmal „viele Wörter“ sind (unter Informatikern: er ist eben ständig im „verbose mode“) und sich mitunter ein paar viele, aber bei ausreichender Hirnleistung problemlos autokorrigierbare Vertipper einschleichen. Müsste ich Danisch mit zwei Wörtern beschreiben: „Sachlicher Polemiker“.

Nun hat er heute mal wieder ein Kleinod rausgehauen, zwar in einem nebenläufigen Gedankengang zum Artikelthema, einer kleinen Abschweifung, aber das sei nur als Leser-Motivation erwähnt, die Artikel wirklich in Gänze und aufmerksam zu lesen. Ich zitiere: „Mir scheint, die Corona-Impfung war die einzige Impfung der Menschheitsgeschichte, von der die Ungeimpften noch mehr Impfschäden davongetragen haben als die Geimpften.“ Kaum jemand hat den ganzen Irrsinn der Impfdebatte so treffend auf den Punkt gebracht.

Und ich ergänze das mal noch, angelehnt an einen berühmten Ausspruch in einem gänzlich anderen Zusammenhang: „Die Ungeimpften werden den Geimpften das weitgehende Ausbleiben von schwerwiegenden Impfschäden nie verzeihen.“

Der Literaturnobelpreisträger

Es ist quasi „the same procedure as every year“ – jemandem wird der Literaturnobelpreis verliehen, keiner kannte ihn vorher (Ausnahmen bestätigen die Regel – Bob Dylan, Günther Grass, Elfriede Jelinek, Heinrich Böll, John Steinbeck, Hermann Hesse – aber da hat jeder seine eigene Liste, und manche wurden danach durchaus bekannt, zumindest unter der gequälten Schülerschaft, die hilflos dem Deutsch-Lehrplan ausgeliefert war).

Diesmal also László Krasznahorkai. Nun kann ich zu seinem Werk weder Sinnstiftendes noch Erhellendes beitragen, aber mich hat die Berichterstattung über sein Werk in den Medien etwas irritiert. Besonders häufig habe ich gelesen, dass sein letztes Werk über rund 400 Seiten aus einem einzigen und damit sehr langen Satz (und nicht etwa einem normalen in einem sehr großen Font) besteht. Könnte also sein, dass das die neue entscheidende Metrik für den Literaturnobelpreis ist – die Ablehnung von Konventionen, die der besseren Textverständlichkeit des geneigten Lesers dienen soll. Für Nicht-Literaturnobelpreisträger-Anwärter hingegen gilt weiterhin: Kurze Sätze gut. Lange Sätze hingegen, vor allem wenn sie mit sinnlosen Einschüben unnötig verlängert werden, helfen beim Textverständnis auf keinen Fall weiter, insbesondere wenn man immer weitere Nebensätze anhängt, die außer Schwurbeleien nichts zum Thema beitragen.

Hmmm. Und welcher Blogkategorie ordne ich das jetzt zu? Eröffne ich ein neues Fass ohne Boden namens „Nobelpreisträger“ und verspotte als Nächstes den lächerlichen Friedensnobelpreis an Obama? Wobei: der gilt ja gar nicht als „echter“ Nobelpreis und wird zu allem Überfluss auch noch in Oslo und nicht in Stockholm vergeben. Da fällt mir ein: ich könnte die Kategorie „Handbuch des nutzlosen Wissens“ nennen. Da hätte ich reichlich Material für auf Lager.

Er bloggt wieder!

Von höchst Erfreulichem soll hier die Rede sein. Wenn auch – allein um die allseits geschätzte hier-lesen-sie-News-zuletzt-Aura dieses Blogs aufrechtzuerhalten – einige Monate zu spät.

Es geht um den „Coyote Blog“ von Warren Meyer. Eine der wenigen verbliebenen echten liberal-libertären Stimmen in der Blogosphäre. Ein paar Jahre Pause oder very-low-frequency-operation hat er eingelegt, jetzt ist er seit ein paar Monaten wieder aktiv.

Besonders gefällt mir, dass Warren stets abwägt. Er scheint einer der wenigen zu sein, die in der Lage sind, noch so viel Bereitschaft zur intellektuellen Interität mitzubringen, um es zu ermöglichen, den Trump-Bullshit zu attackieren und die guten Trump-Entscheidungen zu loben. Es ist schmerzlich, dass man inzwischen wirklich lange suchen muss, um in den USA solche Quellen aufzutun. Der „great divide“, „Red Team vs. Blue Team“, hat dort Ausmaße erreicht, die man sonst nur von Deutschland kennt – wobei es hier ein starkes Übergewicht des linksgrünrotversifften Teams gibt, was die Sache noch schlimmer macht für jeden, der sich seine Freiheitsliebe nicht schon abtrainieren hat lassen. Jedenfalls empfehle ich jedem, die „Coyote Law“ zu verinnerlichen. Wer nur ganz kurz Zeit hat für ein einziges Meme: dieser Artikel bietet sich an. Intelligenter Humor at its best. Wer Zeit hat, sollte seine alten Postings zum Thema Klimawandel lesen. Wer nur die deutsche Berichterstattung verfolgt, könnte meinen, es mit einem handfesten Klimawandelleugner zu tun zu haben. Aber weit gefehlt, Warren ist einer der wenigen, der die Sachlage faktentreu berichtet und ist der Fraktion „Klimakatastrophenverneiner“ angehörig, die einzige intellektuell aufrechterhaltbare Position in diesem verminten Gebiet. Traurig, aber wahr. Wobei bezüglich Klimapolitik „The Honest Broker“ von Roger A. Pielke Jr. natürlich erste Wahl bleibt.

