Spannung in Baden-Württemberg
Am Sonntag ist Landtagswahl im Ländle, neudeutsch „The Länd“ genannt. Was lange Zeit – zumindest aus Demoskopensicht – als klare Sache für die CDU aussah, entwickelt sich in den letzten Wochen – erneut: zumindest aus Demoskopensicht – zum Nagelbeißer. Özdemir oder Hagel? Die meisten hätten wohl darauf gesetzt, dass nach dem Abschied des aus unerfindlichen Gründen weiterhin beliebten Landesvaters Kretschmann der ehemals sichere CDU-Erbhof wieder von den Grünen zur Union wandert.
Aber auch andere Sachen sind spannend. Werden der AfD die jüngst publizierten Skandale wählergunsttechnisch schaden? Wird die FDP im „liberalen Stammland“ die 5-Prozent-Hürde knacken? Wird die SED erstmals in den Landtag einziehen? Wird die SPD sehr deutlich nicht zweistellig? Fragen über Fragen. Und das vor dem Hintergrund zweier Besonderheiten: erstmals hat der Wähler zwei Stimmen ähnlich der Bundestagswahl. Und das Mindestwahlalter liegt, was ja auch nicht überall üblich ist, bei 16 Jahren. Aus meiner Sicht bergen diese Dinge erhebliche Risiken bezüglich der Treffsicherheit der Demoskopen.
Aus Bewohnersicht noch eine gute Nachricht: der Wahlausgang ist völlig egal, weil die Unterschiede zwischen den BaWü-Grünen und der BaWü-CDU eher minimal sind – wer hätte Mitte der Nullerjahre gedacht, dass man mal derart Politikern wie Erwin Teufel oder Günther Oettinger nachtrauern würde. Der Wechsel des Grünen-Juniorpartners vor vielen Jahren von der SPD zur CDU war im Ergebnis der Regierungspolitik quasi nicht zu merken. Und so wird auch nach dieser Wahl beispielsweise der konsequente Abstieg des einstigen Bildungsmusterländle weitergehen. Und an anderen Stellschrauben kann eine Landesregierung sowieso kaum etwas ändern. Beispielsweise die innere Sicherheit wird hauptsächlich durch die (Fehl-)Entscheidungen auf Bundesebene geprägt.
Ist doch auch mal schön – ein spannendes Ereignis mit irrelevantem Ergebnis. Also: Popcorn raus und gemütlich auf die Couch.
Und ich wage eine Vorhersage: die CDU wird am Ende vorne liegen, die FDP im Landtag sein, die SED aber nicht. Der Baden-Württemberger wird im Wahllokal auf sein tendenziell konservatives Ich hören.