Wie ich der Fachpresse entnehme, hat Tesla endgültig aufgegeben, FSD mit der sogenannten „Hardware 3“, also das, was so ab etwa 2019 in ihren Autos verbaut wurde, zu realisieren. Die Älteren erinnern sich: für ein paar Tausend Euro (je nach Zeitpunkt des Kaufes zwischen 5000€ und 7500€) konnte man beim Kauf eines Tesla-Neuwagens „FSD Capability“ mitordern – man bekam dafür die Hardware installiert und das Versprechen, dass (damals versprochen: Ende 2019) die entsprechende Software nachgeliefert werden würde, um „Full Self-Driving“ zu ermöglichen.
Was genau „FSD“ nun jenseits der Werbeversprechen präzise umfasste – Musk versprach in verschiedenen Aktionärs-Calls vollmundig das vollautonome Fahren von Punkt A nach Punkt B ohne Eingriff des menschlichen Fahrers bei jedem Wetter – ich kenne die Vertragsdetails und das Kleingedruckte nicht. Jedenfalls hat Tesla nun eingeräumt: die damals verbaute Hardware ist zu schwach, um das zu realisieren. Es bleibt also bei einem mageren Assistenzsystem (Level 2+ wie manche es nennen).
Eine seriöse Firma würde nun entweder den damaligen Käufern der FSD-Option die neue Hardware kostenlos nachrüsten oder das damals bezahlte Geld zurückerstatten. Was wird Tesla tun? Es bleibt spannend. Offenbar gibt es eine Aussage, dass es allein logistisch und aufwandstechnisch gar nicht möglich sei, die neue Hardware nachzurüsten.
Was mal wieder zeigt: niemals den Zukunftsversprechungen einer Firma vetrauen, insbesondere dann nicht, wenn die Vergangenheit bereits eindrucksvoll gezeigt hat, wie niedrig der Eintrittswahrscheinlichkeit zum versprochenen Termin ist. Und schon gar nicht dann, wenn man auch noch dafür zahlen soll.
Spannend auch, was die Börse dazu sagen wird. Wenn man Analysten anno 2019 oder 2020 nach dem absurd hohen Tesla-Kurs gefragt hat, war oft die Begründung, dass die baldige Umsetzung der „Robotaxi-Idee“ da schon eingepreist wäre. Aber im Musk-Universum löst ja relativ häufig ein noch größeres Zukunftsversprechen das vorherige ab – im Prinzip so eine Art „Ponzi Scheme“ (Schneeballsystem). Es läuft eine Weile super, und dann kommt das böse Erwachen. Aber keiner weiß vorher, wie lange „eine Weile“ sein wird. Für den Moment dauert sie noch an.
Und noch was spannendes: es gibt in Fachkreisen ja immer noch reichlich Stimmen, die bezweifeln, dass Tesla mit seinem Ansatz „nur Kameras“ das Problem des autonomen Fahrens Level 5 jemals gelöst bekommt, egal ob mit Hardware 4 oder der angekündigten Hardware 5. Denn nicht nur Rechenleistung ist entscheidend, sondern auch Sensorik. Die eher sparsamen Erfolge der Tesla-Robotaxi-Flotte gegenüber den Konkurrenten wie Waymo scheinen durchaus in diese Richtung zu deuten. Ob man daraus auch Rückschlüsse auf den weiterhin für manche Anwendung beschämend bescheidenen Stand der KI ziehen kann?