Ebenfalls will ich nochmal lobend erwähnen: Isaac Saul mit seinem Tangle-Newsletter. Für einigermaßen ausgewogene Politik-Nachrichten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten weiterhin erste Wahl. Das hierzulande von den Mainstream-Medien (man ist versucht, „Lügenpresse“ zu schreiben, aber das würde ja dummerweise den Rundfunk nicht mit einschließen) vermittelte Zerrbild kann ja ein normal denkender Mensch kaum ertragen.

Schon drei wichtige News-Quellen-Empfehlunen. Ich sollte mal wieder die Liste essentieller Lektüre aufleben lassen.

Putin zündelt

Es wird gerade viel gesprochen über die diversen russischen Provokationsversuche mittels Drohnen, die natürlich nur aufgrund von Störungen ins NATO-Ausland geflogen sind, oder mittels Kampfflugzeugen, die natürlich nur aus Versehen NATO-Luftraum verletzt haben, unglücklicherweise auch noch bewaffnet.

Ich persönlich empfinde da keine Notwendigkeit, in irgendeiner Art und Weise zu reagieren. Ein paar Bemerkungen über die bekannten Schwierigkeiten Russlands, ihre Technik mit funktionierender Navigation auszustatten nebst Angebot, der nicht funktionierenden Technik ggf. mittels Begleitflugzeugen den richtigen Weg zu weisen, wären völlig ausreichend. Oder das Angebot, das offenbar veraltete unzuverlässige Gerät wie die MiG-31 der geordneten Entsorgung zuzuführen.

Was logischerweise die NATO-Länder nicht davon entbindet, bei der Flugabwehr die notwendigen Aufrüstungsschritte zu gehen. Die neuen Gerätschaften kann man dann erst mal in die Ukraine liefern, um sie einem Praxistest zu unterziehen.

Der problematische Ort

Trump wird sich voraussichtlich mit Putin treffen. Spiegel Online berichtet, Focus Online ebenso.

Der Tenor ist klar: Alaska! „Ausgerechnet Alaska“! Ein „höchst problematischer Ort“ für so ein Treffen! Ein „geopolitisches Schachmatt an den Westen“. Ja, „Schachmatt an“, weiß auch nicht, wer diese grammatikalische Konstruktion in der deutschen Sprache für gebräuchlich hält. Vielleicht eine KI.

Offenbar haben unsere Qualitätsjournalisten nur Menschen (oftmals irreführend als „Experten“ bezeichnet) gefunden, die Alaska als Ort für problematisch halten. Oder sie haben gar nicht erst andere Blickwinkel gesucht und routiniert ihre Quellen mit TDS genommen, so wie quasi immer, wenn es um Trump geht. Es gilt stets die maximal schlechte Interpretation zu wählen bei allem, was Trump sagt und tut – das ist quasi Grundkonsens im deutschen Qualitätsjournalismus.

Ich will mal kostenlos ein paar Interpretationen zur Verfügung stellen, die mindestens ebenso plausibel und naheliegend sind wie die, die ich bisher in den Qualitätsmedien gelesen habe. Ausnahmsweise erlaube ich, wörtlich zitiert zu werden, auch von kommerziellen Medien. Und los geht’s. Der Einfachheit halber liefere ich die Anführungszeichen gleich mit, das erlaubt direktes Copy&Paste, d.h. es kommt der heutigen Arbeitsweise der Qualitätsjournalisten so weit wie möglich entgegen. Als Quelle bitte „hubersn, Weltexperte für alle Fragen zu Russland, Trump und überhaupt“ angeben.

„Putin von Trump gedemütigt – Treffen findet in den USA statt anstelle wie erwartet auf neutralem Boden.“

„Gerade Alaska ist ein symbolträchtiger Ort – ehemals russisch und bettelarm, gehört es heute zu einer der reichsten Nationen der Welt, mit hohem Lebensstandard und immensem Wohlstand. Und das trotz den geografisch extrem ungünstigen Voraussetzungen. Das Signal ist klar – Anschauungsunterricht für Putin, warum so viele Menschen auf der Welt auf keinen Fall zur russischen Einflusssphäre gehören wollen. Genau wie die Ukrainer, die keine Lust haben, wie Weißrussland als russischer Vasallenstaat zu enden.“

„Trump hat den Ort des Treffens geschickt ausgewählt. Alaska gehörte bekanntlich früher einmal zum russischen Zarenreich, wurde dann aber – friedlich und in gemeinsamem Einvernehmen – von den USA den Russen abgekauft. Ein deutliches Signal von Trump, dass das die einzig akzeptable Art und Weise ist, wie Grenzen verändert werden dürfen.“

Was am Ende dabei rauskommt, wird spannend sein. Für Putin steht viel auf dem Spiel – er kann es sich nicht leisten, Trump zu verärgern, weil Trump weltweit der Einzige ist, der ihm seine zurück-zum-großrussischen-Reich-Strategie nachhaltig versauen kann. Es wäre für Trump ein Leichtes, die Ukraine mit den notwendigen Fähigkeiten auszustatten, die Russen empfindlich zu treffen. Auch die Strafzölle für Länder, die weiter von Russland Öl kaufen, sind ein sehr scharfes Schwert – wirtschaftlich steht Russland ziemlich nackt da, wenn der Rohstoffexport unter Preisdruck gerät, denn der russische Export basiert im Prinzip auf zwei Dingen: Rohstoffe und Waffen. Und die Waffen braucht Putin dringend selbst.